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Karlsruhe Rettunghubschrauber verlegt: Zu langsame Hilfe in Notfällen?

Rettungsdienstkräfte beklagen durch die Standortverlegung des Rettungshubschraubers Christoph 43 eine deutliche Verschlechterung der notärztlichen Hilfsfrist im Rettungsdienstbereich Karlsruhe. Die gesetzlichen Vorgaben zur notärztlichen Hilfsfrist werden nicht erfüllt, heißt es in einer Mitteilung an die Presse.

Seit dem 17.09.1975 war am Vincentiuskrankenhaus in Karlsruhe der Rettungshubschrauber Christoph 43 stationiert. Er hat von hier aus bis Ende Januar 2016 über 48.000 Einsätze durchgeführt und war ein wichtiges Element im Rettungsdienstsystem zur Versorgung der Bevölkerung im Rettungsdienstbereich Karlsruhe. Bedingt durch den beabsichtigten Klinikneubau am bisherigen Standort, musste Christoph 43 am 30.01.2016 für voraussichtlich 3 - 4 Jahre zum rund 35 km Luftlinie südlich gelegenen Flughafen Karlsruhe/ Baden-Baden verlegt werden.

Laut Pressemitteilung habe diese Maßnahme erhebliche Auswirkungen auf die Versorgungsgüte und die notärztliche Hilfsfrist im Rettungsdienstbereich Karlsruhe, aber auch in den angrenzenden Bereichen der Vorderpfalz, von Pforzheim-Enzkreis und von Calw. Die Eintreffzeit zu den nördlich des bisherigen Stationierungsorts gelegenen Einsatzgebieten verlängere sich durch die Verlegung um 8 bis 9 Minuten. Zusätzlich entstehe durch eine veränderte Alarmierungszuständigkeit (die Leitstelle Karlsruhe muß ab sofort im Einsatzfall den Hubschrauber über die Leitstelle in Rastatt alarmieren), ein weiterer Zeitverlust von etwa 1 Minute.

"Es ist zu erwarten, dass sich die notärztliche Hilfsfrist, im Rettungsdienstbereich Karlsruhe durch die Standortverlegung des Hubschraubers weiter verschlechtert", so in der Mitteilung weiter. Trotz des Hubschraubereinsatzes wurden im Jahr 2014 durch die bodengebundenen Notarztrettungsmittel und den Rettungshubschrauber nur 90,5% der Einsatzstellen in der gesetzlich definierten Hilfsfrist von maximal 15 Minuten erreicht. Bei etwas mehr als 1.000 Notarzteinsätzen (in 2014) war die Hilfsfrist größer als 15 Minuten.

Diese Situation hat im Rettungsdienst, aber auch in der Bevölkerung zu heftigen Diskussionen und zum Ruf nach Verbesserungen geführt. Christoph 43 hat 2015 insgesamt 1.630 Einsätze geflogen, davon im Rettungsdienstbereich Karlsruhe rund 1.000 und bei diesen Einsätzen durch seinen Einsatz die notärztliche Hilfsfrist erfüllt. Wäre er schon 2015 vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden aus zu diesen Einsätzen gestartet, wären nach Meinung der Experten etwa 700 dieser Einsatzorte nicht in der gesetzlich festgelegten maximalen Hilfsfrist von 15 Minuten zu erreichen gewesen.

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