Karlsruhe Patienten-Ansturm: Städtisches Klinikum erneuert Notfall-Versorgung

Das Städtische Klinikum in Karlsruhe stellt sich neu auf: Neben den umfangreichen Neubaumaßnahmen wird sich vor allem die Zentrale Notaufnahme grundlegend verändern. Am Mittwoch stellten die Verantwortlichen die neue Art der Notfallversorgung im Klinikum vor - und verrieten, was das künftig für die Patienten bedeutet.

Für die zentrale Notaufnahme (ZNA) am Städtischen Klinikum in Karlsruhe standen im vergangenen Jahr Veränderungen an: Im November wurde der Betrieb in der erweiterten Notaufnahme aufgenommen. Ein notwendiger Schritt, wie das Klinikum erklärte: Steigendes Patientenaufkommen und die Verlegung der Baumaßnahmen des Bettenhauses M machten die Erweiterung erforderlich. Kosten für die Erweiterung nach Norden und den Innenausbau: 350.000 Euro.

Über 40.000 Personen: Patientenzahl in der Notaufnahme explodiert

Allein durch die bauliche Erweiterung waren die Probleme, die aus dem steigenden Patientenaufkommen resultieren, aber nicht gelöst. Es sei ein deutschlandweiter Trend, dass immer mehr Patienten Bereitschaftspraxen oder Notfall-Angebote in Krankenhäusern nutzen würden- und das, obwohl es sich in 65 Prozent der Fälle gar nicht um Notfälle handle, erklärt Klinikumsgeschäftsführer und Notfallarzt Hans-Jürgen Hennes beim Pressetermin am Mittwochabend

"Als wir 1997 angefangen haben, zählten wir in der Notaufnahme jährlich noch 19.000 Patienten", bestätigt Harald Proske, der als Arzt am Klinikum arbeitet. In den letzten Jahren vervielfachte sich diese Zahl: 2009 suchten bereits 37.000 Patienten die ZNA am Städtischen Klinikum auf, aktuell liegt die Zahl bei 47.000 Patienten jährlich. Die Folge: Längere Wartezeiten für die Patienten und eine höhere Belastung für das Personal. "Derzeit behandeln wir in der ZNA 135 Patienten täglich, es kam aber auch schon zu Spitzen von 180 Patienten", beschreibt Proske, "die Belastung für den Einzelnen ist extrem hoch."

Ambulanter Notdienst soll Notaufnahme entlasten

Eine grundlegende Neustrukturierung der Notfallversorgung soll die Notaufnahme im Städtischen Klinikum nun entlasten. Die Idee: Künftig sollen Patienten, die lediglich einer ambulanten Behandlung bedürfen, schneller und gezielter weitergeleitet werden. Möglich macht das eine "zusätzliche Schiene in der Versorgung", erklärt Geschäftsführer Hennes.

Zentrale Notaufnahme

Für die Patienten bedeutet das konkret: Brauchen sie ärztliche Hilfe, finden sie diese nach wie vor in der ZNA. Pflegekräfte entscheiden an der Anmeldung über die Schwere der Verletzung. Bei leichten Verletzungen werden die Patienten an das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Städtischen Klinikum weitergeleitet. Dieses liegt "Tür an Tür mit der ZNA", erklärt Hennes, und wurde zum 1. Februar als "Hausärztliche Praxis/Notfallversorgung" etabliert. Dort kümmern sich seither zwei Ärzte um die Betreuung der ambulanten Patienten.

In der Zeit außerhalb der Öffnungszeiten des MVZ übernimmt die Bereitschaftspraxis der niedergelassenen Ärzte der Kassenärtzlichen Vereinigung (KV) die Behandlung leichter Verletzungen. Bislang konnten die Karlsruher die Bereitschaftspraxis in der Vincentius-Klinik finden, Ende Januar zogen die Ärzte allerdings ins Städtische Klinikum um. Die Verlegung des KV-Notdienstes von der Vincentius-Klinik in das Städtische Klinikum sei nur sinnvoll, so Hennes. "Es ergibt Sinn, wenn man den Standort im größten Krankenhaus der Stadt findet."

Notfallversorgung Karlsruhe

Die Verantwortlichen erhoffen sich vom neuen System - bestehend aus NZA, MV und KV-Bereitschaftspraxis - Vorteile für Ärzte und Patienten. "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dieser Lösung ein gutes Beispiel geben für andere Krankenhäuser", meint Geschäftsführer Hennes. Das Klinikum habe mit diesem bislang einzigartigen System eine Vorbildfunktion für Krankenhäuser in Deutschland. "Man schielt bereits mit mehr als einem Auge nach Karlsruhe", verrät Hennes. Eines, das betont Klinikum-Arzt Proske ganz deutlich, soll das neue Angebot allerdings nicht sein: ein Ersatz für den Hausarzt. "Es geht uns nicht darum eine Parallelstruktur aufzubauen", mahnt der Notfallarzt.

Die Öffnungszeiten im Überblick

Seit dem 3. November sind die neuen Räumlichkeiten der Zentralen Notaufnahme (NZA) in Betrieb. Zudem zog die Bereitschaftspraxis der Kassenärtzlichen Vereinigung (KV) im Februar ins Städtische Klinikum um. Die neue Strukturierung der Notfallversorgung beruht auf einer engen Zusammenarbeit der NZA und ambulanten Angeboten. Hier die Öffnungszeiten im Überblick:

Zentrale Notaufnahme: durchgehend geöffnet

Medizinisches Versorgungszentrum: Montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Am Mittwoch von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet, freitags von 8.30 bis 14 Uhr.

KV-Notfalldienst: Montags, dienstags, donnerstags jeweils von 19 bis 22 Uhr. Mittwoch immer von 13 bis 22 Uhr. Am Freitag immer von 16 bis 22 Uhr geöffnet. Samstag, Sonntag und an Feiertag offen von 8 bis 22 Uhr.

 

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