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08.06.2012 13:38
 
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Schlecker am Ende: "Ein Schock war das endgültige Aus nicht mehr" [15]

Bild:ka-news

Karlsruhe (sas) - Am Freitag hatten die letzten rund 13.000 Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker die Gewissheit. In wenigen Wochen werden sie ihre Arbeit verlieren. Dann wird das Unternehmen seine verbleibenden Filialen dicht machen. Ende Juni wird auch Jasmin Hömig, Leiterin der Filiale in der Karlsruher Innenstadt, das letzte Mal die Tür abschließen. Nach 18 Jahren wird für sie bei Schlecker Schluss sein. Im ka-news-Interview spricht sie über die verpasste Modernisierung, über Wut und Unverständnis und was die Schlecker-Frauen nun erwartet.
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Frau Hömig, am Freitag haben Sie und die Öffentlichkeit erfahren, dass Schlecker nicht gerettet wird. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?
Wir haben per Fax vom Ende erfahren. Bis zum Schluss hatten wir alle noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sich doch noch ein Investor findet. Ein wirklicher Schock war die Nachricht aber nicht mehr. Jetzt haben wir wenigstens Gewissheit, dass wir in wenigen Wochen nicht mehr arbeiten kommen dürfen. Die Wochen und Monate davor waren ein einziges Bangen. Wir ärgern uns sehr, dass es so weit gekommen ist. Wo sind die Millionen hin, die wir jahrelang erwirtschaftet haben? Die Mitarbeiter haben immer wieder darauf hingewiesen, was im Argen liegt und was man verbessern könnte. Aber auf uns wurde nicht gehört.

Was passiert jetzt bei Schlecker in den kommenden Wochen?
Bis Ende Juni bekommen alle Mitarbeiter die Kündigung, aber wie es danach weitergeht, ist nicht sicher. Wann wir also genau auf der Straße stehen, wissen wir nicht. Wir haben zwar die Information, dass die Gehälter für Juni sicher seien. Ob wir ab Juli schon Arbeitslosengeld erhalten, ist unklar. Wir vermuten, dass wir den Ausverkauf noch machen. Ende Juni schließen dann die Läden. Da wird wohl auch für uns Mitarbeiter Schluss sein.

Hat sich die prekäre Lage des Unternehmens für die Mitarbeiter in den Filialen angekündigt?
Wir haben schon gemerkt, dass die Umsätze in den letzten Jahren nach und nach schlechter geworden sind. Die Geschäftsleitung hat dann versucht, hier und da zu modernisieren und neue Ideen umzusetzen. Auch als die Kinder von Anton Schlecker das Ruder übernommen haben, wurde Geld investiert und ein neues Ladenkonzept entwickelt. Aber da war es wohl schon zu spät. Als die Führung im Januar Insolvenz angemeldet hat, waren wir richtig geschockt. Sie hatte uns in der Vergangenheit zwar schon mitgeteilt, dass es dem Unternehmen momentan nicht so gut ginge. Wir hatten gedacht, dass das sich schon geben wird - doch niemals, dass wir pleite sind.

Was hätte Schlecker aus Ihrer Sicht tun müssen, um die Pleite abzuwenden?
Was man seit der Insolvenz im Januar hätte tun können, kann ich nicht sagen. Die Jahre davor hätte Schlecker in sein bestehendes Filialnetz investieren müssen und nicht in Niederlassungen im Ausland. Schon viel früher hätte man die Filialen schöner machen und die Preise senken müssen. Schlecker war vor allem für jüngere Leute unattraktiv. Die haben höchstens mal etwas zu trinken und Knabberzeug gekauft und sind sonst lieber in andere Drogeriemärkte gegangen. Nur die älteren Leute auf dem Dorf kamen weiterhin.

Wie geht es für Sie und Ihre Kolleginnen nun weiter?
Irgendetwas wird sich schon ergeben. Nur unter welchen Bedingungen ist die Frage. Ich stelle mich darauf ein, dass ich keinen Job in dieser Position und mit diesem Gehalt bekommen werde. Kolleginnen in einem gewissen Alter werden es wahrscheinlich schwer auf dem heutigen Arbeitsmarkt haben. Ich hoffe aber, dass wir untereinander weiterhin in Kontakt bleiben und einander seelisch und moralisch unterstützen können.

