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27.01.2010 03:47
 
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Staab: "Rücktrittsgedanken haben gegärt - dann ist das Fass übergelaufen" [19]

Christiane Staab

Karlsruhe - Aus Frust ist Christiane Staab am Montag vom Vorsitz des Landeselternbeirats zurückgetreten. Im ka-news-Interview berichtet sie jetzt über ihre Rücktrittsgedanken, widerspricht der Bezeichnung "Super-Gau" und kommentiert die Diskussion über eine Modellschule in Karlsruhe.
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ka-news: Was erleben Sie als Mutter von vier Kindern im deutschen Bildungssystem?
Staab: Ich erlebe ein System, in dem es unerwünscht ist, kritisch Dinge zu hinterfragen, offen seine Meinung zu sagen und Probleme anzusprechen. Viele Kinder und Lehrer erleiden hierdurch täglich seelische Verletzungen und stehen unter einem unglaublichen Druck. Wenn dann noch familiäre Schwierigkeiten zu diesem Schulstress hinzutreten, dann brechen viele zusammen und fliehen in Gewalt, Scheinwelten, Alkohol oder anderes. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird immer nur nach Schuldigen gesucht oder am besten weggeschaut und weggehört. Kritische Schulleiter dürfen nicht reden, kritische Eltern werden ignoriert. Schülerinnen und Schüler erklärt man oftmals für nicht in der Lage, mitsprechen zu können.

ka-news: Und was für Veränderungen erwarten Sie?
Staab: Ich wünsche mir, dass wir einen Geist der Gemeinsamkeit in die Schulen bekommen. Dazu müsste aber von oben das Feld aufgerollt werden. Solange mir Mitarbeiter der Schulämter, Regierungspräsidien, und des Kultusministeriums hinter vorgehaltener Hand ihre persönliche Meinung mitteilen müssen und aus "Loyalitätsgründen" die Meinung des Kultusministers vertreten müssen, kann sich dieses nie zum Guten wenden. Qualitätsentwicklung, die aber dringend nötig ist, kann es nur durch Offenheit und Transparenz geben. Wir brauchen auch die Erkenntnis, dass Schule sich in einer sich verändernden Gesellschaft den jeweiligen Verhältnissen öffnen muss. Und unsere Gesellschaft hat sich dramatisch in den letzten 30 Jahren verändert, ohne dass die schulische Bildung unsere Kinder fit macht für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch das Ausprobieren unterschiedlicher Bildungskonzepte muss viel stärker gefördert werden. Das ganze Schulwesen muss dringend auf den Prüfstand gestellt werden, anstatt immer nur etwas Neues zu kreieren und all dem hinzuzufügen, was schon nicht gut läuft.


ka-news: Sind diese nicht stattfindenden Veränderungen der Grund für Ihren Rücktritt?
Staab: Ja.

ka-news: Kultusminister Helmut Rau zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht. Haben Sie in den monatlichen Gesprächen nie Andeutungen über einen möglichen Rücktritt gemacht?
Staab: Wir hatten nie monatliche Gespräche mit Herrn Rau, sondern uns als Landeselternbeirat im Kultusministerium zur Beratung getroffen. Der Minister war hier in der Regel nie anwesend. Wir haben aber zahlreiche Stellungnahmen zu allen bildungsrelevanten Themen abgegeben, in denen wir immer auf viele Probleme hingewiesen und immer auch Lösungen aufgezeigt haben. Wir haben versucht Dinge zu verändern, und Mut gemacht, auch neue Wege auszuprobieren. Der Gedanke zurückzutreten hat bei Frau Wiegert und mir über einen gewissen Zeitraum gegärt und dann ist das Fass eben übergelaufen.

ka-news: Manche Zeitungen schreiben nach Ihrem Rücktritt von einem "Super-Gau" für die CDU – gerade im Hinblick auf die nahende Landtagswahl. Wie sehen Sie das?
Staab: Das ist kein Super-Gau sondern eine Superchance. Nämlich jetzt endlich einmal die Probleme ernst zu nehmen und nicht schon wieder alles abzubügeln und ein "weiter-so" in die Presse zu rufen. Ich hoffe, dass die politisch Verantwortlichen erkennen, dass dies, wie der Bildungsforscher Ludger Wößmann so schön sagt, "die letzte Chance für gute Schule" ist.

