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Karlsruhe Staab: "Rücktrittsgedanken haben gegärt - dann ist das Fass übergelaufen"

Aus Frust ist Christiane Staab am Montag vom Vorsitz des Landeselternbeirats zurückgetreten. Im ka-news-Interview berichtet sie jetzt über ihre Rücktrittsgedanken, widerspricht der Bezeichnung "Super-Gau" und kommentiert die Diskussion über eine Modellschule in Karlsruhe.

ka-news: Was erleben Sie als Mutter von vier Kindern im deutschen Bildungssystem?
Staab: Ich erlebe ein System, in dem es unerwünscht ist, kritisch Dinge zu hinterfragen, offen seine Meinung zu sagen und Probleme anzusprechen. Viele Kinder und Lehrer erleiden hierdurch täglich seelische Verletzungen und stehen unter einem unglaublichen Druck. Wenn dann noch familiäre Schwierigkeiten zu diesem Schulstress hinzutreten, dann brechen viele zusammen und fliehen in Gewalt, Scheinwelten, Alkohol oder anderes. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird immer nur nach Schuldigen gesucht oder am besten weggeschaut und weggehört. Kritische Schulleiter dürfen nicht reden, kritische Eltern werden ignoriert. Schülerinnen und Schüler erklärt man oftmals für nicht in der Lage, mitsprechen zu können.

ka-news: Und was für Veränderungen erwarten Sie?
Staab: Ich wünsche mir, dass wir einen Geist der Gemeinsamkeit in die Schulen bekommen. Dazu müsste aber von oben das Feld aufgerollt werden. Solange mir Mitarbeiter der Schulämter, Regierungspräsidien, und des Kultusministeriums hinter vorgehaltener Hand ihre persönliche Meinung mitteilen müssen und aus "Loyalitätsgründen" die Meinung des Kultusministers vertreten müssen, kann sich dieses nie zum Guten wenden. Qualitätsentwicklung, die aber dringend nötig ist, kann es nur durch Offenheit und Transparenz geben. Wir brauchen auch die Erkenntnis, dass Schule sich in einer sich verändernden Gesellschaft den jeweiligen Verhältnissen öffnen muss. Und unsere Gesellschaft hat sich dramatisch in den letzten 30 Jahren verändert, ohne dass die schulische Bildung unsere Kinder fit macht für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch das Ausprobieren unterschiedlicher Bildungskonzepte muss viel stärker gefördert werden. Das ganze Schulwesen muss dringend auf den Prüfstand gestellt werden, anstatt immer nur etwas Neues zu kreieren und all dem hinzuzufügen, was schon nicht gut läuft.


ka-news: Sind diese nicht stattfindenden Veränderungen der Grund für Ihren Rücktritt?
Staab: Ja.

ka-news: Kultusminister Helmut Rau zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht. Haben Sie in den monatlichen Gesprächen nie Andeutungen über einen möglichen Rücktritt gemacht?
Staab: Wir hatten nie monatliche Gespräche mit Herrn Rau, sondern uns als Landeselternbeirat im Kultusministerium zur Beratung getroffen. Der Minister war hier in der Regel nie anwesend. Wir haben aber zahlreiche Stellungnahmen zu allen bildungsrelevanten Themen abgegeben, in denen wir immer auf viele Probleme hingewiesen und immer auch Lösungen aufgezeigt haben. Wir haben versucht Dinge zu verändern, und Mut gemacht, auch neue Wege auszuprobieren. Der Gedanke zurückzutreten hat bei Frau Wiegert und mir über einen gewissen Zeitraum gegärt und dann ist das Fass eben übergelaufen.

ka-news: Manche Zeitungen schreiben nach Ihrem Rücktritt von einem "Super-Gau" für die CDU – gerade im Hinblick auf die nahende Landtagswahl. Wie sehen Sie das?
Staab: Das ist kein Super-Gau sondern eine Superchance. Nämlich jetzt endlich einmal die Probleme ernst zu nehmen und nicht schon wieder alles abzubügeln und ein "weiter-so" in die Presse zu rufen. Ich hoffe, dass die politisch Verantwortlichen erkennen, dass dies, wie der Bildungsforscher Ludger Wößmann so schön sagt, "die letzte Chance für gute Schule" ist.

