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Karlsruhe Stau auf der Rheinbrücke: "Die Bauarbeiten sind im Zeitplan"

Pendler sind genervt: Seit kurzer Zeit wird die Rheinbrücke bei Maxau saniert. Hierfür ist für vier Monate immer eine Brückenhälfte gesperrt - das führt teilweise zu kilometerlangen Staus im Berufsverkehr. Viele Autofahrer sind sauer. Geht das nicht schneller? Wird da überhaupt gearbeitet?, fragen viele. Die Bauarbeiten verlaufen nach Plan, betonen indes die Verantwortlichen bei einer Baustellenbesichtigung am Dienstag.

"Lieber mal was schaffen!", ruft ein vorbeifahrender Radfahrer von der anderen Straßenseite, als er am Dienstagmittag die Menschengruppe auf der Rheinbrücke bei Maxau sieht. Genau diese Reaktionen sind es, die das baden-württembergische Verkehrsministerium und das Karlsruher Regierungspräsidium (RP) veranlasst haben, im Rahmen einer Baustellenbesichtigung über die Instandsetzungsarbeiten an der Rheinbrücke bei Maxau zu informieren.

Bauarbeiten laufen nach Plan

Gisela Splett, Staatssekretärin im baden-württembergischen Verkehrsministerium, und Nicolette Kressl, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Karlsruhe, betonten beim Vor-Ort-Termin auf der Brücke vor zahlreichen Medienvertretern: "Die Bauarbeiten laufen nach Plan. Auf der Baustelle wird richtig gearbeitet."

"Dass die Arbeiten in irgendeiner Weise absichtlich verzögert werden, das ist abstrus", betonte Regierungspräsidentin Kressl und erteilte damit Verschwörungstheorien eine klare Absage. Die Arbeiten auf dieser "wichtigen und sensiblen Baustelle" würden wie geplant bis zum 30. September abgeschlossen. Auch Staatssekretärin Splett versicherte: "Von dieser Baustelle sind viele Menschen in der Region betroffen. Daher hat die sichere und zügige Abwicklung der Baustelle höchste Priorität." Kein Verkehrsteilnehmer dürfe länger im Stau stehen, als dies vom Bauablauf her unbedingt notwendig sei.

Die Rheinbrücke ist seit dem 31. Mai halbseitig gesperrt. Die Sperrung dauert vier Monate. In diesem Zeitraum stehen im Bereich der Rheinbrücke nur zwei Fahrstreifen in jede Fahrtrichtung zur Verfügung - das führt teilweise zu kilometerlangen Staus. Die Arbeiten sind notwendig, da auf der Brücke turnusmäßig Prüfungen an den Tragseilen vorgenommen werden müssen, erklärt der für die Planung der Arbeiten zuständige Ingenieur Walter Katzik.

Stopp der Arbeiten wegen dem Wetter

Gleichzeitig werde der Deckanstrich des Korrosionsschutzsystems der Tragseile erneuert. Nur so könne verhindert werden, dass die Seile rosten und gegebenenfalls frühzeitig unter sehr hohem Aufwand ausgetauscht werden müssten, so der Brückenplaner. Die Arbeiten, die seit Baubeginn laufen, seien mit sehr viel Handarbeit verbunden und stark witterungsabhängig. Dies sei wohl auch der Grund, warum bei dem ein oder anderen Autofahrer manchmal leicht der Eindruck entstehe, auf der Baustelle passiere nichts, so Katzik. Das habe aber ganz rationale Gründe.

So könne der Deckanstrich an den Tragseilen nur unter bestimmten Bedingungen angebracht werden. Es darf nicht zu kalt sein, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch. Daher könne mit diesen Arbeiten derzeit nicht vor 10 oder 11 Uhr begonnen werden, erläutert Katzik. Außerdem dürfe es nicht regnen. Mit Hilfe von zwei sogenannten Hubsteigern begutachten die Experten jeden Millimeter der 54 Tragseile bis in einer Höhe von 45 Metern, reparieren mögliche Schäden und bringen den neuen Rostschutz an. "Mehr als zwei Hubsteiger können wir nicht einsetzen, die würden sich in die Quere kommen. Das wäre zu gefährlich." Die Geräte dürften zudem aus Sicherheitsgründen bei zu starkem Wind nicht eingesetzt werden.

Eine Art "Brücken-TÜV

Neben den Arbeiten an den Tragseilen werden die vorhandenen Fahrbahnübergänge an den Enden der Brücke ausgetauscht. Sie sind laut Katzik "betriebstechnisch am Ende". Die Fahrbahnübergangskonstruktionen zählen zu den am höchsten belasteten Bauteilen einer Brücke. Ihre Lebensdauer ist daher begrenzt. Das Material der Brücke dehnt sich bei zunehmender Temperatur aus und zieht sich bei abnehmender Temperatur zusammen. Aufgrund dieser physikalischen Zusammenhänge ergibt sich ein mehr oder weniger großer Spalt zwischen der Fahrbahnplatte der Brücke und der Fahrbahn auf festem Untergrund. Um diesen Spalt zu überbrücken, müssen bei Brücken mit einer Länge von über 30 Metern Fahrbahnübergangskonstruktionen eingebaut werden, die sich auseinander und zusammenschieben lassen.

Momentan werden auf der südlichen Brückenhälfte die alten Konstruktionen ausgebaut. Die neuen Fahrbahnübergänge werden derzeit produziert. Es handelt sich dabei um Maßanfertigungen, erläutert Katzig. Zum Abschluss der Arbeiten würden die Seile durch die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart in einer Art "Brücken-TÜV" eingehend geprüft und freigegeben. Alle diese Arbeiten sollen bis 30. September 2012 abgeschlossen sein - auch samstags wird gearbeitet.

1,2 Millionen Euro Kosten

"Die Baumaßnahmen finden turnusmäßig statt und sind nicht etwa durch Unfälle notwendig geworden", so Katzik. So würde der Deckanstrich der Tragseile alle zwölf Jahre erneuert, da Tausalz, Sonnenstrahlen und Steinschlag an den Seilen nagen. Die ebenfalls durchgeführte Brückenhauptuntersuchung finde alle sechs Jahre statt. Die Arbeiten hätten auch nichts mit dem Zustand oder dem Alter der Brücke zu tun. Diese Arbeiten müssten bei jeder Brücke durchgeführt werden, berichtet der Brückenexperte.

"Diese Baumaßnahmen sind unabhängig von der Frage wann und wie eine zweite Rheinbrücke gebaut wird", betonte Staatssekretärin Splett. Auf ka-news-Nachfrage, ob das bedeute, dass bereits entschieden sei, ob eine zweite Rheinbrücke komme, versicherte Splett, dass selbstverständlich noch keine Entscheidung über das Bauwerk gefallen sei. Erst wenn die Ergebnisse der länderübergreifenden Arbeitsgruppe zu einer "leistungsfähigen Rheinquerung" feststünden, werde eine Entscheidung getroffen. Sie werde der Arbeitsgruppe nicht vorgreifen und nicht über einen möglichen Bau spekulieren. Der Bericht der Arbeitsgruppe soll im Juli vorliegen.

Die Kosten für die Instandsetzungsmaßnahme liegen laut Regierungspräsidium bei rund 1,2 Millionen Euro.

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