Karlsruhe Ecke links
Karlsruhe Ecke rechts
+15°/ +4°
02.08.2012 12:12
 
Schrift: 

Organspende? Ein Pro und Contra aus der ka-news-Redaktion [29]

Karlsruhe - Organspender oder nicht Organspender: Nicht erst seit dem Göttinger Organspende-Skandal stellen sich jeden Tag Menschen diese Frage und kommen dabei zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Auch in der ka-news-Redaktion gibt es verschiedene Ansichten. Ein sehr persönliches Pro und Contra zum Thema Organspende von Felix Neubüser und Moritz Damm.
/region/karlsruhe/Organspende-Ein-Pro-und-Contra-aus-der-ka-news-Redaktion;art6066,938153,B?bn=912089
Felix Neubüser und Moritz Damm
zum Bilddetail
Die ka-news-Redakteure Felix Neubüser (links) und Moritz Damm.
Foto: Stiebritz

Darum bin ich Organspender - von Felix Neubüser

Der Ausweis ist schon arg abgegriffen, weil ich ihn schon seit etlichen Jahren im Portemonnaie mit mir rumtrage. Schon seit über zehn Jahren bin ich Organspender. Daran hat auch der Skandal in der Göttinger und inzwischen auch Regensburger Klinik nichts geändert.

Die Entscheidung, das kleine Stück Papier auszudrucken und auszufüllen, habe ich damals ganz bewusst getroffen. Zum einen möchte ich keinem meiner Angehörigen zumuten, irgendwann in meinem Namen eine Entscheidung treffen zu müssen, die ich eigentlich nur selbst treffen kann. Zum anderen gefällt mir der Gedanke, als Organspender irgendwann postum einem oder vielleicht sogar mehreren Menschen das Leben zu retten oder wesentlich zu erleichtern. Andersrum könnte man auch sagen: Ich möchte nicht, dass womöglich jemand anders stirbt, nur weil ich meine Organe lieber verrotten lasse, statt sie diesem Menschen zur Verfügung zu stellen. Dass dieser jemand vielleicht nicht mit rechten Mitteln einen der oberen Plätze auf der Empfängerliste bekommen hat, ändert nichts an dieser grundsätzlich Situation.

Soweit die romantisch-selbstlose Begründung. Der Hauptgrund, warum ich mich entschieden habe, Organspender zu sein, ist nämlich egoistischer Natur. Ich möchte mein Gewissen beruhigen. Wenn ich irgendwann einmal selbst auf ein Spenderorgan und damit die Spendenbereitschaft eines anderen, mir unbekannten Menschen angewiesen bin, will ich mir von niemandem sagen lassen, von meinen Mitmenschen etwas zu erwarten, das ich selbst nicht zu tun bereit gewesen wäre - auch nicht von meinem eigenen Gewissen.

Darum bin ich kein Organspender - von Moritz Damm

Ich bin kein Organspender. Nicht, weil ich im Falle meines Todes nicht anderen helfen möchte. Nein, ich bin kein Organspender, weil ich dem derzeitigen System nicht vertraue. Der gerade öffentlich gewordene Organspenden-Skandal in den Uni-Kliniken in Göttingen und Regensburg macht das natürlich nicht besser.

Es mögen vielleicht ein paar wenige schwarze Schafe in der Medizin sein, die Organe illegal herumschieben. Doch wer garantiert mir, dass ich im Falle eines Falles nicht genau an so einen korrupten Arzt gerate? Über meinen Körper entscheiden dann nicht mehr meine Angehörigen, denen ich vertraue, sondern Mediziner, die womöglich durch Prämienzahlungen und damit verbundene wirtschaftliche Interessen geleitet werden.

Auch ob meine Organe letztlich wirklich Leben retten, ist dabei nicht klar. So können meine Körperteile auch zu Forschungszwecken in der Pharmaindustrie landen. Wer garantiert mir, dass beispielsweise mein Gewebe nicht für Forschungsprojekte in der Schönheitsindustrie benutzt wird? Hierfür möchte ich keinen Blanko-Scheck ausstellen.