ka-news: Die Stadt Karlsruhe kämpft schon lange für eine Modellschule nach skandinavischem Vorbild. Wie stehen Sie zu dem Vorhaben und glauben Sie doch noch an eine Umsetzung des Projektes?
Staab: Ich möchte gerne hierzu die Diskussionsveranstaltung am Donnerstag abwarten. Ich habe große Bedenken, ob Lehrer, die in Deutschland ausgebildet wurden, wirklich in der Lage sind, so stark binnendifferenziert zu unterrichten, sprich jedem Kind einen individuell auf das Kind zugeschnitten Bildungsplan zu erarbeiten und dies auch umzusetzen, dass eine Gemeinschaftsschule wirklich gut funktionieren kann. Auch wird die Schule an dem derzeitige Standort meiner Meinung nicht das Raumprogramm umsetzen können, das für das Unterrichten in einer Gemeinschaftsschule nötig ist. Man benötigt mehr Räume als das Raumprogramm des Landes hergibt, um differenziert unterrichten zu können, auch behinderte Kinder integrieren zu können und vieles mehr. Aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren! An die Umsetzung glaube ich unter den derzeitigen Vorzeichen nicht. Leider ist Neues oder Anderes offenbar mit Angst seitens der Bildungsverantwortlichen besetzt.

(Interview: Ramona Deeg)

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Kommentare (19)
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    unbekannt
    (1496 Beiträge)

    27.01.2010 14:47
    Recht hatt
    Sie die Frau Staab.Wenn hier so ein Betonkopf auf seinem Posten trohnt wo die Leute nicht mal denken dürfen dann soll Ers doch alleine machen.
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  • 0
    unbekannt
    (43 Beiträge)

    27.01.2010 14:59
    Alleine machen?
    Bloß nicht! Dann ist die Katastrophe perfekt!
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  • 0
    unbekannt
    (666 Beiträge)

    27.01.2010 12:37
    Wie viele Kinder?
    Bei mir auf dem PC steht die Frage:
    Was erleben Sie als Mutter von vier Kindern im deutschen Bildungssystem?
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  • 0
    unbekannt
    (1018 Beiträge)

    27.01.2010 12:43
    Das wurde..
    ..entsprechend verbessert. Da stand n der Tat "Mutter von drei Kindern". Aber spielt auch überhaupt keine Rolle eigentlich, da das Geschwätz von Ich ohnehin mal wieder voll daneben ist.
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  • 0
    unbekannt
    (666 Beiträge)

    27.01.2010 12:51
    Stimmt
    Weil eine Mutter von vier Kindern automatisch auch Mutter von drei Kindern ist. Kann sein, dass eines nicht schulpflichtig ist oder nicht in der familie lebt.
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  • 0
    unbekannt
    (10 Beiträge)

    27.01.2010 16:50
    mmh
    vielleicht gibts auch fünfache Mütter, die nicht auf drei zählen können...
    Die sind dann automatisch auch immer Mütter von zwei Kindern...
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  •   skater
    (483 Beiträge)

    27.01.2010 13:01
    Es ist vollkommen egal
    wie viele Kinder die Dame nun wirklich hat. Aus diesem Fehler abzuleiten ein Interview sei gefakt und ka-news würde so die User quasi betrügen ist schlicht eine sauerei. Fehler können überall passieren, ein gefaktes Interview wäre allerdings kein Fehler sondern eine Sauerei, da Absicht.

    Dass sich ka-news nicht auf solch billige Art diskreditieren lässt versteht sich von selbst. Manche User sollten wirklich mal überlegen was für einen Stuss sie ablassen und dass freie Meinungsäußerung nicht heißt, dass ich anderen mit wilden und unbelegbaren Behauptungen schaden darf.
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  • 0
    unbekannt
    (10 Beiträge)

    27.01.2010 11:37
    ist
    sie wirklich Mutter von drei Kindern????
    Das sollte ka-news erst mal beweisen, bevor das hier verbreitet wird!
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  • 0
    unbekannt
    (51 Beiträge)

    27.01.2010 11:40
    "Fake-Vorwurf" II
    Liebe/r Nutzer/in "ich",

    ein Fehler in der Fragestellung, den offenbar Frau Staab selbst übersehen hat, bedeutet nicht, dass, wie von Ihnen behauptet, das Interview gefälscht sei. Ich bleibe also bei meiner Aufforderung.

    Denis Elbl
    Redaktionsleiter
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  • 0
    unbekannt
    (10 Beiträge)

    27.01.2010 11:09
    Rücktritt läßt alt aussehen....
    Alterle, nach den Fotos von vorgestern und heute zu beurteilen ist die Frau die letzten zwei Tage um Jahre gealtert....

    Übrigens: Das Interview ist gefakt! Schon in der ersten Frage "was meinen Sie als Mutter von drei Kindern" merkt man das.... Hätte man das Interview wirklich mit ihr gemacht hätte sie dieses Märchen bestimmt nicht so stehen lassen........
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