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12.01.2016 14:38
 
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Mordprozess in Karlsruhe: Anklage vermutet Familiendrama [0]

Am Dienstag, 12. Januar, hat vor dem Landgericht Karlsruhe der Mordprozess gegen den Ehemann begonnen.
Bild:Kollage dpa/pol

Karlsruhe (Ramona Holdenried) - Großer Andrang im Schwurgerichtssaal: Vor dem Landgericht Karlsruhe hat am Dienstag der spektakuläre Mordprozess um die verschwundene Vietnamesin aus Durlach-Aue begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ehemann der seit über einem Jahr Vermissten heimtückischen Mord vor. Sie muss sich allerdings auf Indizien stützen - und bereits in der ersten Verhandlung wirft die Verteidigung hier Fragen auf.
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Über 130 Seiten Anklageschrift, 50 Zeugen und 15 Verhandlungstage: Vor dem Karlsruher Landgericht hat am Dienstagvormittag ein spektakulärer Indizienprozess begonnen. Verhandelt wird der Fall der Vietnamesin Thi Thanh Thoa Le aus Durlach-Aue, die seit über einem Jahr spurlos verschwunden ist. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 34-Jährige vom eigenen Ehemann ermordet wurde - und das, obwohl bislang keine Leiche gefunden wurde. "Einen Mordprozess ohne Leiche hatte ich bisher noch nicht", kommentiert der Verteidiger des beschuldigten Ehemanns, "es ist auch die längste Anklage, die ich bisher bearbeiten musste."

Geldprobleme, Eifersucht und die drohende Scheidung

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 45-jährige Ehemann seine Frau in der Nacht vom 23. auf den 24 Juli "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" tötete. Geldprobleme, Seitensprünge der 34-jährigen Mutter und die drohende Scheidung hätten bei dem Ehepaar über Jahre hinweg immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt. Als er seine Frau kontrolliert und sie dabei zusammen mit einem anderen Mann am Kronenplatz gesehen haben soll, soll sich der Angeklagte endgültig zur Tötung seiner Partnerin entschlossen haben.

Der Mord an der zweifachen Mutter habe dabei so aussehen sollen, als hätte sie die Familie freiwillig verlassen, so der Staatsanwalt. "Den Kinder erzählte er, die Geschädigte hätte die Familie verlassen", erklärt der Oberstaatsanwalt, "erst auf Drängen ihrer besten Freundin meldete er seine Frau am 25. Juli als vermisst." Wie genau der 45-Jährige seine Ehefrau getötet haben soll, kann die Anklage auch beim Prozessauftakt nicht mit Gewissheit sagen. "Er tötete sie auf eine unbekannte, aber unblutige Weise", so der Oberstaatsanwalt. Im Anschluss habe der Ehemann die Leiche mithilfe eines Stoffkoffers zunächst im Kofferraum des Familienautos verstaut und den Körper anschließend an einer bislang noch unbekannten Stelle versteckt.

Die Polizei hatte mehrfach und intensiv nach der 34-Jährigen gesucht - jedoch ohne Erfolg. Weder in einem abgelegenen Waldstück "Im Brühl" nahe der A5 bei Hagsfeld, noch im Grötzinger Feld konnte die über 200 Mann starke "Soko Aue" einen Hinweis auf den Verbleib der verschwundenen Mutter entdecken. Einsätze von Polizeitauchern im Grötzinger Baggersee im September 2014 und einem Bundeswehr-Jet bleiben ebenso erfolglos. Auch im Heimatland der Vermissten gab es keine Hinweise auf ihren Verbleib.

Verteidigung legt Widerspruch gegen Aussagen ein

Der Ehemann der Vermissten schweigt bei Prozessauftakt. Über seinen Pflichtverteidiger lässt er verlesen, dass er die ihm vorgeworfene Tat bestreite. Sein Mandant sei unschuldig, wolle aber ansonsten keine weiteren Angaben machen, so der Verteidiger. Warum er sich nicht äußern wolle? "Es ist das gute Recht des Angeklagten zu schweigen", erklärt der Verteidigung gegenüber Medienvertretern.

Einen "wichtigen Pfeiler" der Anklage sieht der Verteidiger nach eigener Aussage allerdings bereits beim ersten Verhandlungstag im Schwanken: die Aussage seines Mandanten. Vor Gericht legt er Widerspruch dagegen ein, dass die Vernehmung des Angeklagten als Beweismittel zugelassen wird. Der Grund: Der Verteidiger wirft den Ermittlern vor, seinen Mandanten nicht ausreichend belehrt zu haben.

Die Polizei habe ihn zweimal vernommen, einmal als Zeugen und einmal als Beschuldigten. "Bei der ersten Vernehmung als Beschuldigten hätte man ihn darauf hinweisen müssen, dass die beiden vorherigen Zeugenaussagen nur mit Einverständnis des Angeklagten hätten verwertet werden dürfen", so die Erklärung vonseiten der Verteidigung. Dies sei allerdings nicht geschehen. Auch die Belehrung durch eine Ermittlungsrichterin vor dem Karlsruher Amtsgericht hält die Verteidigung für fehlerhaft. Die Entscheidung, ob die Zeugenaussagen des Angeklagten vor Gericht als Beweis zugelassen werden, müssen nun die vorsitzenden Richter treffen. Das Urteil wird am 18. März erwartet.

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