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Karlsruhe Obdachlose Frauen: Mehr als nur eine Randerscheinung in Karlsruhe

Sie werden oft übersehen, viele kleiden sich gut und achten sehr auf ihr Äußeres, sodass man ihnen die Obdachlosigkeit nicht ansieht. Doch die Anteil der Frauen bei den Obdachlosen in Karlsruhe ist in den letzten zwei Jahren gestiegen und deshalb ist der "Erfierungsschutz für Frauen" in der Fächerstadt entstanden. Eine Einrichtung in der Frauen unter sich sein können und die Gelegenheit zum Austausch finden.

Obdachlosigkeit in Großstädten ist ein großes Problem. Derzeit haben 511 Menschen in Karlsruhe kein Zuhause und sind deshalb vorübergehend in einem Obdachlosenheim untergebracht. Gerade obdachlose Frauen sind im Stadtbild fast unsichtbar, doch mit einem Anteil von rund 30 Prozent keine Randerscheinung. Bisher konnten die Frauen über das Regelangebot in den Notfalleinrichtungen versorgt werden, doch in den letzten zwei Jahren ist der Frauenanteil in Karlsruhe gestiegen.

Schutz vor der Kälte

Seit Jahren bietet das Hotel Anker, eine Einrichtung für wohnungslose Menschen der Awo Karlsruhe, einen "Erfrierungsschutz" für Männer an. Da die Frauen in den normalen Unterkünften versorgt werden konnten, war solch ein Angebot für Frauen nicht nötig. Seit 2014 wurde im Hotel Anker von Mitte Oktober bis Mitte April auch ein "Erfrierungsschutz" für Frauen eingerichtet. Im rund 40 Quadratmeter großen Raum erhalten bis zu acht Frauen zwischen 19 und 8 Uhr ein warmes Bett und eine Duschmöglichkeit. "Es gab auch Nächte in denen wir auch zusätzliche Feldbetten aufgestellt haben", sagt Jürgen Lampert, Leiter des Hotel Ankers.

Eine Einrichtung für Frauen ist notwendig

Frauen hätten Angst vor Übergriffen und möchten deshalb nicht mit fremden Männern in einer Einrichtung schlafen, so Lampert. Hier sind sie unter sich und haben auch die Möglichkeit sich gegenseitig auszutauschen. Mitarbeiterinnen der Awo Karlsruhe kümmern sich vor Ort um die weiblichen Gäste und auch die Frauenberatung Sozpädal ist regelmäßig vor Ort. "Primäres Ziel ist immer, die Bürgerinnen davon zu überzeugen, ein reguläres Wohnangebot zu nutzen und so den ersten Schritt in die Normalität zu wagen", sagt Sonja Rexhäuser, Mitarbeiterin des Sozpädal.

Man sieht Ihnen die schwere Situation oft nicht an

Auf den Straßen merkt man vielen Frauen die Obdachlosigkeit nicht an. "Viele schämen sich und achten sehr darauf gepflegt auszusehen, schminken sich und sind adrett gekleidet", erzählt der Leiter des Hotel Ankers. Gründe für die Obdachlosigkeit gibt es jedoch viele: Psychische Probleme, Suchtkrankheiten, Gewalt in der Partnerschaft und Verschuldungen sind nur einige Faktoren. Doch es kommt auch vor, dass die Angebote nicht genutzt werden. Oft spielt Scham oder auch die Angst vor der Stigmatisierung eine große Rolle.

Anonymität senkt die Hemmschwelle

Der "Erfrierungsschutz" wird auch deshalb gerne genutzt, weil die Gäste beim "einchecken" nichts von sich preisgeben müssen. Die Angabe des Namens oder des Geburtsdatums ist optional. So sinkt die Hemmschwelle, ein solches Angebot wahrzunehmen. Auch nächstes Jahr wird das Hotel Anker das Angebot für Frauen in den Wintermonaten anbieten.

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