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Karlsruhe Mehr Kontrollen: Karlsruher fahren zu schnell im verkehrsberuhigten Bereich

Jedes Jahr werden in Karlsruhe rund 2.000 Kinder eingeschult. Sie alle erhalten noch vor dem ersten Schultag gemeinsam mit ihren Eltern ein Schulwegtraining der Verkehrspolizei. Das allein reiche jedoch nicht, um für mehr Sicherheit auf den Karlsruher Straßen zu sorgen. Neben Appellen an die Autofahrer müsse gerade jetzt in der Nähe von Schulen vermehrt kontrolliert werden, sind sich Bürgermeister Wolfram Jäger und Ordnungsamtsleiter Björn Weiße einig.

Schon seit einigen Jahren wende die Stadt dieses Mittel an, jedes Jahr stehe dabei eine andere Schule im besonderen Fokus. Derzeit haben sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes rund um die Gutenbergschule in der Karlsruher Weststadt postiert: Dort werden nun vermehrt Verkehrskontrollen durchgeführt: Geschwindigkeit, Parkverhalten und die Sicherheit im Auto werden dabei besonders geprüft.

Die Gutenbergschule befindet sich in einem verkehrsberuhigten Bereich, eigentlich ist hier Schrittgeschwindigkeit angesagt, und zwar für alle Verkehrsteilnehmer. Doch bereits erste Messungen am Dienstag haben gezeigt, dass sich nur die wenigsten an dieses Tempo halten. Innerhalb weniger Stunden gab es bereits am Morgen 37 Überschreitungen, der schnellste Fahrer war mit 30 Stundenkilometern unterwegs, angesichts der unübersichtlichen Verkehrssituation rund um die Schule ein großer Risikofaktor nicht nur für die Kinder.

"Elterntaxis sind ein Problem"

Aber auch das Parken ist rund um die Gutenbergschule, und nicht nur hier, ein Gefahrenfaktor. "Elterntaxis sind ein Problem in Karlsruhe. Das muss man ganz deutlich so sagen" erklärt Björn Weiße, Leiter des Karlsruher Ordnungsamtes. Auch Schulleiter Gunter Vogel bestätigt das: "Oftmals sind es aber nicht die Kinder, die von weiter her kommen, sondern die, die nur zwei Straßen weiter wohnen, die von ihren Eltern morgens im Auto gebracht werden. Da kommt es schon mal vor, dass der komplette Eingang zur Schule zugeparkt ist. Wenn dann noch kurz auf dem Markt eingekauft wird, kann aus dem kurzen Halt auch schon mal ein Parken werden". Allerdings kämen auch schon viele Kinder und Eltern zu Fuß oder mit dem Fahrrad, merkt der Schulleiter ergänzend an.

Wenn Appelle nicht helfen, müssen Strafen greifen

Die Aktion wolle für mehr Rücksicht sorgen und Verständnis für die Situation der Kinder schaffen. "Aber wenn das Appellieren nicht mehr hilft, muss man eben kontrollieren und bei Bedarf auch bestrafen", erklärt Bürgermeister Wolfram Jäger. Jeder Unfall weniger zähle, besonders Unfälle mit Kindern gelte es zu verhindern. Da helfe nur konsequentes Schulwegtraining mit den Kindern, Eltern und der Schule - aber damit verbunden eben auch die Kontrollaktion. 

Denn auch im vergangenen Jahr seien sowohl die Unfälle mit Personenschaden, aber auch die, an denen Kinder beteiligt waren, im Stadtgebiet wieder erheblich angestiegen. 2011 gab es 110 Unfälle, bei denen Kinder zu schaden kamen, 2010 waren es noch 76. Diese Statistik legte Björn Weiße im Rahmen des Pressegesprächs am Dienstag vor. "Das ist eine Entwicklung, die kann man nicht akzeptieren, da muss man reagieren", so der Amtsleiter, der weitere besorgniserregende Zahlen nachlegte. "Im ganzen Jahr 2010 gab es 20 Schulwegunfälle, dieses Jahr sind es schon jetzt 19 und wir sind gerade mal im September, eine Woche nach Schulanfang. Das wird ein weiterer Anstieg, der uns schon jetzt Sorge bereitet."

Erziehung ist wichtig

Beim Verhindern der Unfälle sei aber auch der Einfluss der Eltern von großer Bedeutung. Sie seien nicht nur Vorbilder, sondern hätten auch ein großes Maß an Verantwortung für ihren Nachwuchs. Das Schulwegtraining sei das eine, aber auch das Anschnallen auf Kurzstrecken sei wichtig und werde häufig vernachlässigt, so Weiße. Ein weiteres Beispiel für die Verantwortung der Eltern sei das Tragen von Fahrradhelmen: Während im Alter zwischen sechs bis zehn Jahren noch 56 Prozent der Kinder einen Helm tragen, sinkt die Anzahl zwischen elf und 16 Jahren auf 19 Prozent, ab einem Alter von 17 Jahren sei der Anteil der Helmträger geradezu verschwinden gering. "Solche Trends machen uns Sorgen und erklären ein Stück weit die hohen Unfallzahlen. Denn von den 2011 110 verunglückten Kindern waren 47 mit dem Rad unterwegs, 30 zu Fuß und der Rest kam im Auto zu schaden. Zahlen, die zeigen, dass die breit gefächerten Kontrollen sein müssen, ebenso wie die Aufklärung und die Verkehrserziehung; denn am Ende kann nur die gesunde Mischung aller Maßnahmen helfen, die Unfallzahlen zu senken.

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