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Karlsruhe/Stutensee Stutensee besorgt: "Tödlicher Leichtsinn" an Bahnübergängen nimmt zu

Noch fix über die Gleise huschen - immer wieder nehmen Fußgänger diese Gefahr in Kauf, etwa um die S-Bahn zu erwischen oder Zeit auf dem Heimweg zu sparen. Die Stadt Stutensee zeigt sich darüber besorgt: Vor allem am Bahnhof Friedrichstal seien in letzter Zeit immer wieder Personen auffällig geworden, die den Weg über die Schienen statt die Unterführung wählten. Was vielen nicht bewusst ist: Neben dem Risiko drohen beim Überqueren von Gleisen harte Strafen.

Seit einiger Zeit bereiten die Bahnübergänge den Verantwortlichen der Stadt Stutensee Sorgen. Der Grund: Vor allem am Bahnhof Friedrichstal ist es offenbar zur Regel geworden, statt der Unterführung die Abkürzung über die Gleise zu nehmen. "Wir haben in letzter Zeit immer wieder Anrufe mit Hinweisen erhalten, dass Personen an dieser Stelle den Weg über die Schienen abkürzen", so ein Sprecher der Stadt Stutensee im Gespräch mit ka-news.

Stadt warnt vor dem "vermeintlich cooleren Weg"

Die Hinweisgeber haben demnach vereinzelt Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene beim Überqueren der Gleise beobachtet. In einer Pressemitteilung warnt die Stadt eindringlich ihre Einwohner vor diesem "tödlichen Leichtsinn". Vor allem die Erwachsenen sieht die Stadt Stutensee als Vorbilder in der Pflicht - und mahnt sie zu einem sensibilisierten Verhalten. "Die Erwachsenen, die die Gleise überqueren, während Schulkinder dort stehen, sind das Hauptproblem", so der Stadtsprecher. Sie seien ein schlechtes Vorbild für Kinder und Jugendliche, die ebenfalls den längeren, "vermeintlich uncooleren" Weg abkürzen, schreibt die Stadt.

Dass diese Wahl gefährlich werden kann, weiß auch Sascha Roth, Pressesprecher der Bundespolizei Karlsruhe. Kommt es auf den Schienen zu einem Vorfall, werden die Beamten der Bundespolizei gerufen. Detaillierte Zahlen über Fälle, bei denen Menschen beim Überqueren von Gleisen verletzt wurden, liegen dem Bundespolizeisprecher nicht vor. Wie oft Zugfahrer notbremsen mussten, um die Kollision mit Personen auf den Schienen zu verhindern, ist auch unklar. "Eine genaue Aussage zur Anzahl der Fälle lässt sich hier nicht treffen, da in manchen Fällen nicht klar war, ob es sich um einen Unfall oder um einen Suizidversuch handelte", erklärt Roth auf Anfrage von ka-news.

Eine Einschätzung zu Unfällen an Bahnübergängen kann die Karlsruher Polizei auf Nachfrage von ka-news geben. "Es gab 2014 im Stadt- und Landkreis Karlsruhe zwei Verkehrsunfälle an Bahnübergängen mit Eisenbahnen. Beide waren im Pfinztal und beide verliefen tödlich", erklärte Polizeisprecher Joachim Zwirner im November gegenüber ka-news. In beiden Fällen waren Fußgänger betroffen. Seit 2003 zählt die Polizei jährlich im Durchschnitt zwei bis drei Unfälle an Bahnübergängen, so Zwirner.

Bußgeld und Freiheitsstrafe beim Erwischtwerden

So musste man auch im vergangenen Jahr Gefahrensituationen an Bahngleisen verzeichnen, schildert Bundespolizeisprecher Sascha Roth. "Am 15. Oktober des vergangenen Jahres wollte ein 20-Jähriger zirka 300 Meter vor dem Bahnhof in Bretten die Gleise überqueren", so der Pressesprecher, "er wurde hierbei von einem einfahrende Zug erfasst und erlitt mittelschwere Verletzungen." Etwas mehr Glück hatte ein 22-Jähriger nur zwei Tage später. Dieser war im Bahnhof Grötzingen ins Gleis gestiegen, um einen verlorenen MP3-Player aufzusammeln. "Der Triebfahrzeugführer des einfahrenden Zuges konnte gerade noch rechtzeitig eine Schnellbremsung einleiten", erklärt Roth.

(Ein Video, das warnen soll: Die AVG-Gruppe der GDL zeigt in einem Video den Blick das Bahnfahrers.)

Die Bundespolizei beobachtet laut Roth, dass vor allem der Bremsweg der Bahnen unterschätzt werde. Dieser könne je nach Geschwindigkeit mehrere hundert Meter lang sein. Bei 100 Stundenkilometern benötige ein Zug bis zu 1.000 Meter Weg für die Bremsung. Beim Überqueren könne man sich auch nicht auf seine Ohren verlassen. "Selbst bei Windstille hört man die modernen Züge zu spät", warnt Roth.

Neben dem Risiko, von einer Bahn erfasst zu werden, drohen auch empfindliche Bußgelder. "Das Betreten oder Überqueren der Gleise außerhalb von ausgewiesenen Bahnübergängen ist nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) mit einen Verwarnungsgeld von 25 Euro belegt", erklärt Roth. Kommt es zu einer Gefährdung des Bahnverkehrs, handelt es sich sogar um eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

"Die Gefahren, in welche man sich beim Überqueren der Gleise begibt, sind dennoch höher als alle Strafen", mahnt Bundespolizeisprecher Roth, "hier setzt man sein Leben aufs Spiel!" Bei der Stadt Stutensee hofft man daher darauf, dass die offizielle Warnung ernst genommen wird. "Das drohende Bußgeld für das Erwischtwerden ist dabei das kleinste Übel aller möglichen Konsequenzen", schreibt sie.

Tipps der Bundespolizei Karlsruhe: Darauf sollten Eltern achten

Die Bundespolizei Karlsruhe setzt gerade bei Kindern und Jugendlichen auch auf die Verantwortung der Eltern. Sie empfiehlt Eltern, Gefahren zu besprechen und gibt folgende Tipps:

  • Achten Sie darauf, wie und wo Ihr Kind seine Freizeit verbringt.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, welche Folgen das Spielen auf dem Bahngebiet haben kann.
  • Erziehen Sie Ihr Kind zu mehr Gefahren- und Unrechtsbewusstsein.
  • Halten Sie es dazu an, Hilfe zu holen, wenn Andere in Gefahr sind.
  • Die weiße Linie am Bahnsteig markiert den Sicherheitsabstand zum Gleis. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sich nicht zwischen die Bahnsteigkante und der weißen Linie aufhalten sollte.

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