Sitzenbleiben abschaffen? Ehrenrunde ist nicht nur schlecht!
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Karlsruhe - In mehreren deutschen Bundesländern ist eine Debatte über das "Abschaffen des Sitzenbleibens" in der Schule entbrannt. Auch in Baden-Württemberg sollen Schüler durch "individuelle Förderung" mittelfristig keine Ehrenrunde mehr drehen müssen. Denn: Die Angst vor dem Wiederholen eigne sich weder als Lernmotivation, noch schaffe sie Selbstvertrauen. "Wirklich?", fragt sich ka-news-Redakteurin Tabea Rueß.
Kaum im Amt, löst der neue Kultusminister Andreas Stoch (SPD) derzeit eine äußerst kontroverse Debatte aus. Er will gegen das Sitzenbleiben in der Schule kämpfen und es mittelfristig überflüssig machen. Denn, so seine Argumentation: Kinder, die eine Klasse wiederholen müssen, erfahren eine große Demütigung. Das Sitzenbleiben bringe psychische Belastungen mit sich und nehme den Schülern viel Selbstvertrauen. Das sei längst nachgewiesen.
Ehrenrunde = wenig Selbstvertrauen - zu pauschal!
Komisch dabei ist aber, dass viele Sitzenbleiber es oft - sogar mit einer ungesunden Portion Selbstvertrauen - bis ganz nach oben schaffen. Unter ihnen Christian Wulff, Peer Steinbrück, Johannes B. Kerner oder auch Harald Schmidt. Da drängt sich der Verdacht auf, dass der Bezug zwischen fehlendem Selbstvertrauen und Ehrenrunde - wie so vieles andere - nicht pauschal hergestellt werden kann.
Denn gleichzeitig gibt es genug Sitzenbleiber, die vom Wiederholen einer Klasse überdurchschnittlich profitieren. Weil sie in einer neuen Lerngruppe mit neuen Lehrern motivierter sind, weil sie durch ihr Vorwissen an Selbstvertrauen gewinnen, weil sie als "Ältere" besonders cool und erfahren sind oder weil sie ganz einfach Spätzünder sind und das zusätzliche Jahr für ihre persönliche Entwicklung und Orientierung gebraucht haben.
Durch das Sitzenbleiben fällt für viele ein enormer Druck weg. Denn wer ständig hinterher hinkt und nur mit Ach und Krach die Versetzung schafft, bewegt sich ständig in unsicheren Sphären. Das schafft weder Stabilität noch Selbstvertrauen. Für den Rest gilt: Man kann nicht alle Hürden im Leben aus dem Weg räumen, und eine "un-anstrengende" Schule wird es nie geben. Das Puzzleteil "Sitzenbleiben" in den Fokus zu nehmen, klingt deshalb eher nach bildungspolitischem Aktionismus als nach dringendem Schulproblem mit langfristigen psychischen Folgen. Auch wenn gegen Förderung jeglicher Art grundsätzlich nichts einzuwenden ist.
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- (5477 Beiträge) | 19.02.2013 15:39und es stellt sichdie Frage, ob nicht eine falsche Front "individuelle Förderung" versus "Sitzenbleiben" aufgemacht wird. Denn das eine schließt das andere nicht aus. Wie wäre es denn unter Beibehaltung der Option Sitzenbleiben verstärkt auf individuelle Förderung zu setzen? Vielleicht bleibt dann keiner mehr sitzen, obwohl es im Prinzip möglich wäre.
Also muss man die Eingangsfrage mit einem klaren Ja beantworten: hier ist eine falsche Front aufgemacht worden. - (3812 Beiträge) | 19.02.2013 16:35ich finde den Vorschlaggut, zumindest betr. Haupt- und Realschulen, die Herren und Damen Lehrer sollen und müssen sich mehr dem eigentlich Job widmen.
Dann bleiben schätzungsweise vermutlich mindestens die Hälfte nicht sitzen, ansonsten wäre eine Ehrenrunde auch nicht schlimm. - (8619 Beiträge) | 19.02.2013 20:21individuelle FörderungKann mir mal jemand erklären, wie "individuelle" Förderung in der Praxis aussehen soll? Und wer das dann bezahlen soll? Es gibt ja jetzt schon - wenns denn stimmt - Lehrermangel...
- (5477 Beiträge) | 19.02.2013 15:43und die zweite Fragedie sich stellt, ist "Wer soll das bezahlen?"
Der Kultusminister, der hier von individueller Förderung schwärmt, ist Teil einer Landesregierung, die die Zahl der Lehrerstellen im Land reduzieren will.
Somit kann man sich die weitere Entwicklung denken:
1) Sitzenbleiben wird abgeschafft.
2) Es gibt weniger Lehrer
3) Der Klassenteiler wird angehoben.
4) Individuelle Förderung ist unrealistischer als je zuvor.
5) Lehrer wissen sich nicht anders zu helfen als die unkooperativen Schüler nach hinten zu setzen.
6) die Lehrer werden von Professoren beschimpft.
7) In jeder Schule wird ein Teil der Klassenzimmer mit einer Plexiglaswand getrennt, die die kooperativen (vorne) von den unkooperativen (hinten) Schülern trennt, um Unterricht überhaupt zu ermöglichen.
8) die Schulleiter werden von Professoren beschimpft.
9) Der Versuch wird als Erfolg gewertet, alle Klassenzimmer werden umgerüstet.
