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04.02.2013 16:58
 
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Streit um "Pille danach": Die Fassade der barmherzigen Kirche bröckelt [86]

Karlsruhe (Ein Kommentar von Marie Wehrhahn) - Früher reichte der Papst dem Kaiser die Krone, heute reicht der Staat der Kirche das Geld. 19 Milliarden jährlich - für was? Zehntausende Kirchenaustritte und unterlassene Hilfeleistung bei der Behandlung eines Vergewaltigungsopfers. Angesichts der derzeitigen Debatte geben nun einige Fundamentalkatholiken ihre mittelalterliche Ideologie preis, in der Homosexualität und Notfallverhütung keinen Platz haben. Die Fassade der barmherzigen Kirche bröckelt.
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Die Fassade bröckelt: Ein Drahtseilakt zwischen Kirche und Politik
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Verweigerung der "Pille danach" und Zweifel an Biologie und Medzin: Wenn die Kirche zu viel mitmischt, muss die Politik eingreifen.
Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

Jahrhunderte brauchte der Staat, um sich von der kirchlichen Überhand loszulösen - und dann dieser Fall im Januar 2013, in einer Republik mit weltlich-fundierten Grundrechten, der uns zeigte, dass er es offenbar doch noch nicht ganz geschafft hat.

"Vergewaltigt und schwanger? Schicksal?"

Als einer jungen Frau das widerfuhr, suchte sie Hilfe in einem katholischen Klinikum in Köln. Dort wurde dem Vergewaltigungsopfer die "Pille danach" verwehrt - aus Prinzipien, wie es seitens der gläubigen Ärzte hieß. Das gleiche wiederholte sich in einem zweiten Krankenhaus mit katholischem Träger. 

Dieser Vorfall stieß eine Diskussion auf Bundesebene an: Unterlassene Hilfeleistung versus religiöser Grundsatz. Es ist ein schmaler Grat zwischen der Legitimation des persönlichen Glaubens und der Verwehrung staatlicher Grundrechte, ja sogar ein Drahtseilakt. Jeder hat das Recht auf seinen Glauben, seine persönliche Entfaltung und Lebensweise - solange er niemandem wehtut. Doch wo hört die Kirche auf mitzumischen und wo der Staat auf einzugreifen?

"Kein Sex vor der Ehe", "der sexuelle Akt soll nur in Zwecken der Fortpflanzung vollzogen werden", "du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau" - all das klingt in unseren Ohren, wenn wir an den strikten Katholizismus denken. Doch verstoßen werden offenbar nicht nur die, die sich nicht an die Gebote halten, sondern auch die, die Opfer eines Sünders werden. Mit anderen Worten: Eine Frau, die das Kind ihres Vergewaltigers erwartet, muss dann mit diesem Schicksal leben?

10.000 Austritte jährlich - ohne Grund?

Die Notfallverhütung passt da nicht ins Konzept. Obwohl der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, dem Druck der Öffentlichkeit in den letzten Tagen nachgegeben hat und die "Pille danach" in kirchlichen Einrichtungen nun billigen möchte, bleibt ein bitterer Nachgeschmack in Form von "besonderen Bedingungen". Eine Frau, die von ihrem Ehegatten zum Sex gezwungen wird, erfüllt diese nicht. Die heilige Ehe sei schließlich aus Liebe geschlossen worden, einvernehmliche Sexualität sei hier vorausgesetzt - das ist die Ansicht vieler Fundamentalkatholiken. Schwul-Sein sei prinzipiell auch ok, nur praktizieren dürfe man es nicht. Das wäre dann eine Schande.

Ideologien, die staatlich finanziert werden. Laut einer im Spiegel veröffentlichten Berechnung erhalten Deutschlands Kirchen jährlich rund 19 Milliarden Euro aus der Staatskasse. Gegenüber stehen 10.000 Mitglieder, die ihrem Gotteshaus jedes Jahr den Rücken kehren. Hier steht die Politik in der Pflicht. Sie muss erkennen, dass selbst die Sympathie "gutgläubiger" Bürger angesichts der vielen Negativ-Schlagzeilen rund um die katholische Kirche irgendwann ein Ende hat. Sie muss erkennen, dass man sich heutzutage nicht einfach mit altertümlichen Prinzipien abspeisen lässt. Sie muss erkennen, dass dem Glauben keine Sonderregelung zusteht.