Fragen: Sandra Schneider

Mehr zu: Schlecker Insolvenz Interview Topmeldung Ticker

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:



Kommentare [15]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (450 Beiträge) | 08.06.2012 22:55
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    Man sieht es in sehr vielen Firmen, ...
    dass viel weniger Wert auf Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit gelegt und nur aufs Finanzielle geschaut wird. Alles drum herum ist pupsegal, hauptsache die Kasse klingelt. Nur doof, dass die irgendwann nicht mehr klingelt, weil entweder a) die Kunden lieber wegbleiben oder b) die Mitarbeiter frustriert und enttäuscht kündigen - oder beides.
    Ein Job muss nicht das ultimative Stressultimatum sein, außer der Chef will es so. Und damit zerstört er auf Dauer nur selbst seine Firma.

    Mein Beileid den Schlecker-Frauen, aber so ist das halt: Macht der/die Chef(s) Mist, leiden alle Mitarbeiter darunter. Doof, dass es bei Schlecker nicht gerade wenig Mitarbeiter gibt ...
    Viel Erfolg bei der Agentur für Arbeit.
  • (2030 Beiträge) | 08.06.2012 22:21
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    Riesen-Andrang beim Schlecker-Ausverkauf
    30 - 50% Rabatt und schon regt sich niemand mehr auf über die Kündigungen.

    „Es beten nicht alle, die in die Kirche gehen.“
  • (2979 Beiträge) | 08.06.2012 14:29
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    Schlecker hatte wohl nur eines im Kopf,
    ich zeige es euch, den anderen Drogerieketten, ich werde der größte mit den meisten Filialen. ein guter Kaufmann war er nicht.
  • (29986 Beiträge) | 08.06.2012 14:58
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    Anstatt
    Abermillionen in die künstliche Erhaltung zu stecken, hätte er doch einfach nur seinen Laden umstricken müssen.
    Aldi ist doch auch nicht verreckt als die anderen auf den Markt gedrückt haben.
    Neben dm, Rossmann und wie sie alle heissen hätts auch noch Platz für Schlecker gehabt.
    Aber man muss halt ein bisschen mit der Zeit gehen. Von den Arbeitsbedingungen mal ganz abgesehen.
    Dem alten Schlecker kann man einfach nur Ignoranz und Dummheit unterstellen und seine Kinder scheinen auch nicht viel schlauer zu sein, denn sonst hätten sie ihn überzeugt die notwendingen Schritte zur Erhaltung des Unternehmens einzuleiten.
  • unbekannt
    (536 Beiträge) | 08.06.2012 18:06
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    Nicht den Laden umstricken,
    sondern die Geschäftsphilosophie und die eigene Einstellung hätte die Fam. Schlecker ändern müssen. Die Mitarbeiter waren doch nur Melkkühe und wurden mies behandelt, sowas merkt auch der Kunde. Und wie gestern im TV berichtet wurde, war es ja wohl doch nicht so wie die Tochter in der Pressekonferenz behauptet hat. Nämlich das kein signifikantes Vermögen da wäre, um die Kette zu retten. Klar, wenn kurz vor der Insolvenz die Vermögenswerte auf die Kinder und Ehefrau umgeschrieben wurden. Die die wirklich verloren haben sind die, die jetzt keine Arbeit mehr haben - nicht die Fam. Schlecker traurig
  • (29986 Beiträge) | 08.06.2012 23:02
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    Dann erklär ich dir
    extra nochmal was umstricken heisst.

    Neu organisieren, modernisieren, konkurrenzfähig bleiben und Mitarbeiter ordentlich behandeln.
    Diese Pleite hätte man spielend abwenden können, da hätt nur mal einer der einen Hauch von Ahnung hat was sagen müssen.

    Wie der Laden überhaupt so gross werden konnte kann man sich eigentlich gar nicht erklären.
  • unbekannt
    (536 Beiträge) | 08.06.2012 23:14
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    Aber hetfield,
    so was muss man doch wollen. Der Hauch von Ahnung hat gereicht, um die eigenen Taschen zu füllen - mehr sollte ja auch nicht dabei rauskommen. Dass es anders geht zeigt ja DM. Bist du bei Schlecker Kunde gewesen? Also ich meine jetzt Dauerkunde - man hat sich in den Läden doch nie wohl gefühlt. Und als vor ein paar Jahren die ersten miesen Umgangsmethoden bekannt wurden, haben die glaub ich viele Kunden damit vergrault.
  • (29986 Beiträge) | 09.06.2012 17:50
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    Nein,
    ich war nie Schlecker Dauerkunde. Und die Läden waren natürlich scheisse und auf dem Niveau Ende der 70er stehengeblieben.
    Alle haben es kapiert, nur Schlecker nicht. Aldi hat die Gänge breit gemacht, die Waren sorgfältiger eingeräumt und nicht nur hingeschmissen.
    Die Schleckerpleite ist echt kein Verlust für die Menschheit. Aber für die Betroffenen ist es natürlich scheisse. Erst geknechtet und dann weggeworfen.
  • unbekannt
    (536 Beiträge) | 09.06.2012 18:07
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    Dann sind wir uns hier ja einig.
    Schau mal auf diese Seite:

