Man findet sie rund um den Park: Männer, die nichts zu tun haben, alle Weißen als US-Amerikaner anreden und Geld wollen. Das sind die einen. Die anderen möchten wirklich ein bisschen mehr über Deutschland erfahren.
Eines haben jedoch fast alle Leute in der Stadt gemeinsam: sie tragen teils sehr kuriose T-Shirts.
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.
Es dauert meist nicht lange, als weißer Ausländer falle ich auf. Wenn ich im Zentrum unterwegs bin, spricht mich fast immer jemand an. Oft in einem Englisch, das ich nur mit Mühe als ein solches identifizieren kann. Da kommt gleich neben dem Park ein Mann auf mich zu, er macht keinen allzu vertrauenerweckenden Eindruck. Streckt mir seine knochige Hand entgegen: "Hello, my friend!"
 | | Bunte Kleidung: Von Sport bis Werbung ist alles vertreten (Foto: Sebastian Erb) |
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Er stellt irgendwelche Fragen, auf die er keine Antwort zu erwarten scheint und will auch gar nicht aus seinem Konzept gebracht werden. Wie, aus Deutschland? "Gringos", Ausländer, das sind Amerikaner aus den USA, daran besteht kein Zweifel. Ziemlich bald dann der Satz, auf den es wohl ankommt: "Give me Peso". Er will Geld und der reiche Ausländer soll ihm jetzt gefälligst welches geben. Schnell kommt da Aggressivität ins Spiel.
"Willkommen in Puerto"
Leute wie dieser Mann gehören zu den Verlierern in einer Stadt, in der die Arbeitslosigkeit offiziell bei 90 Prozent liegt und Abhängigkeit von Alkohol und harte Drogen nicht nur in Einzelfällen vorkommt. Viele aber, die mich auf der Straße ansprechen, sind freundlich. Sie heißen mich in der Stadt willkommen und freuen sich, dass jemand aus dem fernen Ausland hierher kommt und helfen will.
Manche haben einen ganz persönlichen Bezug zu Deutschland. Sie tragen ein "Muller" oder "Schulz" in ihrem Namen und wissen, dass ihre Vorfahren einst aus Europa kamen, aus Deutschland. Es waren Händler, Geschäftsleute und Goldgräber, die um die Wende zum 20. Jahrhundert sich hier niederließen.
Die ganze Welt in Bilwi
 | | Hier gibt es die Welt auf T-Shirts zu kaufen (Foto: Sebastian Erb) |
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So komme ich mit Leuten ins Gespräch und unterhalte mich ein wenig über Deutschland. Erzähle, dass es keine Mauer mehr gibt und auch in Deutschland Fernsehen und Autos zum Alltag gehören. Das, was man abstrakt mit "Völkerverständigung" beschreiben kann, wird bei solchen Gesprächen eine Spur konkreter.
Nun aber zu dem, was viele Menschen hier verbindet. Es fällt auf und macht die Stadt bunt. Die Leute tragen T-Shirts, die mit ihren Aufdrucken wie Eindringlinge in eine fremde Welt wirken. Wo kommen die alle her? Eine Antwort bietet der Markt. Dort werden sie verkauft, die Kleidungsstücke, als Second-hand-Ware aus dem Ausland.
Ob die Sportclubs auf den T-Shirts existieren oder nicht. Ob Original-Fan-Bekleidung (die Ausnahme) oder billige Nachahmungen (die Regel). Die Palette deckt wohl den gesamten US-Sportbereich ab. Aber mehr als das. Dazu kommen variantenreiche Werbe-T-Shirts, von einer nationalen Fluglinie bis hin zu einem großen amerikanischen Taschenrechnerhersteller reicht die das Angebot. T-Shirts von Hilfsorganisationen, Veranstaltungen und einer deutschen Partei ("Grün wirkt") habe ich auch schon im Kleidungsdickicht erspäht.
Osama auf dem T-Shirt
 | | Ein T-Shirt von hier: Wahlkampf für eine Indianer-Partei (Foto: Sebastian Erb) |
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Und wenn ein Mann ein T-Shirt trägt, auf dem steht, wie toll Italien doch sei, war er wahrscheinlich nicht selbst dort. Sondern ergatterte es wohl eher auch irgendwo da, wo es die Welt auf T-Shirts gibt. Auf dem Markt In Bilwi.
Wirklich seltsam aber wird es dann, wenn ein junges Mädchen ein T-Shirt mit dem Konterfei Osama bin Ladens trägt. Ob dieses auch den Weg aus den USA an die Atlantikküste Nicaraguas fand?
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