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Karlsruhe Polizei-Statistik 2015: Kriminalität im Stadtkreis Karlsruhe gestiegen

Das Polizeipräsidium Karlsruhe stellte am Donnerstag seine aktuelle Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2015 vor: Die Polizei ist mit der Bilanz zufrieden - eine stark angestiegene Kriminalitätsrate wie es in den sozialen Netzwerken vermittelt werde, entspreche nicht der Realität, stellt Polizeipräsident Günther Freisleben auf der Pressekonferenz klar. Als klarer Verlierer geht dennoch der Stadtkreis Karlsruhe aus der Bilanz hervor - hier ist die Kriminalität um acht Prozent gestiegen.

Im Enzkreis, in Calw, im Landkreis Karlsruhe und in Pforzheim ist die Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr gesunken - nur im Stadtkreis Karlsruhe verzeichnet die Polizei einen Anstieg von acht Prozent. Warum?

In Karlsruhe haben insbesondere schwere Ladendiebstähle zugenommen - sie haben sich beinahe verdoppelt: Von 87 auf 170 Fälle. Dies führt Freisleben vor allem auf die sehr gute Infrastruktur in Karlsruhe zurück. Die Ladendiebstähle gehen vor allem auf das Konto organisierter Banden, welche aus dem Umland anreisen.

Zunahme von Gewaltdelikten

Mit Sorge beobachtet die Polizei die Zunahme von sogenannten "Rohheits- und Aggressionsdelikten": Hierunter fallen beispielsweise Raubtaten (Anstieg um 61 Fälle von 221 auf 282) und Körperverletzungen (Anstieg um 143 Fälle von 586 auf 729). Der Anstieg zeigt die "wachsende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft", sagt Freisleben am Donnerstag. Ähnlich wie bei Wohnungseinbrüchen beeinträchtigten diese Delikte das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.

Angesprochen wird in diesem Zusammenhang auch ein heikles Thema: Flüchtlingskriminalität. "Wir verschweigen nichts und halten auch keine Meldungen zurück", so Freisleben und spielt auf eine Falschmeldung zu einer angeblichen Mehrfachvergewaltigung an. Allerdings: Die rund 1,8 Prozent Anstieg der mehr erfassten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums gehen fast ausschließlich auf das Stadtgebiet Karlsruhe zurück: Hier gab es 1.205 ausländerrechtliche Verstöße.

"Lagerkoller" führt zu Auseinandersetzungen

Der Anstieg sei kein Grund zu Beunruhigung, meint Freisleben. Denn diese Verstöße sind allein aufgrund der Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation zu verzeichnen. Das heißt, es handelt sich um Tatbestände, welche auch nur von Ausländern begangen werden können wie formale Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen, beispielsweise der Passverlust.

In Bezug auf Ausländerkriminalität sind diese Zahlen nicht aussagekräftig. Man müsse sich vor Aussagen in Bezug auf Kriminalität zunächst die Frage nach der Begriffsdefinition stellen, so Freisleben, beispielsweise ob man dies anhand der Passzugehörigkeit bestimmen will oder anhand der Integration einer Person.

Unbestritten stellt der Polizeipräsident in Hinblick auf die Statistik fest: Auffällig im Bereich Rohheits- und Aggressionsdelikten sei der Anteil nichtdeutscher Heranwachsender. "Allerdings darf nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Opfer ebenfalls Flüchtlinge sind", relativiert Freisleben. Und: Viele junge Männer auf engem Raum der Landeserstaufnahmestellen führe zwangsweise zu Konflikten. "Wir haben dafür sogar ein deutsches Wort: Lagerkoller."

Sexualdelikte nehmen ab

Die Polizei reagierte im Februar 2016 auf die zunehmenden Delikte in Karlsruhe: Es wurde eine Ermittlungsgruppe "Mehrfachtäter Zuwanderung" eingerichtet. Durch die Fortsetzung kontinuierlicher Präsenz-, Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen im Rahmen von Brennpunkteinsätzen erwartet der Polizeipräsident auch in diesem Bereich eine spürbare Verbesserung. Laut Polizei gelang es den Ermittlern schon nach kurzer Zeit Haftbefehle gegen mehrfach auffällige Gewalttäter zu erwirken.

Positive Nachrichten gibt es im Bereich der Aufklärungsquote (Anstieg auf 57,1 Prozent), Wohnungseinbrüche (Rückgang in Karlsruhe um 29 Prozent) und Sexualdelikte. Sexualstraftaten haben entgegen der weitverbreiteteten Sorge der Bevölkerung nicht zugenommen. Sie fielen um 30 Fälle (von 546 auf 516 Fälle) - hinzu kommt eine hohe Aufklärungsquote zwischen 80 und 90 Prozent. In 3/4 der Fälle waren im Vorfeld Täter-Opfer-Beziehungen vorhanden - der Täter also kein Unbekannter.

Trotz des Anstiegs in Karlsruhe: "Insgesamt können sich die Ergebnisse wirklich sehen lassen", bilanziert Freisleben in Bezug auf das gesamte Einzugsgebiet des Präsidiums. "Wir haben bei anhaltend hoher Einsatzbelastung sehr viel Arbeit für die Sicherheit im Polizeipräsidium Karlsruhe geleistet und in vielfacher Weise stets frühzeitig auf Kriminalitätsentwicklungen reagiert."

Aktualisierung: Der Artikel wurde nachträglich geändert. Es handelt sich um einen Rückgang von 30 Fällen bei Sexualdelikten, nicht um 30 Prozent.

 

Die Kriminalitätsstatistik in der Kurzübersicht:

- Rückgang der Kriminalität in allen Landkreisen und in Pforzheim
- Enzkreis und Landkreis Calw jetzt sicherste Landkreise
- Pforzheim zweitsicherste kreisfreie Großstadt nach Heilbronn
- Rückgang beim schweren Diebstahl, beim Wohnungseinbruch um 16,2 Prozent
- Rückgang der Sexualstraftaten
- Rückgang bei Vermögens- und Fälschungsdelikten
- Rückgang der Einbruchskriminalität in Büro- und Geschäftsräume/Gaststätten

- Anstieg der Straftaten mit 1,8 Prozent  geringer als der Landestrend mit 3,8 Prozent
- Kriminalität in Karlsruhe um 8 Prozent gestiegen
- Anstieg der Rohheits- und Aggressionsdelikte; in KA einfache Eigentumskriminalität
- Betrugsfälle "Enkeltrick" von 29 auf 221 gestiegen, davon 208 Versuche
- Anstieg der Pkw-Aufbrüche um 9,9 Prozent
- Rauschgiftkriminalität mit 3.464 Fällen nahe am Zehnjahreshoch als Folge intensiver Ermittlungs-, Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen
- Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen von 37,6 auf 44,3 Prozent gestiegen
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