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Karlsruhe Piratenpartei Karlsruhe: Jörg Tauss streicht vorerst die Segel

Seit Tagen befindet sich die Piratenpartei in unruhigem Gewässer: Der ehemalige Karlsruher Pirat Jörg Tauss wollte wieder Parteimitglied werden. Viele Piraten waren dagegen. Denn Tauss war 2010 wegen Besitzes von Kinderpornos zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und daraufhin aus der Partei ausgetreten. Tauss erklärt nun: Vor 2014 werde er nicht mehr bei den Piraten anheuern. In der Partei engagieren will er sich aber trotzdem.

"Wenn überhaupt, werde ich erst 2014 wieder einen Mitgliedsantrag stellen", sagte Tauss auf ka-news-Nachfrage. Er nenne bewusst ein Datum nach der Bundestagswahl 2013. Damit wolle er Spekulationen innerhalb der Partei eine klare Absage erteilen, dass er an der Spitze der Piraten wieder in den Bundestag einziehen wolle, um es seinen ehemaligen Parteikollegen zu zeigen.

Hausverbot aufgehoben, Mitgliedsantrag passé

"Revanchegelüste gegenüber meinen ehemaligen Kollegen habe ich schon. Aber von Mandaten und Ämtern habe ich genug", so Tauss. Der 58-Jährige saß für die SPD viele Jahre im Bundestag, wechselte 2009 in die Piratenpartei und trat dort nach demKinderporno-Prozess 2010 wieder aus. Anfang Oktober überraschte er den Bundesvorstand der Piraten mit einem erneuten Mitgliedsantrag. Hintergrund war eine Auseinandersetzung um ein Hausverbot, dass die Berliner Bundesgeschäftsstelle der Piraten gegen ihn im dortigen Landtagswahlkampf ausgesprochen hatte.

Am Donnerstag wurde das Hausverbot aufgehoben. "Der 2. Vorsitzende der Piratenpartei Deutschlands, Bernd Schlömer, hat mir mitgeteilt, dass mein Hausverbot für die Bundesgeschäftsstelle der Partei aufgehoben und das unerquickliche Thema somit erledigt ist", schreibt Tauss am Donnerstag auf seiner Homepage. Damit sei für ihn die Sache erledigt, er werde auch seinen kürzlich gestellten Mitgliedsantrag zurückziehen, sagte er gegenüber ka-news.

Auch ohne Mitgliedschaft werde er sich weiterhin bei den Piraten engagieren, wenn dies gewollt sei, so Tauss. "Von meiner Seite wird es keinen Bruch mit der Partei geben. Sollte mein Rat gefragt sein, so stelle ich mich gerne zur Verfügung. Das gilt weiterhin."

"Jeder hat eine zweite Chane vedient"

Werden die Piraten in der Region dieses Angebot annehmen? "Ja", sagt Sven Krohlas, politischer Geschäftsführer des Landesverbands Baden-Württemberg aus Bretten, auf ka-news-Nachfrage. "Ich habe Jörg Tauss als sehr kompetent kennengelernt." Zum jetzigen Zeitpunkt sei der erneute Antrag auf Mitgliedschaft von Tauss zwar falsch gewesen. Aber am Ende seiner Bewährungsfrist sollte die Partei über eine erneute Mitgliedschaft Tauss' nachdenken. "Jeder hat eine zweite Chance verdient."

So könne sich Tauss gerne weiter bei den Piraten engagieren, findet Krohlas. Bei Piratentreffen beispielsweise in Bretten sei er ein gern gesehener Gast. "Die Piraten sind eine Mitmachpartei. Hier kann jeder mitmachen, auch ohne offizielle Parteimitgliedschaft."

Tauss war im Mai 2010 vom Landgericht Karlsruhe zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Auf seinem Computer wurde kinderpornografisches Material in insgesamt 102 Fällen gefunden. Der Vorsitzende Richter warf dem ehemaligen SPD-Politiker vor, das Material aus privatem Interesse beschafft zu haben. Tauss selbst hatte den Besitz der Kinderpornos nie bestritten und erklärt, das Material aus rein dienstlichem Interesse besessen zu haben. Seine Verteidiger hatten daher Freispruch gefordert.

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