Die Pille danach ist Teil der Erst-Versorgung nach einem gewaltvollen sexuellen Übergriff, Homosexualität gehört zur weltweiten Gesellschaft und Forschung sichert und belebt unser Leben. In einem Paralluniversum scheint sich die Kirche zu bewegen. Nach einigen Aussagen der Glaubensverfechter wagt man zu bezweifeln, dass manche Fundamentalkatholiken den Glauben an die Erde als Scheibe aufgegeben haben.

Mehr zu: Ticker meinung Kommentar Kirche Staat Politik Vergewaltigung "Pille danach"



Kommentare [86]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (455 Beiträge) | 04.02.2013 17:18
    Weltfremde Kirche
    Die Kirche macht sich es hier etwas zu einfach. Keiner von der Kirche muss das Kind austragen - das Leben lang. Keiner in der Kirche hat auch nur annähernd eine Idee wie es den Frauen ergeht.

    Ganz oben mit dabei bei den Heuchlern ist das Missionswerk Karlsruhe.
  • (2889 Beiträge) | 05.02.2013 14:56
    Wenn die Kuttenbrunzer
    im Vatikan das Sagen haetten wuerde es den Menschen nicht anders gehen als bei den Islamisten.
    Religionen sind alle nur Instrumente der Macht.
    Glauben kann eigentlich jeder was er will, aber auch hier sollte gelten was fuer die persoenliche Freiheit auch gilt:
    Sie hoert dort auf wo die des Anderen beginnt, aber das werden diese Kleidchentrager nie akzeptieren.
    Dass es diese Glaubensmafia ueberhaupt gibt, war und bleibt fuer mich der Beweis, das es keinen allmaechtigen Gott gibt.
  • (1256 Beiträge) | 05.02.2013 19:55
    keinen allmaechtigen Gott
    zumindest keinen barmherzigen UND allmächtigen Gott zwinkern
  • (20148 Beiträge) | 04.02.2013 17:47
    Im Gegensatz
    zu dem was da noch mit dem Islam auf uns zu kommt wirken die katholischen Kapriolen wie Schülerstreiche.
  • (8673 Beiträge) | 04.02.2013 18:51
    Die Logik, die dahintersteckt:
    Solange ich in der Kirche bin/bleibe/eintrete/mich taufenlasse, unterstütze ich eine Bastion gegen den Islam und ein paar beschuckte Pfaffen sind mir lieber als Haßprediger die Frauen unterm Kopftuch sehen wollen...

    Nur, das Gegenteil ist der Fall: Die Kirchen und die Moscheen hacken sich nicht gegenseitig die Ausgen aus, die Kirchen UNTERSTÜTZEN sogar die Islamisierung, indem sie denen die "Religionsfreiheit" zubilligen, da sie Angst haben, ihre eigenen Schäfchen könnten im Falle verschärfter Regeln davonlaufen bzw. erst garnicht getauft werden. Da werden dann Zwangsbeschneidungen an Kleinkindern mit Taufe gleichgesetzt und somit der Rechtsbeugung Tür und Tor geöffnet.

    Daher darf man diesen Filz auch garnicht unterstützen, SELBST WENN jemand an einen Gott oder so glaubt. Ich kenne auch religiöse Christen, die aus der Kirche ausgetreten sind.
  • (20148 Beiträge) | 04.02.2013 19:21
    Die Religionsfreiheit
    die in unserer Verfassung festgeschrieben ist soll garantieren, dass niemand wegen seiner Religion verfolgt oder diskriminiert wird.

    Das heisst nicht, dass irgendwelche Handlungen oder Dinge die in einer Religion X vorgeschrieben oder üblich sind anderes Recht brechen können.
    Desweiteren kann daraus kein Anspruch auf Sonderrechte zur Religionsausübung abgeleitet werden.

    Die Religionsfreiheit ist ein untergeordnetes Recht.
    Wer nicht in der Lage ist das zu begreifen oder zu akzeptieren möge seine Religion leben wo er/sie will. Aber nicht hier.
  • (169 Beiträge) | 04.02.2013 20:50
    Guter
  • (1128 Beiträge) | 05.02.2013 10:06
    Naja ich würde den fundamentalistischen Wellenschlägern
    besser keinen Freiraum lassen, das geht RatzeFatze ins Auge, gleichgültig ob die nen Halbmond oder Kreuz an der Waffel haben!
  • (171 Beiträge) | 05.02.2013 19:54
    FSM
    ist die einzig richtige Religion. Siehe auch: http://www.venganza.info/

    Vorteile gegenüber anderen Religionen:
    - Flauschige moralische Standards.
    - Jeder Freitag ist ein religiöser Feiertag. An bundesweiter Anerkennung wird gearbeitet.
    - besserer Himmel mit Stripperfabrik und Biervulkan.
  • (294 Beiträge) | 04.02.2013 18:02
    Eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat
    haben wir auf dem Papier. Aber eben nur da. Sicher ist es nicht so krass wie in islamistischen Staaten, aber die Kirche ist bei uns eben ein fester Bestandteil des Weltbilds vieler Menschen. Und daher bekommt man die aus unseren Strukturen nicht raus, noch nicht mal aus gewissen Parteinamen.

