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29.01.2005 12:00
 
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Neue Seelen per Radio gewinnen - Karlsruher in Nicaragua [0]

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Von hier aus 80 Kilometer in alle Richtungen: „Radio Impacto de Dios“ (Foto: Sebastian Erb)
Emilio Oporta will mit seinem Radio nur eines: Das Wort Gottes verkünden. Gesendet wird zwar nicht aus dem Wohnzimmer, aber aus einem Zimmer gleich daneben. Der Sendemast steht im Garten.
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.

Der Eingang des Hauses liegt direkt an einer der beiden Hauptstraßen Bilwis. Hinter einem Metallgitter rosten ein paar Metallstühle vor sich hin, daneben warten bunte Kuscheltiere in einem Laufstall auf Beschäftigung. Gleich neben der schmalen Haustür arbeitet eine Frau an der Nähmaschine. Geradeaus geht es Richtung Küche, nach rechts geht es ins Studio. Ein kleiner hoher Raum, für eine Ecke hat die Farbe nicht mehr gereicht. Hinter einer Glasscheibe bedient ein junger Mann das Mischpult. Ein Mann mit gestutztem Vollbart brüllt regelrecht ins Mikrofon, als müsse er die Leute ohne Verstärkung erreichen. Der oberste Hemdenknopf ist offen, am Handgelenk funkelt eine goldene Uhr. Seit Name ist Emilio Oporta und er besitzt das "Radio Impacto de Dios", eine von acht Radiostationen der Stadt.

Radiogründer Ortoga: „Ich bin ein Missionar“ (Foto: Sebastian Erb)
Der Mann hat eine Vision. Und es ist nicht das erste Mal, dass er darüber spricht. Seine Sätze klingen gut einstudiert. "Ich will neue Seelen für Christus gewinnen." Er, ein Missionar? Natürlich. Er lächelt. Er schweigt. Was soll er da mehr erklären? Um seine Mission zu beschreiben, braucht er nicht mehr Worte. Mit seinem Sender trifft er auf viele Leute, die geradezu gierig sind nach allem, was mit "Gott" zu tun hat.

Finanzierung ist "ein Werk Gottes"

Vor kurzem noch war alles ein bisschen anders. Oporto ist 48 Jahre alt, hat neun Kinder, 4 Enkel und ein gut laufendes Geschäft. 18 Jahre lang hat seine Familie mit bis zu vier Taxen ihren Lebensunterhalt verdient. Dann die Entscheidung, alles aufzugeben, "den Weg Gottes zu suchen". Ein wenig Radio gemacht hat er vorher schon im Rahmen kirchlicher Arbeit. Jetzt aber der eigene Sender. Oporta macht eine längere Pause. "Ich bin sehr glücklich."

Radio-Team: „Ein Projekt für die Ewigkeit“ (Foto: Sebastian Erb)
Seit knapp 10 Monaten ist das Radio zu empfangen, in einem Umkreis von 80 Kilometern. Geld verdienen lässt sich damit freilich nicht. Im Gegenteil, das Projekt verschlingt einiges. Aber der kleine Mann mit der kräftigen Stimme redet nicht gern über Zahlen. 10.000 Dollar hätten die technischen Investitionen gekostet, pro Jahr seien weitere 8.000 bis 9.000 Dollar von Nöten. Geld, das durch Werbung, kostenpflichtige Programmplätze für Kirchen und vor allem durch die Hilfe von Freunden und Verwandten zusammen kommt. All das sagt er beinahe beiläufig. Oporta bezeichnet die Finanzierung lieber als "ein Werk Gottes". Er und seine Familie halten sich mit verschiedenen kleinen Arbeiten über Wasser.

Lieber als über Geld redet er über den Sendeinhalt. Dieser sei "christlich", sagt er. Das Wort Gottes predigen, auch die Menschen in den Dörfern mit der frohen Botschaft erreichen. Er selbst ist Mitglied der Pfingstkirche "Iglesia de Dios", aber das Radio sei unabhängig und für alle da. Deshalb gebe es auch ein Programm in den jeweiligen Sprachen der verschiedenen ethnischen Gruppen. Weiter gibt es auch Sendungen über Umweltthemen oder Vermittlung der traditionellen Kultur, beispielsweise in Form von Kochrezepten. Und vor allem viel Musik. Angeblich liegt der Wortanteil zwar bei 50 Prozent, aber die Musik nimmt in Wahrheit einen wohl höheren Anteil an. Wortbeiträge sind aufwändig, dafür braucht es Personal. Sechs Mitarbeiter helfen für wenig Geld mit.

Nachrichten mit Spontanübersetzung

Einer von ihnen ist der 20-jährige Kent Urbina. Er trägt kurze Jeans, schwarze Turnschuhe, in der Gürteltasche ein Handy. Mit einem Stapel Blättern kommt er zur Tür herein. Lokale Nachrichten und Ausdrucke von Artikeln einer nationalen Tageszeitung. Ein Übereinkommen mit dieser gibt es nicht, trotzdem halten diese als einzige überregionale Nachrichtenquelle her. Kent ist spät dran, also beginnen sie gleich mit der Sendung. Teile der Artikel und Meldungen finden ihren Weg so zu den Zuhörern. Einen zusätzlichen Service gibt es: Spontanübersetzung ins Miskito.

Kent Urbina arbeitet für ein bisschen Geld mit (Foto: Sebastian Erb)
Natürlich müsse das Nachrichtenprogramm verbessert werden, gibt Oporta zu. Mehr Nachrichten, vor allem auch internationale hätte er gern. Überhaupt, Ideen hat er genug. Verstärkung der Sendeleistung und damit ein größeres Verbreitungsgebiet, ein Webauftritt, ein eigener lokaler Fernsehkanal bis 2010. Und irgendwann soll dann auch der Sprung über Staatsgrenzen gelingen.

Was auch immer kommen möge, eines sei klar, sagt der selbsternannte Radiomissionar: "Mit dem Radio muss es weiter gehen". Immer weiter, ein Projekt für immer, für die Ewigkeit. Irgendwer werde sein Lebenswerk schon weiter führen, wenn er eines Tages nicht mehr kann, da ist er sich sicher. Sein 12-jähriger Sohn hat die letzten Worte aufgeschnappt und mit einem strahlenden Gesicht schaltet er sich ins Gespräch ein. Er sagt nur ein Wort, aber dieses eine Wort muss wie Musik in des Vaters Ohren klingen. "Ich."

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