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Karlsruhe Sylvia Kotting-Uhl: Wie wäre Fukushima in Deutschland?

Ein halbes Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat sich in Japan noch viel zu wenig getan, findet die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl. Im Gespräch mit ka-news erklärt die Karlsruher Bundestagsabgeordnete, warum Deutschland ein Vorreiter beim weltweiten Atomausstieg sein muss, und was aus Grünen-Sicht ein Einzug der Piraten in den Bundestag bedeuten würde.

"Man hat nicht das Gefühl, dass sich etwas verändert hat", sagt Sylvia Kotting-Uhl. Zwar sei das Thema Fukushima in Deutschland inzwischen aus den Nachrichten weitestgehend verschwunden - die Situation vor Ort sei aber noch immer beängstigend. "Man muss sich vor Augen halten, dass das Land drei Flüchtlingswellen zu bewältigen hat", so die Grünen-Politikerin, erst der Tsunami, dann die Flucht vor der Atomkatastrophe und zuletzt die Evakuierungen aus den verstrahlten Gebieten. "Wenn man dort ist, fragt man sich schon, wie so eine Katastrophe in Deutschland ablaufen würde."

"Deutschland muss mehr Druck machen"

Zwei Mal war die Karlsruher Bundestagsabgeordnete seit dem schweren Erdbeben im März 2011 in Japan, zuletzt Ende vergangenen Monats. Auch jetzt, ein halbes Jahr nach dem Unglück, fühle sich die japanische Öffentlichkeit schlecht informiert, so die Politikerin. Viel schlimmer sei jedoch, dass sich in den Köpfen der Politiker so wenig getan habe. "Man sollte meinen, nach Fukushima gäbe es auch in Japan Gedanken über eine Energiewende", so Kotting-Uhl, "dem ist aber nicht so." Dabei stünden viele der japanischen Atomreaktoren auf erdbebengefährdetem Gebiet - "und statistisch gesehen steht das nächste Jahrhunderterdbeben unmittelbar bevor."

Gerade wegen der traditionell guten Beziehungen zu Japan käme Deutschland hier eine wichtige Rolle zu. "Deutschland müsste hier viel stärker auf Japan einwirken", so Kotting-Uhl - und nicht nur auf Japan. Selbst wenn in Deutschland einmal alle Atomkraftwerke vom Netz gegangen sind, könnte ein Unfall in den Atomkraftwerken im benachbarten Ausland, etwa im französischen Fessenheim, auch Deutschland betreffen, so Kotting-Uhl. Deutschland müsse daher viel mehr Druck machen und als stärkste Wirtschaftskraft Europas zeigen, dass ein vollständiger Atomausstieg funktionieren kann.

Die Bundesregierung nimmt den Ausstieg nicht ernst

Eben der werde aber von der schwarz-gelben Bundesregierung nicht wirklich konsequent verfolgt. "Die Regierung nimmt den Ausstieg nicht ernst", so Sylvia Kotting-Uhl. Sonst würde nicht weiter Geld in die Erforschung der Kernfusion gesteckt.

Nichts ändern würde das freilich an der noch immer ungelösten Endlager-Frage. "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", so die Politikerin - darum müsse man auch die gesamte Gesellschaft dafür gewinnen, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Wie man das schaffe? "Mit Ehrlichkeit", so Kotting-Uhl: "Wir müssen fair und ergebnisoffen suchen und den Prozess transparent machen." Auch Baden-Württemberg sei hier in der Pflicht. "Keiner will den Müll vor der eigenen Haustüre haben, aber irgendwo wird er landen müssen." Letztlich gehe es darum, "den schwarzen Peter zum Helden" zu machen, indem man offen mit dem Problem umgehe und auch anerkenne, was die Menschen hier schultern müssen.

Die Piraten im Bundestag?