Weitere Fragen, die mich beschäftigen: Ist mit dem Hirntod wirklich das Leben beendet? Auch hier gibt es unterschiedliche Experten-Meinungen. Wie hoch sind Fehldiagnosen? Spüre ich wirklich nichts mehr? Wie empfinden meine Angehörigen in einer solchen Situation? Wird für einen Menschen mit Spenderausweis im Notfall wirklich genauso viel getan, wie für einen ohne? Oder schielt der Arzt, der es auf Bonuszahlungen abgesehen hat oder irgendwelche Kontakte in dubiose Milieus unterhält, schon mit einem Auge auf eine mögliche Transplantation? Vielleicht handelt er auch nur aus medizinischem Übereifer? Rette ich mit meiner Spende wirklich Leben oder wird mein Körper aus wirtschaftlichen Interessen ausgeschlachtet?

Klar ist, wir brauchen Organspender. Es ist auch gut, dass es Menschen gibt, die sich bereits für die Spende entschieden haben. Doch für mich gibt es derzeit noch zu viele offene Fragen. Daher bin ich aktuell kein Organspender.

Sind Sie Organspender? Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie das als Kommentar unter den Artikel.

Lade Umfrage
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

Mehr zu: Ticker Meinung Organspende Spendenskandal Medizin Gesundheit



Kommentare [29]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 02.08.2012 12:22
    Herr Neubüser, ein sinnentstellender Fehler:
    "Daran hat auch der Skandal in der Göttinger und inzwischen auch Regensburger Klinik etwas geändert"

    Schnell korrigieren und meinen Kommentar löschen! grinsen
  • (584 Beiträge) | 02.08.2012 12:27
    Danke
    Danke für den Hinweis, ist korrigiert. Ihren Kommentar lasse ich aber trotzdem stehen. ich finde, man sollte zu seinen Fehlern stehen grinsen
  • (1349 Beiträge) | 02.08.2012 12:49
    Würde Herr Damm...
    ...eine für ihn lebensrettende Organtransplantation ablehnen?
  • (1018 Beiträge) | 02.08.2012 13:35
    das nun wieder
    würdest du herrn damm glauben schenken, wenn er es täte? dieses totschlagargument kommt postwendend. und die antwort wird niemals akzeptiert!
  • (3945 Beiträge) | 02.08.2012 13:51
    Eben....
    ....genauso ist es..... wie früher die Frage an einen Wehrdienstverweigerer ob er denn tatenlos zusehen wolle, wenn ein Russe seine Schwester/Mutter/Freundin vergewaltigt...es gibt Fragen, die sind definitv unzuläßig, vor allem dann, wenn es um eine reine Gewissensentscheidung geht.
  • (1608 Beiträge) | 02.08.2012 14:24
    Dieser Vergleich hinkt auf beiden Beinen
    Wer nicht selbst zu einer Organspende bereit ist, hat auch keinen Anspruch darauf.
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 02.08.2012 14:39
    Einen "Anspruch" auf eine Organspende
    gibt es grundsätzlich nicht! Für niemand!
  • (3945 Beiträge) | 02.08.2012 13:53
    Gerade bei so einem Thema:
    Herr Neubüser hat sich für die Organspende entschien, Herr Damm dagegen. Und beide Entscheidungen verdienen unsere Akzeptanz. Hier gibt es nämlich kein richtig und falsch.
  • (2894 Beiträge) | 02.08.2012 14:15
    Genau!
    Am meisten regt mich auf, wenn immer wieder versucht wird moralischen Druck auf Andersdenkende auszueben und das gilt leider nicht nur fuer dieses Thema.
    Aus allem und jedem wird eine Art Religion gemacht und wer nicht genau so denkt ist dann eben "boese".
  • (136 Beiträge) | 02.08.2012 14:18
    Traurig ist nur eines
    Dass gerade jetzt, wo sich so viele Menschen dazu durchgerungen haben, nach ihrem Tod zu spenden, es zu einem Organspendeskandal kommt. Jetzt darf sich jeder fürchten, zugunsten eines reichen Ausländers einfach mal früher abtreten zu müssen, damit die Ärzte noch dicken Reibach machen dürfen. Außerdem war das mit Sicherheit kein Einzelfall. Ich kenne die Hürden bei den Transplantationen aus der Praxis. Es gibt unfassbar viele Schranken, bevor es genehmigt wird. Da wird einiges an Schmiergeld an viele Leute geflossen sein.
  • (4065 Beiträge) | 02.08.2012 15:29
    Das ist
    nun völlig übertrieben:"Jetzt darf sich jeder fürchten, zugunsten eines reichen Ausländers einfach mal früher abtreten zu müssen"
    Bei diesem Skandal wurden die Empfänger auf dem Papier kränker gemacht als sie waren um auf der Warteliste weiter nach oben zu kommen.
    Die Spender mussten deswegen nicht früher oder unbehandelt sterben,ihre Organe bekamen nur nicht die Richtigen.
    Ich bleibe trotzdem Organspender,denn zu sagen,nach meinem Tod könnte wer "Falsches" etwas von mir bekommen und deswegen mache ich es nicht,halte ich für nicht sehr sinnvoll.

