Karlsruhe/Offenburg/Stuttgart Selbstmord des 18-Jährigen

Nach dem Selbstmord des seit Dienstag vermissten 18-jährigen Schülers aus der Nähe von Offenburg (ka-news berichtete) ist weiterhin unklar, ob ein Zusammenhang zu dem im Internet angekündigten Amoklauf an einer baden-württembergischen Schule besteht. Die Polizei geht nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass der Schüler sich selbst mit einem Kopfschuss getötet hat.

Im Rahmen der großangelegten Fahndung fand eine Streife des Polizeireviers Lahr am frühen Mittwochnachmittag in einem Waldstück zwischen Meißenheim und dem Schwanauer Ortsteil Ottenheim die Leiche des gesuchten Schülers. Er wurde anhand der Lichtbilder, seiner Kleidung und des neben der Leiche stehenden Fahrrads identifiziert. Das Kriseninterventionsteam der Polizei kümmert sich um die Familie. Die Kriminalpolizei führt derzeit rund um den Fundort erkennungsdienstliche Maßnahmen durch; die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet. Rund 300 Polizisten und Kräfte des Sondereinsatzkommandos waren an der Fahndung in der Umgebung des Elternhauses des Gymnasiasten beteiligt.

Polizei bleibt weiter im Alarmzustand

Die Recherchen auf dem PC des Schülers sind dagegen nahezu abgeschlossen. Bislang ist nicht klar, ob er der Urheber der Ankündigung eines Amoklaufs war. Eine Verbindung sei derzeit weder herzustellen noch auszuschließen, so ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums gegenüber ka-news. Diesbezügliche Ermittlungen dauerten am Mittwoch noch an. Auf der Festplatte seines Computers wurden Hinweise auf PC-Spiele wie "Counter Strike" gefunden; das Spiel selbst habe sich nicht auf seinem Rechner befunden, er habe aber wohl im Internet an Spielen teilgenommen. Ebenfalls untersucht wurden die Computer der beiden Schüler aus Rheinland-Pfalz, die während eines Computerspiels im Internet auf die entsprechende Drohung gestoßen waren. Am Mittwochmorgen wurden daraufhin drei Schulen im Raum Offenburg, die der 18-Jährige besucht hatte, vorsorglich durchsucht. Für den Donnerstag hat die Polizei angekündigt, in der Ortenau wie auch in ganz Baden-Württemberg ihr Augenmerk weiterhin verstärkt auf die Schulen zu richten.

Der Gymnasiast war am Dienstag von seinem Vater als vermisst gemeldet worden. Der Vater hatte seinen Sohn als introvertierten Einzelgänger beschrieben, der Probleme in der Schule gehabt habe. Nachdem bekannt geworden war, dass er vermutlich an eine Schusswaffe samt Munition aus dem Besitz seines verstorbenen Großvaters gelangt war, war er in den Verdacht geraten, der Verfasser der Amokdrohung zu sein. Nach einem Bericht des SWR habe er bereits am Dienstag einem Freund per SMS mitgeteilt, es gehe ihm "dreckig". Seither habe er sich nicht mehr gemeldet.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Karlsruher Schulen

Im Landkreis Karlsruhe sei laut einer Pressemitteilung der Schulbetrieb "mit erhöhter Aufmerksamkeit" gewährleistet. Die Schulen vor Ort seien über die aktuelle Lage informiert. Bei der Schulbehörde im Landratsamt hätten mehrere besorgte Eltern im Laufe des Tages angerufen, andere hätten ihre Kinder nicht zur Schule geschickt, was "möglich und nachvollziehbar" sei, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Auch in Karlsruhe entschieden sich Schulleiter zur Schulschließung
(Foto: ka-news)

Das Amt hatte Kontakt zu den übergeordneten Behörden und zu den Schulen im Landkreis. Danach sei festzustellen, dass die Schulleiter - wie es in den gesetzlichen Bestimmungen vorgegeben ist - in eigener Zuständigkeit Maßnahmen getroffen und "äußerst effektiv und besonnen" gehandelt haben. Die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften der Polizei sei vorbildlich gewesen. Zahlreiche Maßnahmen vor Ort wurden getroffen: Die Haupteingänge an den Schulen seien verstärkt kontrolliert und Nebeneingänge geschlossen worden. Einige Schulen haben am Mittwoch auch auf die Hofpause verzichtet oder untere verstärkter Aufsicht - auch mit Hilfe von Eltern - durchgeführt. Teilweise wurde entschieden, den Nachmittagsunterricht ausfallen zu lassen oder Teilbereiche von Schulgebäuden nicht zugänglich zu machen. Erhöhte Aufmerksamkeit galt schulfremden Personen im Schulgebäude und auf dem Schulgelände. Polizei und Schulen standen in ständigem Kontakt. Nahezu alle Schulen wurden durch Streifen kontrolliert.

GEW lobt Krisenmanagement der Schulen

Auch die Bildungsgewerkschaft GEW hat sich positiv über das Krisenmanagement der Schulen im Land geäußert und den Lehrkräften für ihre besonnenen Reaktionen auf den Amoklauf-Alarm gedankt. Dennoch schlägt die Gewerkschaft vor, das Krisenmanagement für solche Drohungen weiter zu verbessern. "Der angekündigte Amoklauf hat die 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Lehrerkräfte in Angst versetzt. Auch wenn es derzeit so aussieht, als ob wir von einer Gewalttat verschont bleiben werden, sollten die Schulen jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir sollten die Ängste der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte nicht beiseite schieben, sondern in den Klassenzimmern auch in Zukunft zum Thema zu machen", sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem am Mittwoch in Stuttgart.

In Baden-Württemberg sind seit Beginn des Schuljahres 2006/07 schulinterne Krisenteams gebildet worden. Diese haben unter anderem die Aufgabe notwendige Vorkehrungen für Bedrohungen durch Gewalttäter zu treffen. DieSchulen erstellen auf der Grundlage einer landesweiten Verwaltungsvorschrift Krisen- und Rettungspläne. Das Kultusministerium hat im September den Schulen einen Rahmenkrisenplan für die Vorbereitung auf Krisenfälle zur Verfügung gestellt. Mit diesem Muster-Krisenplan haben die Schulen auch Verhaltensempfehlungen bei Bedrohungen durch Amokläufer erhalten. ÄhnlicheKrisenpläne gibt es in den Bundesländern Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.

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