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04.05.2009 03:00
 
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Nichtraucherschutzgesetz: Ist der Gastwirt allein der Dumme? [8]

Karlsruhe (ber) - Nach wie vor hat das Nichtraucherschutzgesetz in gewisser Form Bestand. Zwar darf nun in Einraumkneipen geraucht werden und auch Discotheken dürfen jetzt innerhalb der eigenen Räume Platz für einen Nichtraucherbereich schaffen. Und doch haben manche Gastwirte ihr Ziel nicht vollständig erreicht.

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(Bild: dpa)
Foto: dpa
Rauchen

Besonders die Speisegastronomen hätten weiterhin unter dem Nichtraucherschutzgesetz zu leiden, meint der Karlsruher Geschäftsführer des Gaststättenverbands "Dehoga" Hans-Christoph Bruß und bezeichnet diese Gruppe als die großen Verlierer. Einerseits dürfe in Einraumkneipen wieder geraucht werden, zumindest wenn diese nicht mehr als 75 Quadratmeter umfassen und unter 18 -Jährige ausgeschlossen werden, andererseits schränke das aber die Bewirtung mit Speisen ein. Nur noch kalte Speisen dürfen ab sofort in Raucherkneipen serviert werden. Für Einraumrestaurants ist also weiterhin das absolute Rauchverbot geboten. Nicht alle Restaurantbesitzer empfinden diese Entwicklung zu ihrem Nachteil.  Verlierer seien dagegen die, die ihre Einraumkneipen entsprechend der Gesetzgebung mit einer Trennwand versehen haben, meint zumindest Gökhan Dalkiran, Geschäftsführer der Cocktailbar "Maui". Zusätzlich verstimmt die neue Bußgeldverordnung die Gastwirte.

Bedauerlicherweise würden viele Restaurants seit dem Rauchverbot einen immensen Rückgang der Gäste verzeichnen, meint Bruß. Außerdem würden die Leute früher gehen. Auf das Essen warten, vielleicht ein Glas trinken, essen und dann sofort gehen - das sei nun der gegebene Ablauf. Schließlich müssten die Raucher nun nach dem Essen unverzüglich ihren Bedürfnissen nachgehen und wollen das nicht in der Kälte tun, vermutet er. Das werde sich nun auch nach der neuen Gesetzgebung vom 6. März nicht ändern. "Großes Wehklagen" käme da immernoch von Seiten der Restaurants. Insofern hätten sie "keinen großen Sieg errungen" als sie mit einer Klage vor das Bundesverfassungsgericht zogen.

Kneipen und Bars nach wie vor die wirklichen Verlierer?

Diese Meinung teilen aber nicht alle Speisegaststätten. "Die Gäste sehen es positiv, dass wir ein komplettes Nichtraucherrestaurant geworden sind", sagt dazu Constantin Behrendt, Lizenznehmer des "Wienerwalds" in Karlsruhe. Dass die Leute früher gehen begründet er mit dem Zeitmangel der Menschen. "Die Leute werden schnelllebiger", beobachtet er. Nur zu Anfang des Raucherverbots habe er mit Umsatzeinbußen leben müssen. Diese Umsatzeinbußen kann auch der Geschäftsführer der "Kippe" in Karlsruhe, Frank Scharderth, bestätigen. Er habe sich aber mit den Tatsachen abgefunden. Man könne schließlich nichts daran ändern. Nachteile im Nichtraucherschutzgesetz sieht auch Petra Fessler vom "Schmalztöpfle" in Palmbach nicht. "Die Raucher sind wesentlich toleranter als die Nichtraucher", meint sie. Den separaten Raucherbereich habe sie mangels Nutzung wieder abgeschafft.

Es scheint als seien doch die Kneipen und Bars die Betroffenen des Rauchverbots. Zwar ist Bruß der Meinung, dass ein Umbau der Einraumkneipen nicht unbedingt ein Verlust gewesen sein muss. Betroffene Kneipen "können jetzt beide Gruppen befriedigen", meint er. Der Meinung ist Dalkiran Mauiinhaber Dalkiran jedoch nicht unbedingt. Er selbst habe seine Einraumkneipe in einen Nichtraucher- und einen Raucherbereich unterteilt, sehe diese Investition aber nach der neuen Gesetzgebung als Verschwendung an. Schließlich seien die Mehrheit der Besucher Raucher. Dem stimmt Bruß wiederrum zu: "Die Raucher sind die ausgehfreudigeren Menschen". Eine Trennwand hat auch "Ubu"-Besitzer Helmut Reiner installieren lassen und sich damit in finanzielle Unkosten gestürzt. Immerhin sei die Trennwand aber nach wie vor notwendig, meint er. Schließlich sei das "Ubu" mit 200 Quadratmeter größer als die nun vorgeschriebenen 75 Quadratmeter.

Das Bußgeld wird als Gemeinheit empfunden

Dabei gebe es aber auch Ausnahmekneipen, die weniger betroffen seien - vor allem die, die auf eine solche Trennwand verzichtet haben. Ein besonderes Ärgernis sei das Verhalten mancher Kneipenbesitzer, gibt Dalkiran an. "Es gibt viele, die sich nicht daran gehalten haben", kritisiert er. Solange es diese Gruppierung gab, habe man keine Chance gehabt. Chancengleichheit fordert auch "Ubu" -Besitzer Helmut Reiner. Er findet es nicht richtig, dass kleinere Kneipen unter 75 Quadratmeter jetzt wieder das Rauchen erlauben dürften. Das "Ubu" selbst sei ja zu groß. Besonders zu Anfang des Rauchverbots seien die Auswirkungen aber schlimmer gewesen, darüber sind sich Reiner und Dalkiran einig. Vor allem bevor Dalkiran die Trennwand hat installieren lassen und komplettes Rauchverbot geherrscht hat, sei dies der Fall gewesen. "Viele dachten sogar, wir hätten geschlossen", bedauert er. "Die Kunden, die damit weg sind, bleiben weg", empfindet Reiner den Verlust der Kunden nach. Aber immerhin kämen dafür so langsam die Nichtraucher.