    Allerdings kann ich bei meinem Lebenswandel nicht garantieren,dass im Falle eines Falles meine Organe noch zu gebrauchen sind. zwinkern
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 02.08.2012 14:29
    Eine bewusste Entscheidung
    für oder gegen Organspende ist in jedem Fall zu respektieren, und zwar ohne Nachfrage. Ebenso ist zu respektieren, wenn jemand abwägt und sich nicht entscheiden kann.
    Was ich nicht akzeptiere ist, wenn sich jemand aus Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit nicht mit dem Thema befasst.
  • (1349 Beiträge) | 02.08.2012 14:39
    Wenn man eine Entscheidung nicht hinterfragen darf...
    ...warum werden dann hier zwei Kommentare zur Diskussion gestellt?

    Und warum ist meine Frage ein Totschlagargument? Ich habe eine Frage gestellt, keine Beurteilung abgegeben. "Das ist ein Totschlagargument" ist daher hier auch nur ein Totschlagargument. Ich denke es ist eine legitime Frage und ich erwarte weder eine schwarz/weiss Antwort noch habe ich dazu eine schwarz/weiss Meinung.

    Zum aktuellen Skandal: Es geht, wenn ich es richtig verstanden habe, dass Ärzte gegen Geld *Empfänger* in der Rangliste höher einstufen liessen, indem sie deren Gesundheitszustand schlechter darstellten als er in Wirklichkeit war. Es ging hier nirgendwo um *Spender*. M.W. darf niemand etwas daran verdienen, der für ein Spenderorgan sorgt. Jetzt kann man natürlich wieder mit Gesetz und Realität argumentieren, aber das kann ich bei jedem Sachverhalt und solange ich keine harten Beweise habe kann ich mich nicht einfach egoistisch verhalten nur weil ich das anderen ohne Beweis unterstelle
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 02.08.2012 14:51
    Hinterfragen darf man schon, es ist aber müßig.
    Eine Meinung zu einem bestimmten Thema hängt ja auch von der Situation des Einzelnen ab.
    Jeder hat das Recht seine Meinung auch zu ändern. Ich akzeptiere es auch, wenn jemand Zeit seines Lebens gegen Organspende ist, und sich dann, wenn er betroffen ist, umorientiert.
  • (1018 Beiträge) | 02.08.2012 14:50
    sorry, aber
    "Würde Herr Damm...
    ...eine für ihn lebensrettende Organtransplantation ablehnen? "
    das ist keine frage, das ist eine implizite verurteilung. die übrigens IMMER während dieser diskussion kommt.
    du tust genau das, was du den organspendegegnern indirekt vorwirfst: du kneifst, wenns ernst wird und willst dich rausreden.
  • (1018 Beiträge) | 02.08.2012 14:51
    ging an haku
    kommentarfunktion klemmte ...
  • (1349 Beiträge) | 02.08.2012 15:38
    Na wenn Du das so sicher weisst...
    ...dass das ne implizite Verurteilung ist, dann bin ich wohl explizit verurteilt und werde halt meine Organe schweigend spenden, übrigens auch gerne an Herrn Damm, egal ob er spenden will oder nicht.
  • (69 Beiträge) | 02.08.2012 18:16
    Tauschbörse? Spenden mit Gegenleistung? :-(
    Bis zu der vor ein paar Monaten neu angestoßenen Diskussion hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht, ob ich mir mit dem Ausweis moralisch das Recht auf eine Organspende erkaufe oder nicht.

