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Karlsruhe Sorge um Stromsperren: Wird die Karlsruher Energieversorgung sozialer?

In durchschnittlich 1.750 Karlsruher Haushalten jährlich wird der Strom abgestellt. Der Grund: Die Kunden können aufgrund von finanziellen Problemen und schwachem Einkommen die Energierechnungen nicht begleichen. Das bereitet sowohl den Karlsruher Stadträten, als auch der Verwaltung Sorge. Auf der Suche nach einer Lösung für das Problem, will man sich nun an der Stadt Saarbrücken orientieren und eine engere Zusammenarbeit zwischen Sozialbehörde und den Stadtwerken ankurbeln.

"Das 'Saarbrücker Modell' bietet mit geringem finanziellen Mehraufwand die Möglichkeit, Stromsperren vorzubeugen, indem eine enge Verknüpfung zwischen Sozialbehörden und Stromanbieter bereits vor der Stromsperre ansetzt und damit die Möglichkeit bietet, vor der Abschaltung aktiv zu werden", erklären die Grünen in ihrem Antrag an den Gemeinderat.

Karlsruhe will sich Beispiel an Saarbrücken nehmen

Dabei handele es sich um ein Frühwarnsystem für Leistungsbezieher, bei dem das Amt frühzeitig darüber informiert werde, wenn es aufgrund von ausstehenden Zahlungen des Kunden zum Abschalten des Stroms komme. Durch eine engere Kooperation sollen solche Stromsperren vorgebeugt werden, so die Idee. Voraussetzung ist die Einwilligung des Kunden, die vom Sozialträger eingeholt wird.

"In Saarbrücken konnte 2013, im ersten Jahr nach der Einführung dieses Verfahrens, für 70 Prozent der zunächst vorgesehenen Sperren eine andere Lösung gefunden werden", so die Stadträte weiter. Auch in Karlsruhe liegen laut ihnen gute Ausgangsbedingungen für die Einführung des Saarbrücker Modells vor, weil die Stadtwerke Karlsruhe einen hohen Marktanteil haben. So seien in Karlsruhe derzeit trotz Stromsparberatungen und der Verwendung von Vorkassenzählern jährlich durchschnittlich 1.750 Haushalte von Stromsperren betroffen. "Insbesondere im Winter führen Stromsperren dabei zu bedrohlichen Wohnsituationen", so die Grüne-Fraktion weiter.

Stärkere Kooperation zwischen Stadtwerken und Behörden

Die Stadträte sind ob der Situation besorgt und befürchten einen Anstieg von Energiesperren aufgrund von Armut und finanziellen Problemen in der Fächerstadt. Auf der Suche nach einer Lösung, schlagen sie deshalb ein Gesamtkonzept zur Vermeidung von Stromsperren vor, das im Sozialausschuss beraten und im Aufsichtsrat der Stadtwerke vorgestellt werden soll.

Anklang findet der Vorstoß bei der Verwaltung. In einer Stellungnahme gibt sie an, eine gemeinsame Prüfung von Sozial- und Jugendbehörde, Jobcenter, Stadtwekre und Energie- und Klimaschutzagentur zu veranlassen. Zur Debatte stehen hierbei die von den Grünen vorgeschlagene Umsetzung des "Saarbrücker 4-Punkte-Modells" und die Ausweitung der Aktion "Stromspar-Partner". Eine Aussage zu den Kosten für die Umsetzung eines neuen Konzepts sei erst möglich, wenn das Konzept erarbeitet wurde, so die Stadt. Unabhängig davon entstehen zur Umsetzung weiterer Teile des Saarbrücker Modells, außer dem Beratungsaufwand, keine Kosten.

 AfD-Stadtrat macht erneuerbare Energien für Stromsperren verantwortlich

Weiter verweist die Stadt auf die bereits angewendeten Maßnahmen zur Vermeidung von Energiesperrungen durch die Stadtwerke: "Hierzu zählt der persönliche Dialog im Telefonkontakt mit den Schuldnern [...], die automatisierte Segmentierung der Kunden und persönliche Ansprache, um Zahlungsrückstände möglichst gering zu halten [...] und der Einsatz sogenannter Prepaidzähler." Letztere ermöglichen dem Kunden eine größere Verbrauchskontrolle und Flexibilität bezüglich der Zahlung.

Die Diskussion im Gemeinderat, 16. Februar:

Michael Borner (Grüne): Wir sind sehr zufrieden mit der Stellungnahme der Stadt. Die Prepaid-Zähler als solche sehen wir kritisch und halten sie nur bedingt für eine gute Lösung. Es ist schwierig die Geräte aufzuladen. Bislang gibt es nur einen Standort in der Daxlander Straße, an dem dies möglich ist. Wir wünschen uns in diesem Rahmen mehr Beratung vonseiten der Stadt.

Karin Wiedemann (CDU): Wir unterstützen den Antrag der Grünen - die Idee aus Saarbrücken ist gut. Unseren Informationen nach, hatte man hier dieses Modell eingeführt, nachdem eine Saarbrücker Familie bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Ihnen wurde zunächst der Strom abgestellt, weswegen sie sich mit Kerzen aushalfen. Es kam zum Wohnungsbrand. Es ist deshalb gut und richtig, dass die Verwaltung sich an der Saarbrücker Konsequenz ein Beispiel nimmt.

Yvette Melchien (SPD): Auch meine Fraktion stimmt zu. Die Ausweitung des Projekts 'Stromsparpartner' ist ein guter Baustein, um Karlsruhe als soziale Stadt weiterzuentwickeln. Uns ist es wichtig, hier am Ball zu bleiben und vor Ende des Projekts im nächsten Jahr die Fortsetzung und Bilanz in den Gremien zu beraten.

Max Braun (KULT): Karlsruhe ist eine gute und soziale Stadt. Wir wollen diesem Anspruch weiter gerecht werden und langfristig Stromsperren verhindern. Davon sind erfahrungsgemäß besonders arme Menschen und Rentner betroffen. Wir dürfen nicht einfach wegschauen. Wenn der Strom abgeschaltet wird, mündet dies nicht selten in psychischer Erkrankung, besonders in der kalten Jahreszeit.

Karl-Heinz Jooß (FDP): Die bevorstehende engere Kooperation zwischen den Stadtwerken, Behörden und dem Jobcenter ist erfreulich. Dennoch dürfen wir die Stadtwerke in prekären Situationen nicht im Regen stehen lassen. Im Fall von Zahlungsrückständen müssen sie entschädigt werden.

Dr. Paul Schmidt (AfD): Eine Kooperation ist notwendig. Allerdings möchte ich anmerken, dass ein Grund für die hohe Anzahl von Stromsperren sicherlich ist, dass der Strom an sich immer teuerer wird. Daran sind die Parteien selbst dran schuld. Die Umlage der erneuerbaren Energien ist unzumutbar. Zu teurer Strom sehe ich als soziales Verbrechen an.

Sabine Zürn (Die Linke): Also die erneuerbaren Energien dafür verantwortlich zu machen, ist sehr abenteuerlich. Schuld an der Situation sind vor allem steigende Mieten und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Es ist in der Tat eine Negativspirale, wenn kein Strom verfügbar ist. Es sollte eigentlich keinen Einzigen geben, der vom Stromnetz abgeschnitten werden muss.

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