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Karlsruhe/Waghäusel Mullbinde auf eigene Rechnung: DRK-Ortsvereinen fehlt Geld

Sie retten Leben, versorgen Verletzte und sind rund um die Uhr bereit: Fast 3.500 Frewillige engagieren sich in Karlsruhe und der Region ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Doch die Arbeit ist für die Freiwilligen nicht immer leicht: Die Mitgliedszahlen gehen zurück und die Gelder werden knapper. Oftmals müssen Einsatzfahrten oder sogar Material aus der eigenen Tasche finanziert werden.

"2011 habe ich zirka 1.000 Euro aus eigener Tasche für Sprit und Materialien investiert", berichtet Daniel Schneider vom DRK Ortsverband Waghäusel im Gespräch mit ka-news. Spritkosten zahle im 32 Personen starken Ortsverband Waghäusel jeder selbst und auch Kosten für Binden, Kühlakkus, Akkus für Defibrillatoren und andere medizinische Geräte würden nicht selten selbst finanziert, so Schneider weiter.

DRK Waghäusel: "Treffen bei der Verwaltung auf taube Ohren"

"So geht es fast allen Kreisverbänden des DRK. Viele müssen die Kosten selbst tragen", meint Schneider, der seit 1996 aktiv beim DRK ist. Das bestätigt im Gespräch mit ka-news auch Jürgen Schlindwein, der Leiter der DRK-Leitstelle für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Vor allem in ländlichen Gebieten mit entsprechenden Strukturen "grabschen die Vereine für die Notfallhilfe alles Geld zusammen, was vorhanden ist", so Schlindwein.

Der Kreisverband des DRK Karlsruhe leitet jeden Monat einen festen Prozentsatz an Spendengeldern an die fast 100 Ortsverbände in Karlsruhe und der Region weiter, wie Kreisverbandsvorsitzender Kurt Bickel erklärt. "Die Verantwortung wird an die Ortsverbände, die rechtsfähigen Vereine, delegiert. Diese können sich dann selbst verwalten", so Bickel gegenüber ka-news. Doch dieses Geld und die Mitgliedsbeiträge der Ortsvereine reichen oftmals nicht aus. Schneider sieht deshalb eher Handlungsbedarf bei der Stadt Waghäusel.

"Bei der Stadtverwaltung stoßen wir leider auf taube Ohren, was materielle oder ideele Unterstützung betrifft." Eine dringend benötigte Garage, ein vernünftiges Lager und ein Schulungsraum seien zwingend notwendig. Bisher habe man aber in zahlreichen Gesprächen mit der Stadt nichts erreicht. "Das Geld des Kreisverbands fließt leider fast ins Leere. Bei Autos, die im Freien stehen, kommen höhere Betriebskosten hinzu und das Material in den Einsatzwägen geht schneller kaputt." Letztlich bleibe nichts anderes übrig, als Kosten selbst zu tragen, um die wichtige und gern gesehene Arbeit des DRK zu leisten.

Die Stadt Waghäusel bekräftigt ihrerseits, dass sie alles mache, um den Freiwilligen unter die Arme zu greifen. "2007 gab es einen Antrag auf Räumlichkeiten des Ortsverbandes Waghäusel", bekräftigt Thomas Deuscher, Erster Beigeordnerter Waghäusels. "Danach gab es auch ein Angebot der Stadt, welches vom DRK aber bisher nicht angenommen wurde." Schlindwein kann das bestätigen, jedoch bringe dem DRK ein Gelände ohne Gebäude nichts, da die entsprechenden Rücklagen fehlten. "Wir haben kein geeignetes Gebäude im Bestand und dem DRK etwas hinzubauen, geht über die Finanzen der Stadt hinaus", bedauert Deuschler. Immerhin habe man den Ehrenamtlichen zwei Räume, einen Aufenthalts- und einen Lagerraum, in der örtlichen Realschule bereitstellen können.

Für das DRK begeistern: Neue Mitglieder gesucht

Auch an Firmen in und um Waghäusel appelliert Schneider. Oft seien die 12 Mitglieder, die aktiv im Einsatz sind in Waghäusel, bei Betriebsunfällen schnell und zuverlässig vor Ort - meist noch vor dem Rettungswagen. Die Freiwilligen des jüngsten DRK-Ortsvereins erhoffen sich im Gegenzug Spenden der Firmen, sei es finanzieller Art oder durch materielle Unterstützung. "1.000 Euro pro Jahr sind keine kleine Summe, und dafür opfern wir alle unsere Freizeit." Inzwischen sei man soweit, sich die Selbstkosten der Materialien von den Veranstaltern erstatten zu lassen, vor allem bei sehr kurzfristigen Einsätzen. Im letzten Jahr wurden zwischen 180 und 200 Einsätze gefahren, so Schneider, ingesamt um die 350 seien eingangen. Alle zu fahren sei unmöglich, denn neben der ehreamtlichen Tätigkeit stehe natürlich auch der Beruf im Vordergrund.

Auch Kurt Bickel und Juliane Freiesleben, Sprecherin des DRK Kreisverbandes, sehen die finanzielle Problematik. In der heutigen Zeit sei es immer schwieriger neue Mitglieder zu gewinnen. Das wirke sich freilich auf die finanzielle Situation aus, so Bickel. "Ehrenamt ist nunmal auch ein Drauflagegeschäft", bedauert der Kreisverbandsvorsitzende. "Die Spender sind oft Menschen, die noch den Krieg mitbekommen haben und um die Wichtigkeit der Arbeit der Freiwilligen wissen", sagt Freiesleben im Gespräch mit ka-news. Ziel müsse es nun sein, neue Mitglieder und Spender zu begeistern. Denn in einem sind sich Schneider, Bickel und Freiesleben sicher: Die Arbeit der Ehrenamtlichen beim DRK ist wichtig und kann Leben retten.

Zu den 3.349 Freiwilligen im Kreisverband der DRK Karlsruhe gesellen sich noch etwa 1.200 Mitglieder des Jugendrotkreuzes, 100 Schulsanitäter sowie 240 hauptberufliche Mitarbeiter des DRK. Mit seinen fast 100 Ortsverbänden ist der Karlsruher Kreisverband des DRK der größte Kreisverband in Baden-Württemberg und bundesweit einer der größten.

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