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Karlsruhe/London Sensationsfund: Karlsruher Fußballhelden auf ältestem Sportfilm

Der Karlsruher SC hat historischen Ruhm in London geerntet. Gut, nicht der Karlsruher SC selbst, aber dessen historischer Vorgänger Phönix Karlsruhe sowie dessen Kontrahent Karlsruher FV. Aber wie kommen diese Mannschaften nach London? Die Antwort lautet: Auf Film. In London gibt es eine Filmaufnahme des Halbfinalspiels der beiden Mannschaften im Rahmen der Deutschen Meisterschaft. Der Film stammt aus dem Jahr 1910 und ist damit die älteste bekannte Filmaufnahme eines deutschen Fußballspiels.

Es ist der 1. Mai 1910. Im Stadion des Karlsruher FV an der Hertzstraße versammeln sich rund 8.000 Zuschauer - das ist Rekord. Doch es ist kein Wunder, dass dieses Spiel die Massen lockt: Der amtierende deutsche Meister aus dem Jahr 1909, der Karlsruher FC Phönix, tritt im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den innerstädtischen Rivalen und amtierenden Südmeister Karlsruher FV an, der bereits 1905 im Endspiel stand - damals jedoch erfolglos.

Ein historisches Spiel - ein historischer Film

"Es war 1910 das Spiel der Spiele, das vorweggenommene Endspiel. Das Duell der besten deutschen Mannschaften, das legendäre Derby, das die Stadt in zwei Lager teilte", berichtet Thomas Staisch, Journalist und Fan des historischen Phönix Karlsruhe. Dem KSC-Vorgängerverein widmet Staisch ein Buch, das 2014 erscheinen wird.

Das "Spiel der Spiele", wie Staisch es nennt, wurde nun in einem anderen Kontext ebenfalls zu einem historischen Ereignis. Denn eben jenes Spiel ist es, das auf Filmaufnahmen, die die Filmfirma "Welt-Kinematograph" aus Freiburg produzierte, zu sehen ist. Entdeckt hat Staisch es durch Zufall: "Bei Recherchen zu meinem Buch stieß ich per Zufall auf den sporthistorischen Schatz. Der Streifen galt als verschollen." Nachdem Staisch einen versteckten Eintrag beim "British Film Institute" in London entdeckte, flog er sofort hin. "Ich dachte nur, das muss ein Fehler sein. Aber der Film ist echt!"

Eine echte Sensation ist der Film von 1910 im Kontext betrachtet: Es handelt sich dabei um die älteste deutsche Bewegtaufnahme eines Fußballspiels. Bisher bekannt waren nur Aufnahmen aus dem Jahr 1923. "Es ist unglaublich, dass der Film zwei Weltkriege überstanden hat - wenn auch nur knapp zwei der vermutlich acht oder neun Minuten Gesamtlänge", erklärt Staisch. Nun liegt er sicher verwahrt in London.

Im Anzug zum Fußballkracher des Jahres

Für den deutschen Fußball und Fußballhistoriker ist der Streifen von großer Bedeutung: "Es ist sicher ein Glücksfall und eine große Chance, da man zum ersten Mal anhand von bewegten Bildern forschen und Thesen aus der Kaiserzeit überprüfen kann." Während heute darüber debattiert wird, wie die Torlinientechnik verbessert werden könnte, standen Torrichter damals schick gekleidet im Anzug und mit weißer Fahne ausgestattet neben dem Torpfosten. Die übrigen 8.000 Zuschauer dürften ähnlich elegant gekleidet gewesen sein.

Auf dem Film sind insgesamt 21 Szenen des Spiels zu sehen. "Der Dreh ist mit heutigen Aufnahmen nicht zu vergleichen: Nur wenn Spieler aufs Tor gerannt kamen, wurde gefilmt. Ansonsten nicht." Aber keines der Tore sei darauf zu sehen, erzählt Staisch, dessen Traum in Erfüllung ging "seine Helden" einmal spielen zu sehen. Drei Tore hat es insgesamt gegeben, leider ging nur eins davon auf das Konto des Karlsruher Phönix. Mit 2:1 entschied der amtierende Südmeister Karlsruher FV das Derby für sich - wenig später auch die deutsche Meisterschaft.

Die Legende vom gezinkten Ball

Möglicherweise beweist der Film gar eine Fußballlegende: "Es gab Zeugen, die behaupteten, dass der englische KFV-Trainer Townley in den Ball zwei Blasen einarbeiten ließ, um das gefährliche Flügel- und Flankenspiel von Phönix zu stören und das Kurzpassspiel seines eigenen Teams zu stärken. Nach Studiums des Films fällt jetzt auf, dass selbst ausgezeichnete Techniker mehrmals wild über den eigenartig hoppelnden Ball schlugen."

Ob nun mit gezinktem Ball oder nicht: Somit blieb es 1909, ein Jahr vor den Filmaufnahmen, beim einzigen Titel der Phönixlern - und im weiteren Verlauf damit indirekt auch für den KSC. Mit drei Endspielteilnahmen und einem Meistertitel ist der KFV die bisher erfolgreichste Karlsruher Fußballmannschaft.

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