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Karlsruhe Schlecker am Ende: "Ein Schock war das endgültige Aus nicht mehr"

Am Freitag hatten die letzten rund 13.000 Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker die Gewissheit. In wenigen Wochen werden sie ihre Arbeit verlieren. Dann wird das Unternehmen seine verbleibenden Filialen dicht machen. Ende Juni wird auch Jasmin Hömig, Leiterin der Filiale in der Karlsruher Innenstadt, das letzte Mal die Tür abschließen. Nach 18 Jahren wird für sie bei Schlecker Schluss sein. Im ka-news-Interview spricht sie über die verpasste Modernisierung, über Wut und Unverständnis und was die Schlecker-Frauen nun erwartet.

Frau Hömig, am Freitag haben Sie und die Öffentlichkeit erfahren, dass Schlecker nicht gerettet wird. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?
Wir haben per Fax vom Ende erfahren. Bis zum Schluss hatten wir alle noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sich doch noch ein Investor findet. Ein wirklicher Schock war die Nachricht aber nicht mehr. Jetzt haben wir wenigstens Gewissheit, dass wir in wenigen Wochen nicht mehr arbeiten kommen dürfen. Die Wochen und Monate davor waren ein einziges Bangen. Wir ärgern uns sehr, dass es so weit gekommen ist. Wo sind die Millionen hin, die wir jahrelang erwirtschaftet haben? Die Mitarbeiter haben immer wieder darauf hingewiesen, was im Argen liegt und was man verbessern könnte. Aber auf uns wurde nicht gehört.

Was passiert jetzt bei Schlecker in den kommenden Wochen?
Bis Ende Juni bekommen alle Mitarbeiter die Kündigung, aber wie es danach weitergeht, ist nicht sicher. Wann wir also genau auf der Straße stehen, wissen wir nicht. Wir haben zwar die Information, dass die Gehälter für Juni sicher seien. Ob wir ab Juli schon Arbeitslosengeld erhalten, ist unklar. Wir vermuten, dass wir den Ausverkauf noch machen. Ende Juni schließen dann die Läden. Da wird wohl auch für uns Mitarbeiter Schluss sein.

Hat sich die prekäre Lage des Unternehmens für die Mitarbeiter in den Filialen angekündigt?
Wir haben schon gemerkt, dass die Umsätze in den letzten Jahren nach und nach schlechter geworden sind. Die Geschäftsleitung hat dann versucht, hier und da zu modernisieren und neue Ideen umzusetzen. Auch als die Kinder von Anton Schlecker das Ruder übernommen haben, wurde Geld investiert und ein neues Ladenkonzept entwickelt. Aber da war es wohl schon zu spät. Als die Führung im Januar Insolvenz angemeldet hat, waren wir richtig geschockt. Sie hatte uns in der Vergangenheit zwar schon mitgeteilt, dass es dem Unternehmen momentan nicht so gut ginge. Wir hatten gedacht, dass das sich schon geben wird - doch niemals, dass wir pleite sind.

Was hätte Schlecker aus Ihrer Sicht tun müssen, um die Pleite abzuwenden?
Was man seit der Insolvenz im Januar hätte tun können, kann ich nicht sagen. Die Jahre davor hätte Schlecker in sein bestehendes Filialnetz investieren müssen und nicht in Niederlassungen im Ausland. Schon viel früher hätte man die Filialen schöner machen und die Preise senken müssen. Schlecker war vor allem für jüngere Leute unattraktiv. Die haben höchstens mal etwas zu trinken und Knabberzeug gekauft und sind sonst lieber in andere Drogeriemärkte gegangen. Nur die älteren Leute auf dem Dorf kamen weiterhin.

Wie geht es für Sie und Ihre Kolleginnen nun weiter?
Irgendetwas wird sich schon ergeben. Nur unter welchen Bedingungen ist die Frage. Ich stelle mich darauf ein, dass ich keinen Job in dieser Position und mit diesem Gehalt bekommen werde. Kolleginnen in einem gewissen Alter werden es wahrscheinlich schwer auf dem heutigen Arbeitsmarkt haben. Ich hoffe aber, dass wir untereinander weiterhin in Kontakt bleiben und einander seelisch und moralisch unterstützen können.

Fragen: Sandra Schneider

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