ka-news: Die Stadt Karlsruhe kämpft schon lange für eine Modellschule nach skandinavischem Vorbild. Wie stehen Sie zu dem Vorhaben und glauben Sie doch noch an eine Umsetzung des Projektes?
Staab: Ich möchte gerne hierzu die Diskussionsveranstaltung am Donnerstag abwarten. Ich habe große Bedenken, ob Lehrer, die in Deutschland ausgebildet wurden, wirklich in der Lage sind, so stark binnendifferenziert zu unterrichten, sprich jedem Kind einen individuell auf das Kind zugeschnitten Bildungsplan zu erarbeiten und dies auch umzusetzen, dass eine Gemeinschaftsschule wirklich gut funktionieren kann. Auch wird die Schule an dem derzeitige Standort meiner Meinung nicht das Raumprogramm umsetzen können, das für das Unterrichten in einer Gemeinschaftsschule nötig ist. Man benötigt mehr Räume als das Raumprogramm des Landes hergibt, um differenziert unterrichten zu können, auch behinderte Kinder integrieren zu können und vieles mehr. Aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren! An die Umsetzung glaube ich unter den derzeitigen Vorzeichen nicht. Leider ist Neues oder Anderes offenbar mit Angst seitens der Bildungsverantwortlichen besetzt.

(Interview: Ramona Deeg)

Mehr zu: Interview "Christiane Staab" Landeselternbeirat

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:

Dringendes Bedürfnis: Ab Dezember mehr WCs in AVG-Bahnen [17]


Bahn AVG


Kommentare [19]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (1496 Beiträge) | 27.01.2010 14:47
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    Recht hatt
    Sie die Frau Staab.Wenn hier so ein Betonkopf auf seinem Posten trohnt wo die Leute nicht mal denken dürfen dann soll Ers doch alleine machen.
  • (43 Beiträge) | 27.01.2010 14:59
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    Alleine machen?
    Bloß nicht! Dann ist die Katastrophe perfekt!
  • unbekannt
    (666 Beiträge) | 27.01.2010 12:37
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    Wie viele Kinder?
    Bei mir auf dem PC steht die Frage:
    Was erleben Sie als Mutter von vier Kindern im deutschen Bildungssystem?
  • (1018 Beiträge) | 27.01.2010 12:43
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    Das wurde..
    ..entsprechend verbessert. Da stand n der Tat "Mutter von drei Kindern". Aber spielt auch überhaupt keine Rolle eigentlich, da das Geschwätz von Ich ohnehin mal wieder voll daneben ist.
  • unbekannt
    (666 Beiträge) | 27.01.2010 12:51
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    Stimmt
    Weil eine Mutter von vier Kindern automatisch auch Mutter von drei Kindern ist. Kann sein, dass eines nicht schulpflichtig ist oder nicht in der familie lebt.
  • unbekannt
    (10 Beiträge) | 27.01.2010 16:50
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    mmh
    vielleicht gibts auch fünfache Mütter, die nicht auf drei zählen können...
    Die sind dann automatisch auch immer Mütter von zwei Kindern...
  • (482 Beiträge) | 27.01.2010 13:01
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    Es ist vollkommen egal
    wie viele Kinder die Dame nun wirklich hat. Aus diesem Fehler abzuleiten ein Interview sei gefakt und ka-news würde so die User quasi betrügen ist schlicht eine sauerei. Fehler können überall passieren, ein gefaktes Interview wäre allerdings kein Fehler sondern eine Sauerei, da Absicht.

    Dass sich ka-news nicht auf solch billige Art diskreditieren lässt versteht sich von selbst. Manche User sollten wirklich mal überlegen was für einen Stuss sie ablassen und dass freie Meinungsäußerung nicht heißt, dass ich anderen mit wilden und unbelegbaren Behauptungen schaden darf.
  • unbekannt
    (10 Beiträge) | 27.01.2010 11:37
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    ist
    sie wirklich Mutter von drei Kindern????
    Das sollte ka-news erst mal beweisen, bevor das hier verbreitet wird!
  • (51 Beiträge) | 27.01.2010 11:40
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    "Fake-Vorwurf" II
    Liebe/r Nutzer/in "ich",

    ein Fehler in der Fragestellung, den offenbar Frau Staab selbst übersehen hat, bedeutet nicht, dass, wie von Ihnen behauptet, das Interview gefälscht sei. Ich bleibe also bei meiner Aufforderung.

    Denis Elbl
    Redaktionsleiter
  • unbekannt
    (10 Beiträge) | 27.01.2010 11:09
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    Rücktritt läßt alt aussehen....
    Alterle, nach den Fotos von vorgestern und heute zu beurteilen ist die Frau die letzten zwei Tage um Jahre gealtert....

