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Nazi-Aufmärsche: Das Problem trägt nicht immer Bomberjacke

In der Nacht zum ersten Mai sind in Donaueschingen 50 bis 100 Rechtsextreme mit Fackeln und weißen Masken aufmarschiert - eine vergleichsweise kleine Demo, die auch schnell von der Polizei aufgelöst wurde. Dennoch sollten gerade solche Aktionen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die neue Rechte trägt nicht mehr undbedingt Bomberjacke und Springerstiefel - und genau das ist das Problem.

Glatze, Bomberjacke und plumpe Parolen - so das Bild, das viele vor Augen haben, wenn sie an rechtsradikale Aufmärsche denken. Ganz falsch ist es nicht, aber eben auch längst nicht mehr vollständig. Denn die eigentliche Gefahr lauert ganz woanders: nämlich in Aktionen wie der, die in der Nacht zum 1. Mai in Donaueschingen, im Oktober in Karlsbad-Langensteinbach und im Februar beim Fastnachtsumzug in Eggenstein stattgefunden haben.

Statt auf platte Parolen setzt die neue Rechte auf eine Sprache, die an Flahmob-Bewegung oder sogar an Aktionen der Occupy-Bewegung erinnert. Statt die Aktionen groß im Vorfeld anzukündigen, organisiert man sich kurzfristig per Mobiltelefon und Internetforum. Praktischer Nebeneffekt: Man vermeidet Gegendemonstrationen.

Online gibt es außerdem gleich Tipps, wie man zu reagieren hat, sollte man doch von der Polizei erwischt werden, was bei einer Hausdurchsuchung zu beachten ist, und mit welchen Autokennzeichen die Kripo auf Aufklärungstour geht. Selbst Schulhof-CDs mit entsprechend gefärbtem Liedgut gibt es zum Runterladen und Selberbrennen im Web - übrigens auch von Gruppen aus der Region.

Ganz bewusst sucht die neue Rechte hier den Weg in die Mitte der Gesellschaft und ist oft auch erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Genau das ist allerdings das Problem: Die Ideologie dahinter ist nämlich immer noch dieselbe.

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