Letztendlich sei aber auch das nun festgelegte Bußgeld von bis zu 2.500 Euro ein großes Ärgernis, meint Bruß. Dieses muss nämlich der Gastgeber, im Falle eines Verstoßes durch einen Gast, zahlen."Es kann nicht sein, dass der Gastwirt der alleinige Dumme ist", kritisiert Bruß. Das Bußgeld sei eine unglaubliche Ungleichbehandlung. Schließlich müsse ein Direktor auch keine Strafe zahlen, wenn ein Schüler an der Schule unerlaubt raucht, obwohl es dort um einiges nötiger wäre. In diesem Fall herrscht Einigkeit unter den Wirten. Sowohl "Kippe" - Geschäftsführer als auch Behrendt vom "Wienerwald" empfindet die neue Regelung als ungerecht. "Wenn ich das Bußgeld zahlen müsste, würde ich mich ohne Ende darüber aufregen", gesteht Behrendt.

Insgesamt lässt sich beobachten, dass die Meinungen über das alte und das neue Nichtraucherschutzgesetz sehr weit auseinander gehen. Fast sieht es so aus, als seien die Nichtraucher auf dem Vormarsch.

Mehr zu: Rauchverbot Nichtraucherschutzgesetz Einraumkneipen

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Kommentare [8]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (192 Beiträge) | 04.05.2009 11:52
    Ka-News = Raucherlobby?
    Alle paar Wochen gibt es hier einen Artikel gegen die Nichtrauchergesetzgebung.
    Weshalb fühlt sich KA-News der Raucher-Lobby verpflichtet?
  • (2844 Beiträge) | 04.05.2009 11:59
    Warum
    soll nicht darüber berichtet werden,das beschäftigt die Leute.
    Oder der Nichtraucherlobby zuliebe alles verschweigen?
  • (192 Beiträge) | 04.05.2009 12:10
    Nichtraucherlobby?
    Welche Nichtraucherrlobby? Was meinst Du damit?

    Nichtraucher beschäftigt es auch, daß wieder mehr geraucht werden darf. Darüber wird aber nicht geschrieben.

    Auch eine weitere Verbesserung des Nichtraucherschutzes wird nicht von KA-News behandelt.

    Stattdessen wird im aktuellen Artikel reflektionslos zitiert, Raucher seien toleranter. In meinen fast 50 Jahren habe ich noch keinen einzigen toleranten Süchtigen erlebt.
  • (1 Beiträge) | 04.05.2009 12:28
    KA-News...
    Ja, den Eindruck habe ich auch, daß Ka-News deutlich in Richtung Pro Raucher tendiert und die Meldungen nicht wirklich unabhängig sind.
    Noch ein Wort allgemein: Erst jammert der DEHOGA über das ach so schlimme Rauchverbot, jetzt wird gejammert, daß manche Wirte benachteiligt sind.
    Anstatt sich für ein vollständiges und damit für alle faires Rauchverbot einzusetzen, wird jetzt über die Ausnahmen gejammert, hätte man mal vorher weiter gedacht und die Wirte nicht in sinnlose Investitionen mit Raucherräumen getrieben. In 1-2 Jahren wird ein EU-weites absolutes Rauchverbot sowieso kommen...einfach mal über den 1 Monatshorizont denken...

    Die Kneipen und Restaurants, die den Quatsch mit dem Raucherraum nicht gemacht haben, sondern sich für ein rauchfreies Lokal entschieden haben, sind brechend voll...und das ist nicht nur meine Erfahrung. Die Aussage: "Bedauerlicherweise würden viele Restaurants seit dem Rauchverbot einen immensen Rückgang der Gäste verzeichnen, meint Bruß." ist Nonsens
  • (1 Beiträge) | 04.05.2009 16:04
    Die Ausnahmen
    sind das Problem. Gäbe es sie nicht, bestünde auch keine Ungleichbehandlung. Aber ein Gesetz ohne unzählige Einschränkungen ist in Deutschland nicht möglich.
    Ich persönlich kann den Aussagen in dem Artikel eher widersprechen. ich gehe lieber in die rauchfreien Speisegaststätten, ich bleibe länger sitzen, da ich länger Luft habe, ich meide Räucherbuden, nach deren Besuch man erst einmal duschen und die Kleidung im Freien entsorgen muss. Ich bin ganz froh, dass sich da was geändert hat.
  • (7135 Beiträge) | 04.05.2009 17:07
    @aduka
    Eine "Räucherbude" erkennt man schon beim Eintreten, oder etwa nicht? Also warum gehst du dann rein? das du was zu Melden hast?
  • (7135 Beiträge) | 04.05.2009 17:08
    Korrektur
  • (745 Beiträge) | 04.05.2009 19:39
    Die Wirte klagen über Einbußen?
    Das interessiert doch die Regierung so wenig wie eine 3 monatige Sperre eines ALG II Empfängers.

    Was isst der eigentlich in den drei Monaten, frage ich mich schon immer.

    Mit den Nichtraucherkneipen habe ich kein Problem, ich geh da einfach nicht rein. Noch immer nicht und so bleibt es auch.
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