    http://tobyhilft.com/2012/06/hat-familie-schlecker-millionen-beiseite-geschafft/#.T9NzKrU6Ayc

    Von dort aus kannst du weiterklicken, wenn dich der Bericht interessiert.
    Man kann nur hoffen, dass dem Insolvenzverwalter keine Knüppel zwischen die Füsse geworfen werden.
  • (11977 Beiträge) | 08.06.2012 20:36
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    Wenn
    die Mitarbeiter wie Melkkühe gehalten werden und man auf Kundenzufriedenheit keinen Wert mehr legt ist das ein sicheres Zeichen, dass der Laden bald dicht gemacht werden soll.

    Daraus kann man nur lernen, in so einem Fall schnellst möglich abzuspringen.

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Familie Schlecker den Laden gar nicht retten will.
  • unbekannt
    (536 Beiträge) | 08.06.2012 20:46
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    Ich denke auch, ...
    ... dass hier taktiert wurde. Und die Isolvenzverwalter sind auch nicht dämlich - Fam. Schlecker wird noch (hoffentlich) eine auf die Mütze bekommen.
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 08.06.2012 16:25
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    Siehe Volksbank
    die machen es richtig. Um das Kapital zu erhöhen haben sie einfach ein Absolut Kundenunfreudnliches Modell eingeführt. So kommt jetzt kein Kunde mehr drann vorbei zu Zahlen. Für jeden mist musst die jetzt bezahlen.

    Ja! Super gemacht Volksbank! Ihr seid das allerletzte!
    Das was mir wiederfahren ist werde ich auch weiter Tragen. Geh doch zu einer anderen Bank ? Ja! Genau das hab ich auch gemacht. So wie meine zwei Freundinnen auch. Volksbank ? Fuck You! grinsen
  • (299 Beiträge) | 08.06.2012 20:01
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    Die Volksbank Karlsruhe nervt mich ebenfalls mit Gebühren,
    die vor kurzem neu eingeführt worden sind.
    Für jeden Lastschrifteinzug werden jetzt Gebühren fällig - stand im Kleingedruckten so verdruckst, dass ich es nicht verstanden hatte. Erst als die Kontoauszüge immer mehr seltsame Gebührenbeträge am Monatsende aufwiesen habe ich nachgefragt und nach einer mündlichen Erklärung begriffen, dass die Volksbank Karlsruhe jetzt zu den neuen Abzockern gehört - bei Privatkunden.
    Die Volksbank Karlsruhe muss dies wieder rückgängig machen, sonst verliert sie nicht nur mich in Kürze....
  • (4449 Beiträge) | 08.06.2012 17:18
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    Das wirst du in Zukunft
    noch bei mehr Banken und auch Versicherungen bekommen. Die achso seriösen Finanzinstitute treiben und trieben es schon immer am schlimmsten. Eine echte Kundenbeziehung kann da heute nicht mehr entstehen und ist, trotz aller gegenteiligen Behauptungen aus Werbung und Presse, nicht mehr gewünscht. Die Finanzwirtschaft ist nicht mehr an ihren Kunden interessiert, sondern nur an deren Geld.
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 08.06.2012 14:16
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    Schöner Artikel
    Muss ich sagen grinsen Spiegelt, soweit ich mitbekomme, die Stimmung bei allen wieder. Echt Traurig das ganze. Aber vielleicht soll es halt so sein.

    Meiner meinung nach sind die Weichen schon vor langer Zeit nicht richtig gestellt worden. So hat Schlecker sich einfach in jedem Kaff ein Laden aufgemacht ob sinnvoll oder nicht hauptsache da. Dann wurden auch Trends verschlafen und dieses Altbackene Image nicht abgelegt. Schade - einfach schade traurig
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