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Karlsruhe Rammler in Hochform: Viele Osterhasen in der Region

Ostern kann kommen. Osterhasen gibt es jedenfalls genug in der Region. So hoppeln hier über die Felder und Wiesen zehn mal so viele Rammler und Häsinnen wie noch vor 15 Jahren. Das sagt Hasen-Experte Hans-Jochen Volmer. Und dass Meister Lampe auf dem Weg zum Oster-Nest von einem Jäger abgeschossen wird, davor müssen Osterhasen-Freunde derzeit auch keine Angst haben.

"Die Zahl der Feldhasen in der Region hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt", sagt Hans-Jochen Volmer, Kreisjägermeister im Landkreis Rastatt und Vorsitzender des Vereins Lebensraum-Rheinaue Mittelbaden. Über den aktuellen Bestand der Hasen in der Region lasse sich allerdings keine genaue Aussage treffen. Die Hasen würden zwar regelmäßig gezählt, aber das seien nur Momentaufnahmen, so der Jäger.

Ab 21 Uhr wird gezählt

Aus den erhoben Daten lasse sich zwar ungefähr die Hasenpopulation ermitteln, aber genaue Zahlen kenne man nicht. Fest steht: Vor 15 Jahren wurden in der Region im Schnitt etwa vier Hasen pro 100 Hektar gezählt, heute sind es 45 auf der gleichen Fläche. Also über zehn mal so viele.

Das ist aus Sicht des Jägers eine erfreuliche Entwicklung. "Dass sich die Hasen in der Region wohl fühlen, liegt daran, dass in den letzten Jahren etliche Wildäcker und -wiesen angelegt wurden und die Jagd auf die natürlichen Feinde der Hasen intensiviert wurde", so Hasen-Experte Volmer. So seien verstärkt Füchse gejagt worden. Denn auch diese hätten sich in den vergangenen Jahren in der Region stark vermehrt.

Jagdverbot an Ostern

Aber wie werden die Hasen eigentlich gezählt? Ab 21 Uhr, wenn es dunkel ist, legen sich die Hasen-Experten auf die Lauer, erklärt Volmer. Dann wird eine vorher festgelegte Zählstrecke mit einem Scheinwerfer über etwa 30 Minuten beleuchtetet. Die gesichteten Hasen werden gezählt. Die Zählungen werden zwei Mal im Frühjahr und einmal im Herbst durchgeführt. Immer an der gleichen Stelle. Aus den Ergebnissen wird dann der Durchschnitt errechnet. So können Rückschlüsse auf die Hasenpopulation in der Region gezogen werden. Die meisten Hasen in der Region gab es übrigens in den 1970er Jahren, weiß Volmer.

Frühling heißt auch Paarungszeit für die Rammler und Häsinnen. Eine Häsin bekommt bis zu drei Mal im Jahr Nachwuchs. Im Schnitt etwa sechs Junge pro Jahr, auch wenn nicht immer alle durchkommen. "In freier Wildbahn werden Hasen etwa sechs Jahre alt, schätzt Volmer". Kann es sein, dass ein Hase am Ostersonntag einem Jäger vor die Flinte läuft? "Nein, derzeit dürfen laut Jagdgesetz keine Hasen gejagt werden", erläutert der Jäger. Hasen dürften nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. Dezember gejagt werden. Ostern ist also nicht gefährdet.

Umweltschützer: Pestizide gefährden die Hasen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte am Mittwoch in Berlin, dass Hasen und eine Reihe von Vogelarten unter industrieller Landwirtschaft mit großflächigen Monokulturen und hohem Pestizideinsatz litten. Die Zahl der Hasen sei deshalb deutschlandweit von einer halben Million vor zwölf Jahren auf zuletzt etwa 350.000 gesunken.

Als "osterhasenfeindlich" haben Naturschützer zudem die Politik des Landesbauernverbandes (LBV) kritisiert. Hasen seien auf eine naturverträglichere Landwirtschaft mit Äckern und Wiesen angewiesen, auf denen es nicht nur um den maximalen Ertrag geht, erklärte der Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg am Dienstag in Stuttgart.

"Hasen brauchen Äcker, auf denen auch Wildkräuter wachsen dürfen und keine Gifte alles Unerwünschte abtöten", sagte der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann laut Mitteilung. Der Bestand des Feldhasen in Baden-Württemberg sei in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen und habe sich nach Einschätzung von Experten zuletzt auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Hasen lieben Kräuter

"Pestizide sind sicher nicht so gut", sagt auch Jäger Hans-Jochen Volmer. "Der Hase ist ein Feinschmecker. Er liebt Kräuter. Am liebsten mag er Klee- und Minzblätter." Diese Nahrungsgrundlage dürfe man dem Hasen nicht entziehen, so der Experte vom Verein Lebensraum-Rheinaue Mittelbaden.

Der Verein wurde als Interessengemeinschaft von Jägern und jagdverpachtenden Gemeinden im Jahr 2002 gegründet. Ursache dafür war der drastische Rückgang des Niederwildes in Mittelbaden, der trotz Verzichts auf die Bejagung einzelner Arten nicht aufzuhalten war. Die räumliche Ausdehnung des Vereins erstreckt sich von den Gemeinden Au am Rhein und Durmersheim im Norden über Elchesheim-Illingen, Steinmauern, der Stadt Rastatt mit den Ortsteilen Rauental, Plittersdorf, Ottersdorf und Wintersdorf bis nach Iffezheim im Süden auf einer zusammenhängenden Fläche von über 10.000 Hektar.

Hier geht's zur Website des Vereins: www.lebensraum-rheinaue.de

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