Seltsames Deutschland - Karlsruher in Nicaragua
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Puerto Cabezas/Karlsruhe pes -
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Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.
Deutschland. Europa. Weit weg. Weiter weg als die USA? Viel weiter weg. Auf der anderen Seite des Atlantiks, ein anderer Kontinent. Sind Deutsche auch gringos? Nein, denn sie kommen nicht aus Gringolandia. Gibt es nach Deutschland eine Strabe? Nein, man fliegt mit dem Flugzeug. Ja, das ist teuer. Ist es schön in Deutschland? Kommt darauf an, in jedem Fall anders. Aber überhaupt Deutschland, USA, Frankreich und China. Managua ist doch schon eine andere Welt.
Strafe fürs Flaschen-Wegwerfen
Deutschland ist ein entwickeltes Land, ein Industrieland mit florierender Wirtschaft. Die Leute sind reich, unvorstellbar reich. Leben in Luxus, haben riesige Häuser, ein paar Autos und für alles die passende Maschine. Keine Frage, ziemlich paradiesisch. "Nimmst du mich mit?"
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Diese Vorschriften müssen ja wirklich schlimm sein. Die Städte voller Verkehrsschilder und den Müll kann man auch nicht so einfach auf die Straße werfen. Was soll man dann mit einer Cola-Flasche machen, wenn man sie nicht mehr braucht? Da muss man wirklich eine Strafe zahlen? Eine Sache ist dann aber total unverständlich. Warum gibt es in Deutschland kaum Kinder? Wieso bekommt eine Frau vielleicht ein oder zwei Kinder, und das erst mit 35? Dass muss ja schwierig sein mit so vielen alten Menschen. In Nicaragua ist rund die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Jahren.
Aber was erfährt man denn in Nicaragua schon über Deutschland? Der neue Past ist Deutscher und das freut seine Landsleute gar nicht unbedingt. Für den Interessierten sickern auch Schuldenerlass, Europafragen und geplante Neuwahlen durch. Der Kannibale von Rothenburg schaffte es auf die Titelseite einer nationalen Tageszeitung. Das mit Europa ist ja schon was Tolles. Von einem Land ins andere ohne Grenzkontrolle und ohne Pass. Und dann die gemeinsame Währung. Gar keine Dollars, damit kann man überall bezahlen?
Leben im Tiefkühl-Klima
In Deutschland gibt es wie fast überall nicht nur große Leute, sondern auch kleine und dicke. Man darf aber nicht mal sagen: "Hey, Dicker, komm’ mal her!" Wieso ist das eine Beleidigung? Es ist doch das einfachste, die Menschen anhand ihrer Körperlichkeit zu bezeichnen. Gordo, flaco, Negro, chino, chele. Dicker, Dünner, Schwarzer, Chinese, Weißer. In Deutschland heißt sowas Diskriminierung?
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Dann gibt es in Deutschland keinen Gallo Pinto. Keine Kokosnüsse, keine Kochbananen und keine frischen Mangos. Eine gute Frage, von was man da überhaupt leben soll. Wieso gibt es eigentlich die ganzen Sachen nicht? Ach so, das liegt am Klima. Wie kann man das überhaupt überleben? Kälte unter dem Niveau der Tiefkühltruhe, Schnee und Eis überall. Da muss man sich ja ganz schön viel anziehen und braucht so etwas wie eine Heizung. "Ich glaube, in Deutschland zu leben würde mir nicht gefallen."



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