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Karlsruhe Sexuelle Übergriffe in Köln: Haltet die Füße still, Ihr "besorgten Bürger"!

Beim Gedanken daran, was dutzenden Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof widerfahren ist, sträuben sich mir die Nackenhaare. Vieles ist unklar - die Täter sind noch unbekannt. Letzterer Tatsache zum Trotz, melden sich nun "besorgte Bürger" zu Wort und nutzen die Vorkommnisse, um gegen Fremde und Flüchtlinge zu hetzen. Auch das ist ekelerregend.

Es ist eklig, beschämend und mit keinerlei Moral vertretbar. Ein unbekannter Mob aus hunderten, vielleicht tausenden, jungen Männern, griff in der Silvesternacht dutzende Frauen am Kölner Hauptbahnhof an.

Die Unbekannten grapschten, klauten, lösten Panik aus. Hunderte Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen gingen ein. Die Polizei war, ist überfordert. Eine Ermittlungsgruppe wertet Hinweise und Handyvideos aus, versucht Täter auszumachen. Der einzige Anhaltspunkt bislang: Die Männer sollen ein nordafrikanisches Erscheinungsbild gehabt haben.

Dass die Polizei nun aufgrund der Eskalation in Erklärungsnot gerät, ist die eine Sache. Die andere Sache ist das, was einige besorgte Bürger in Deutschland als Fazit aus den Sorgen und der Unklarheit in Köln ziehen. "Antworten ist leichter als fragen", sagte Jean-Paul Sartre einmal. Ein Zitat, das die Reaktionen von Usern auf Facebook und Co. auf den Punkt bringt. Hier nur eine kleine Auswahl.

"Ist das nun der Anfang, kann der Staat uns nicht mehr [vor Flüchtlingen] schützen? Frau Merkel, jetzt geht's los, wie schaffen Sie das?" - "Das sind alles die Spezialisten und Fachkräfte, die Deutschland wohl so dringend braucht." - "Wir importieren zusammenhängende Kriminalität dank den offenen Grenzen." - "Frauen, Homosexuelle und Juden sind als erstes die, die unter der islamischen Einwanderung zu leiden haben."

Es ist eklig, beschämend und mit keinerlei Moral vertretbar - ein Mob aus hunderten, vielleicht tausenden Social-Media-Nutzern - teils mit Klarnamen, teils mit Fantasienamen -, nutzt die Vorkommnisse in der Domstadt, um nun im Netz diffuse Anschuldigungen gegen Flüchtlinge, Diffamierungen gegen ganze Ethnien und fremdenfeindliche Hetzkommentare zu verbreiten. Fern ab jeglicher Realität. Fern ab von Tatsachen. Fern ab jeglicher Menschlichkeit.

Was in Köln passiert ist, ist grauenhaft. Dass dies nun benutzt wird, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, die unter anderem wegen ebensolcher Übergriffe in ihren Heimatländern fliehen, ist es auch. Aufklärung ist gefragt. Auf der einen Seite polizeiliche, auf der anderen Seite erzieherische.

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