    Übrigens: Das Interview ist gefakt! Schon in der ersten Frage "was meinen Sie als Mutter von drei Kindern" merkt man das.... Hätte man das Interview wirklich mit ihr gemacht hätte sie dieses Märchen bestimmt nicht so stehen lassen........
  • unbekannt
    (666 Beiträge) | 27.01.2010 12:41
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    als Mutter von VIER Kindern
    steht im Text. Bei der Sache bitte selbst genau bleiben.
  • (51 Beiträge) | 27.01.2010 11:28
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    "Fake"-Vorwurf
    Liebe/r Nutzer/in "ich",

    Ihr Vorwurf, das Interview sei "gefaked" ist nicht nur völlig aus der Luft gegriffen, sondern auch ruf- und geschäftsschädigend. Sollten Sie Ihre Unterstellung nicht beweisen können (und das können Sie nicht, denn es ist nicht gefälscht), fordere ich Sie auf, sich hier umgehend zu entschuldigen. Andernfalls behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

    Denis Elbl
    Redaktionsleiter
  • (451 Beiträge) | 27.01.2010 09:28
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    Ich zolle...
    Frau Staab meinen Respekt für ihre Entscheidung. Auch ich war lange Jahre (Gesamt-)Eltenbeiratsvorsitzender und habe hautnah miterleben dürfen, wie Eltern "gesehen" werden. Eltern haben gefälligst Feste zu organiseren und sich um Gottes willen nicht in die Schulpolitik /-gestaltung einzumischen. Auf Schulebene lässt sich viel erreichen, wenn Schulleitung und Elternbeirat "miteinander können" (war bei mir Gott sei dank so...). Der K(r)ampf bzgl. der Fremdsprache in der Rheinschiene hat aber spätestens deutlich gemacht, dass der Wille der Eltern auf Landesebene ignoriert wird. Da wird auf konkrete Schreiben mit Vorschlägen mit Standardfloskeln geantwortet, ohne auf Inhalte einzugehen - wozu sollen sich denn Eltern dann noch in ihrer Freizeit als Elternbeirat engagieren? - sicher nicht nur als Helfer bei Festen - dann kann man es auch ganz lassen.
  • (1374 Beiträge) | 27.01.2010 11:36
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    wahrscheinlich haben wir zusammen tomaten auf...
    in neureut? zwinkern
    200prozentige zustimmung zum beitrag! schulfeste organisieren ist spaßig, darf aber nicht die alleinige aufgabe von elternvertretern sein. einen vorteil hat eine solche ku-mist-erielle lichtgestalt schon: die meisten lehrer sind auf der seite der eltern. wenigstens inoffiziell.
  • (143 Beiträge) | 27.01.2010 09:14
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    Ich kann sie verstehen,...
    ...auch wenn ich jetzt keine konkreten Verbesserungsvorschläge von Frau Staab kenne, erlebe ich das konzeptlose Stochern (Ganztagesschule, G8, Werkrealschule,...) gut bezahlter Bildungspolitiker jeden Tag mit. Und wie ich gelesen habe, hat der Gesamtelternbeirat BW durchaus viele durchdachte Konzepte vorgebracht.
    Aber was will man in einem Land erwarten, in dem man nicht mal fähig ist gratis Schulobst auf den Weg zu bringen (auch wenn es fast alle anderen EU-Staaten schaffen).
  • (2 Beiträge) | 27.01.2010 08:51
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    Frust von Christiane Staab
    Aus allen Artikeln die ich zu diesem Thema bisher gelesen habe, hat Frau Staab keine konkreten Vorschläge gemacht, sondern nur verbal um sich geschlagen. Wenn dies alles ist was sie in den letzten fünf Jahren als Vorsitzende von sich gibt, dann war es aller höchste Zeit, dass sie ihren Stuhl für eine kompetente Nachfolger/in räumt.
    Wenn man immer nur gegen ALLES ist, hat man bereits im Vorfeld verloren, aber es ist natürlich der bequemere Weg.
  • (1374 Beiträge) | 27.01.2010 11:29
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    und schon wieder mal zeit für dieter nuhr:
    "wenn man keine ahnung hat - einfach mal die fresse halten"
    wirklich erscheckend, wie oft ich das im zusammenhang mit elternbeiratsarbeit von mir geben muss!
  • (279 Beiträge) | 27.01.2010 09:46
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    Empfehlung
    ....ich empfehle das Studium der Internetseiten des LEB. Wäre auch sicher sinnvoll gewesen, dies vor einer doch sehr unsachlichen Stellungnahme zu tun, oder?
  • (1113 Beiträge) | 27.01.2010 11:24
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    Beweisführung
    vielleicht wollte er/sie mit diesem Beitrag ja nur die Bildungsmisere nochmals deutlich aufzeigen, offensichtlich sind die Leute in diesem Land ja zum Teil noch nichtmal in der Lage das was sie nicht wissen nachzuschlagen zwinkern
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