10) Der Klassenteiler kann nun noch weiter steigen.
11) Man kommt nun mit noch weniger Lehrern aus. - (140 Beiträge) | 19.02.2013 17:02schöner KommentarDanke

Aber teilweise haben wir das heute schon mit den zweigeteilten Klassen - nur die Plexiglas-Wand fehlt. - (705 Beiträge) | 20.02.2013 10:27stimmtgelungener Kommentar Frau Rueß - kurz, knackig, gehaltvoll und überlegt - so soll es sein!
- (5477 Beiträge) | 19.02.2013 15:44und schließlich12) Die Einkommenssteuer kann um 0,1% gesenkt werden.
- (3227 Beiträge) | 19.02.2013 15:54Ganz andere Reform-IdeeWir schaffen die Schule ab und alle bekommen einen Dr.-Titel verliehen.
Dann können alle zufrieden sein, besonders Parteien die Probleme bei den Doktoren haben.
- (3596 Beiträge) | 20.02.2013 08:29Oder Parteien welche bekommen die wohl keine haben...und wenn dann waren die alle sauber und ehrlich. Aber deren Leute warfen früher lieber Steine statt zu lernen oder waren vom Staat wegen ihrer Staatstreue eh schon dafür vorgesehen.
Da muss man nicht mal nachprüfen durch bezahlte "Plagiatsjäger". (Wer die wohl bezahlt?)
Dieser Beitrag könnte keine Spuren vom Pferd enthalten, dafür aber von Polemik und Ironie. - (140 Beiträge) | 19.02.2013 17:04EhrenrundeHab' selbst eine Ehrenrunde gedreht - und es war das Beste, das mir passieren konnte.
Danach ging es wieder mit dem Aufpassen und Mitarbeiten. - (297 Beiträge) | 20.02.2013 07:09Ich bin 2mal sietzengeblibenHat mir nicht geschahdet.
- (4042 Beiträge) | 20.02.2013 10:42Aberauch nichts genutzt.
- (8638 Beiträge) | 19.02.2013 17:18Gegen Ehrenrunden !!!Die Ehrenrunden sorgen für einen Überschuss an Schülern. Viele Schüler sind nämlich eine Klasse und ziehen massenweise Lehrer an, die zusätzlich zum Unterricht auch noch ihre Freizeit opfern und Geld bei Wandertagen in den Geschenkeshops und Snackbars ausgeben (z.B. in Zoos!). Mehr Schüler können vielleicht größere und feudalere Schulen besuchen, aber es sind und bleiben doch Schüler. Viele "Verbesserungen" der Grün -Roten Regierung sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Politikern als den Schülern. Die meisten Schüler, die Ehrenrunden drehen, leiden unter Frustration und Langeweile in der neuen Klasse. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Schülern sitzen blieben zu lassen, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Schülern genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum, das angestammte Klassenzimmer.
- (8619 Beiträge) | 19.02.2013 20:23Wenn......die Schüler auf dem Land wohnen und die Schule in der nächsten Großstadt ist, dann sind sie auch die, die die Luft verpesten, indem sie die weiteresten Wege zurücklegen. Selbst wenn sie den Bus nehmen, so nehmen sie doch Infrastruktur in Anspruch. Diese unnötige Überbeanspruchung von Verkehrsmitteln verstopft nicht nur die Busse, sondern sorgt für ein plus an Luftverschmutzung. Wir sollten jetzt etwas unternehmen, bevor das Klima zerstört ist und in Hamburg Palmen wachsen.
- (2240 Beiträge) | 19.02.2013 17:52Habauch die 8. wiederholt. So hats zu einem anständigen Prüfungsergebnis gereicht. War eher Glück als Pech.
Mag sein, dass sich manche Lehrer nicht genug bemühen, das kann ich nicht beurteilen, aber manchmal haben auch Schüler keinen Bock, so in der Pubertätszeit oft, da kann sich der Lehrer bemühen wie er will.
In der Arbeitswelt wirds letztendlich nicht anders laufen, nur heissts dann nicht mehr sitzenbleiben, sondern Gehaltserhöhung oder Beförderung abgelehnt. - (795 Beiträge) | 19.02.2013 18:11für Ehrenrunden und mehr individuelle Förderung !
- (2240 Beiträge) | 19.02.2013 18:28DieEltern und die Schule bereiten aufs Leben vor. Das wird nicht einfacher wenn man Kindern die Möglichkeit zum Scheitern nimmt.
Man könnte auch Zeugnisse generell abschaffen, denn der mit dem schlechteren zeugnis könnte bei der Bewerbung diskriminiert werden.
Aber hallo..., ist Wahl(k)rampf? - (2583 Beiträge) | 19.02.2013 19:09hahahalustiger Beitrag von Fr. Doc, besonders lustig; "man Kindern die Möglichkeit zum Scheitern nimmt", hahaha, da schreibe ich lieber nicht meine Meinung dazu sonst gibts gleich wieder Krach
- (2240 Beiträge) | 19.02.2013 19:33Warum?Schreib doch. Solange du nicht persönlich wirst, hab ich kein Problem. Kinder müssen auch mit solchen Situationen klarkommen. Zu scheitern ist nichts schlimmes oder ehrenrühriges, man kann auch aus Niederlagen lernen und vermutlich tut das das Gros der Kinder und Jugendlichen auch.
- (3101 Beiträge) | 19.02.2013 19:38Lesen bildet




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