Ob sie in der Piratenpartei eine Konkurrenz für die Grünen sehe - etwa in Hinblick auf die nächste Bundestagswahl im Herbst 2013? "Auf jeden Fall", so Sylvia Kotting-Uhl. "Die Piraten besetzen ein Feld, was wir als Grüne nicht besetzen können." Die Menschen hätten nun einmal ein Bedürfnis nach etwas Neuem, Unverbrauchten - etwas, womit die Grünen vor 30 Jahren punkten konnten. "Wenn man aber erstmal im Parlament sitzt, dann muss man sich stellen. Dann muss man Antworten geben." Mit der Frische und dem Unverbrauchten sei es dann schnell vorbei.

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  • 0
    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 20:34
    Doch das geht,
    wäre sogar wichtig für uns hier Vorreiter zu werden. Erneuerbare Energien sind der Markt der Zukunft. Früher oder später sind die Vorräte eh verbraucht. Energie wird immer gebraucht und die Sonne liefert uns täglich genug davon, man muss sie nur nutzen können.
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  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    14.11.2011 20:18
    Erneuerbare Energien sind der Markt der Zukunft......
    Sieht aber nicht ganz danach aus...
    Solarunternehmen gehen reihenweise pleite
    Siehe Handelsblatt
    http://tinyurl.com/6xkpwf5
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  • 0
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    24.10.2011 20:42
    Bitte lesen, Ligu,
    und hier keinen Mist* von sich geben!
    Irrsinn: Deutschland verschenkt Strom ins Ausland

    *Quelle: Ligu
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  • 0
    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 20:55
    Sag mal was
    zu einer Art der Energieerzeugung an der sich wenige Konzerne dumm und dämlich verdienen, die nicht versicherbar ist (warum wohl), die Abfälle hinterlässt die Millionen von Jahren strahlen, die im Falle eines Gaus ganze Länder verseucht. Geh mal jeden Punkt durch.
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  • 0
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    24.10.2011 21:10
    Was soll ich dazu sagen?
    Daß ich deswegen trotzdem nicht noch auf'm Baum sitzen will und mich nur hinabbegebe, wenn ich mit Steinen versuchen muß das Feuer anzumachen, in froher Erwartung, daß mein Mann mit einem erlegten Wildschwein heimkommt?
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  • 0
    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 23:24
    Was für eine
    Ignoranz, als ob unser Wohlstand von der Atomkraft abhängt, ewig gestrige, bloß nichts neues versuchen. Immer im alten trott auch wenn der ins verderben führt. einfach krank.
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  • 0
    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 21:23
    Blödsinn,
    woher kommt denn alle Energie ? Richtig, von der Sonne, wie gesagt man muß sie nur nutzen können. Sitzt du neuerdings auf einem Baum weil Deutschland die AKW abschaltet. Was ist dagegen zu sagen auf erneuerbare (sprich unendliche, wenigstens in unserem Zeitbegriff) Energien zu setzen ?
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  • 0
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    25.10.2011 03:24
    Spricht nichts dagegen
    Ich frage mich nur ernsthaft wie die das hinbekommen wollen, wenn es schon bei HOCHSPANNUNGSLEITUNGEN Proteste aller Art gibt.

    Gegen was heutzutage alles protestiert wird ist doch nicht mehr normal. So kann es nie Fortschritt geben. Gegen Atomkraft zu sein kann ich vollkommen nachvollziehen, wenn aber der Protest dann weitergeht "Gegen Kohle, gegen Windräder, gegen Hochspannungsleitungen etc." wird es affig. Und dieses Gefühl habe ich bei den Grünen.

    Ist ähnlich wie die Oma in der Bahn, die mit ihrer Bekannten telefoniert und sich beschwert daß in ihrer Nachbarschaft ein Handymast aufgestellt wird...
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  • 0
    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 21:24
    Früher oder später
    haben wir gar keine Wahl.
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    unbekannt
    (1159 Beiträge)

    24.10.2011 20:48
    hab ich auch schon gelesen,
    schlimm wenn es stimmt aber wir sind halt noch nicht so weit, wen wundert es, von heute auf morgen kann mann nicht alles umkrempeln. Alles braucht seine Zeit, trotzdem sind wir auf dem richtigen Weg.
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