    Was für ein abwegiger Gedanke, anderen das Recht auf eine Organspende zu- oder abzusprechen, je nachdem, ob sie selbst Spender sind oder nicht.

    Wenn ich zum Zeitpunkt meines Todes noch Organspenderin bin, dann ganz sicher und gerne für alle, auch für die, die sich nicht selbst nicht zu einer Spende entschließen können, denn das verstehe ich nur allzu gut. Die Entscheidung ist sehr schwer, Für und Wider halten sich nahezu die Waage, ich selbst schwanke auch hin und wieder und habe manchmal Angst bei dem Gedanken. Man muss das Recht und die Möglichkeit haben, die Entscheidung in jeder Sekunde zu ändern bzw. neu zu treffen.

    P.S.: Vielleicht - wenn ich in dem Moment meines Todes besonders gut drauf bin - würde sogar haku ein Organ bekommen, mal sehn, vielleicht das Herz zwinkern.
  • (1349 Beiträge) | 02.08.2012 18:31
    Wieso sogar?
    Habe ich irgendwas böses geschrieben?
  • (69 Beiträge) | 02.08.2012 19:17
    naja, ich bin halt lieber auf der Seite der Entrechteten
    ... und Sie scheinen ja ein Recht auf ein Organ zu haben, also brauche ich ihnen keines mehr zu spenden, ausser ich mag halt trotzdem spenden, oder?
    ;-)

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Titel:
Kommentar:

Kommentare
dürfen 1000 Zeichen lang sein.
Ihnen verbleiben Zeichen.
Für registrierte Nutzer
Für nicht registrierte Nutzer
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken
Benutzername  
Passwort  
     

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Medienhaus intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

Hinweis: Die Registrierung ist ohne Angabe des wahren Vor- und Zunamens nicht zulässig. Pro Mitglied ist nur ein Account zulässig.

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:
Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden:
Anrede:
Frau Herr  
Titel:
Vorname:
Nachname:
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:
Geburtstag:
 
 
Themenbereich HTML-
Newsletter
Nicht
abonnieren
ka-news.de-Newsletter: News aus Karlsruhe
KSC-Newsletter: Montagsausgabe
KSC-Newsletter: Freitagsausgabe
ka-news Newsletter: Baden-Baden und Rastatt
ka-news-Gewinnspiel-Newsletter
ka-news.de-Kultur-Newsletter
ka-news.de-Newsletter: Meistgelesene Nachrichten
ka-news-Tippspiel - Newsletter
 
 


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 
Anzeige
Anzeigen
V-Kalender
Noch nichts vor am Wochenende? Jetzt schnell und einfach planen mit dem neuen ka-news.de Veranstaltungskalender. Alle wichtigen Termine übersichtlich und geordnet! [Mehr..]
Anzeige