    Und wenn ich mir anschau, wie christlich sich unsere Bevölkerung im Alltag verhält, dann ist das einfach nur eine Farce.

    Lasst uns eine Technokraten-Religion gründen und jeden Tag unsere Computer als Segen anbeten, dann bekommen wir auch Gelder vom Staat.

    A pros pos: "geben ist seeliger als nehmen!". Eigentlich müsste die Kirche dem Staat Geld GEBEN! Und da wundern die sich, daß denen die Follower weglaufen, wenn sie sich nichtmal an ihren eigenen christlichen Werte halten?
  • (8673 Beiträge) | 04.02.2013 18:13
    10.000 Austritte
    ???

    2011 traten 126.488 Personden alleine aus der katholischen Kirche aus...

    http://www.kirchenaustritt.de/statistik/
  • (795 Beiträge) | 04.02.2013 18:27
    Wasser predigen und Wein saufen
    wie viele Kinder katholischer Geistlicher wurden eigentlich in der neueren Zeitrechnung geboren ? wie viele Kinder und Jugendliche wurden in der neueren Zeitrechnung von katholischen Geistlichen sexuell missbraucht ? und bei solch massiven Taten erdreisten sich die, sich als Moralapostel aufzuspielen ? Unfassbar !
  • (1128 Beiträge) | 05.02.2013 10:27
    Zuerst nen KriPo Prof mit viel TamTam engagieren
    weil es gerade richtig dumm läuft mit den Mißbrauchsvorwürfen und dann feuern, weil er seine Arbeit macht, damit läßt es sich auch noch ein paar Jahrhunderte länger hervorragend leben!
  • (4050 Beiträge) | 05.02.2013 11:07
    Und wieviele
    Kinder wurden in den ganzen Zeiten von Leuten missbraucht,die nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben?
    Das dürften doch sehr viel mehr gewesen sein.
  • (7418 Beiträge) | 04.02.2013 18:30
    Im Angesicht dessen,
    was islamische Gemeindevorsteher von sich geben und durchsetzten können erscheint die Kirche auf einmal gar nicht mehr so übel.

    Die ziehen uns in der Entwicklung Jahrhunderte runter. Wenns gegen den Islam hilft würde ich sogar wieder eintreten.
  • (8673 Beiträge) | 04.02.2013 18:36
    Teufel mit dem Belzebub austreiben?
    Was für einen Sinn soll es machen, in die Kirche einzutreten, um gegen den Islam vorzugehen? Ich gehe doch auch nicht in den Handballverein, um gegen Fußball vorzugehen, da mir Ballspiele nicht liegen...

    Es können garnicht genug Leute aus diesem Verein austreten, wie ich finde... Andere Religionen braucht man genauso wenig. Und selbst wenn jemand an den Herrgott glaubt (aus welchen Gründen auch immer), kann er das ohne die Kirche.
  • (7418 Beiträge) | 04.02.2013 19:04
    Jetzt sei mal nicht so ernst.
    Natürlich trete ich in diesen Altherrenclub nicht mehr ein, die haben gar nichts attraktives zu bieten.
  • (8673 Beiträge) | 04.02.2013 19:07
    Siehste...
    ...beim Islam gibts wenigstens 72 Jungfrauen nach dem Tod. Deutlich bessere Konditionen grinsen
  • (3942 Beiträge) | 05.02.2013 12:44
    Pah....
    ...nach 24 Tage sind die bei mir keine Jungfrauen mehr. Also, warum soll ich einen Leben lang im Paradies sein, wenn ich nur 24 Tage davon etwas habe?
  • (7418 Beiträge) | 05.02.2013 14:38
    Außerdem
    ist nicht geklärt:
    - ob jeder 72 bekommt oder ob die für alle reichen müssen
    - wie alt denn die Jungfern sind.
    - warum die ganzen Chefs der Moslems nicht selbst Märtyrer werden, wenns denn so schön ist im Paradis.

    Ist mir zu wage, man kauft ja auch nicht die Katze im Sack.

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