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22.02.2016 05:00
 
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"Predictive Policing": Wie sinnvoll ist die neue Art der Verbrechensbekämpfung? [7]

(Symbolbild)
Bild:Fredrik von Erichsen/Archiv

Karlsruhe (ps/rh) - Kriminalität verhindern, noch bevor sie passiert: Das ist das Prinzip von Predictive Policing. Am Donnerstag, 18. Februar, beleuchtete eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Baden das Thema - und gab Raum für Diskussionen. Was dabei herausgekommen ist, berichtet diese in einer aktuellen Pressemitteilung.
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"Bekämpfung von Kriminalität mit Unterstützung von Computern ist nichts Neues", so die Evangelische Akademie in ihrer Pressemitteilung. Doch im Zeitalter von Big Data täten sich mit der Sammlung und Verknüpfung von großen Datenmengen auch für die Polizei ganz neue Möglichkeiten auf: "Predictive Policing" heiße das Zauberwort für eine zukunftsweisende Form der Polizeiarbeit. Kriminalität soll gleichsam verhindert werden, bevor sie überhaupt passiert.

Führt der Weg hin zu einer "Transparenzgesellschaft"?

Am Donnerstag fand dazu im Albert-Schweitzer-Saal Karlsruhe eine Podiumsdiskussion statt. Eingeladen hatte die Evangelische Akademie Baden im Rahmen der Reihe 12, die sich nach eigener Aussage intensiv mit Fragen der "Digitalen Revolution" auseinandersetzt. Akademiestudienleiter Gernot Meier meinte einleitend, es sei zu fragen, ob eine "berechnete Welt tatsächlich auch eine sicherere Welt ist". Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass unsere Gesellschaft Gefahr laufe, sich in eine "Transparenzgesellschaft" zu verwandeln, in der "Vertrauen durch Kontrolle ersetzt wird".

Predictive Policing, so die Soziologin Christina Merz vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT, "soll der Polizei ermöglichen, bevorstehende Straftaten und mögliche Tatorte zielgenauer als bisher zu identifizieren". In Deutschland würden im Moment keine personenbezogenen Daten in die Analyse einbezogen. Das technologische Entwicklungspotential von Predictive Policing sei nach Einschätzung von Merz allerdings hoch: Bereits heute würden in den USA unterschiedlichste Datenquellen miteinander verknüpft unter anderem auch aus sozialen Netzwerken.

Es bestehe Sorge bezüglich tiefgreifender Persönlichkeitseingriffe und ungerechtfertigter Verdächtigungen. Auch hierzulande gebe es politische Stimmen, die für eine Ausweitung des Systems plädierten, ohne sich klar zu machen, welche gesellschaftlichen Folgen dies mit sich bringe. Merz forderte daher eine möglichst umfangreiche öffentliche Debatte über die Chancen und Risiken von Predictive Policing.

Wie sinnvoll ist Predictive-Policing für die Polizei?

Über das baden-württembergische Predictive-Policing-Pilotprojekt sprach Tilmann Marc A. Bach vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Die Prognose-Software "Precops" stütze sich auf die sogenannte Near-Repeat-Theorie, wonach organisierte Täter gerade bei Einbrüchen mehrmals im gleichen Viertel zuschlagen. Bach unterstrich, dass Predictive Policing, wie es in Deutschland eingesetzt werde, nicht wesentlich mehr sei, als was die Polizei bereit heute tue.

Mit der Unterstützung des Computers sei es möglich, "schneller als der Mensch fallbezogene Daten durchzuschauen". Laut Bach sei das Pilotprojekt ein "ergebnisoffener Versuch". Es gebe Indizien dafür, dass Predictive Policing Sinn mache, aber "keine absolute Kausalität von Wirksamkeit".

Thomas Dämmrich vom Polizeipräsidium Karlsruhe berichtete über die Integration der neuen Software in die tägliche polizeiliche Arbeit. So unterstützte die Software die Polizei dabei, Warnmeldungen für gefährdete Gebiete aufgrund statistischer Analysen abzugeben und entsprechend mehr Präsenz vor Ort zeigen zu können.

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