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Karlsruhe Mehr Haushalte in Karlsruhe: "Wohnungssituation wird sich verschärfen!"

Wohnraum ist ein knappes Gut - und zwar nicht nur in Großstädten. Wie eine aktuelle Studie belegt, ist der Wohnungsmarkt Deutschland angespannt. Mit Sorge betrachten die Autoren auch die Situation im Raum Karlsruhe. Ihre Prognose: Ohne größere Bautätigkeit könnte es zu einem erheblichen Engpass auf dem Wohnungsmarkt kommen.

Die Einwohnerzahl am mittleren Oberrhein wächst. Zu diesem Ergebnis kommt die Versicherungsgesellschaft Allianz Deutschland. Das Unternehmen hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die den Wohnungsmarkt in Deutschland bis 2045 untersuchen sollte. Die Frage: "Wie entwickeln sich die Wohnungsmärkte in den nächsten 30 Jahren?"

Über eine Millionen Menschen bis 2030

Ein Trend lässt sich dabei laut der Studie deutschlandweit feststellen: Die Bevölkerung wächst. Diese Entwicklung ist laut der Studie auch im Raum Karlsruhe zu beobachten: "Gegenüber dem Vergleichsjahr 2013, in dem rund eine Millionen Menschen in der Raumordnungsregion lebten, wird die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2030 um 10,7 Prozent auf 1,1 Millionen steigen", teilen die Allianz und Prognos mit. Der Grund für den Zuwachs: "Sowohl Studierende, als auch die 30- bis 50-Jährigen ziehen vor allem innerhalb der nächsten 15 Jahre Jahren verstärkt in die Raumordnungsregion Mittlerer Oberrhein, die neben Stadt und Landkreis Karlsruhe auch Baden-Baden sowie den Landkreis Rastatt umfasst."

Auf der einen Seite werde die Region in den kommenden Jahrzehnten überproportional von dem künftigen Bevölkerungswachstum profitieren. Doch der Zuzug führt auch zu Problemen: Mit steigender Bevölkerungszahl wird auch die Zahl der Haushalte im Raum Karlsruhe zunehmen - und stärker als bisher angenommen, so die Prognose. Hier erwarten die Autoren der Studie bis zum Jahr 2045 einen Zuwachs um 23,5 Prozent gegenüber 2013. 

Angespannter Wohnungsmarkt könnte sich verschärfen

Für den Wohnungsmarkt bedeutet dies eine angespannte Lage. Die Autoren der Studie warnen: Die ohnehin angespannte Situation werde sich in den kommenden Jahrzehnten weiterhin verschärfen wird, wenn die Bautätigkeit am mittleren Oberrhein nicht deutlich ausgeweitet wird. Bereits im Jahr 2013 kamen in der Region auf 1.000 Haushalte lediglich 975 Wohnungen. "Von einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt spricht man, wenn 1030 Wohnungen auf 1000 Haushalte kommen", so die Erklärung der Allianz.

Bei gleichbleibender Bautätigkeit werde sich das Wohnungsangebot laut Studie bis zum Jahr 2030 aber sogar auf 925 Wohnungen pro 1.000 Haushalte verknappen. Auf diesem Niveau wird sich der Wohnungsmarkt nach Einschätzung der Autoren auch im Jahr 2045 bewegen, weil sich das Bevölkerungswachstum bis dahin wieder etwas verlangsamen wird.

So will Karlsruhe dem Trend gegensteuern

Doch ganz so einfach ist es nicht mit dem Wohnungsbau. "Das Problem ist die Auffindung von nutzbaren Flächen", erklärt Karlsruhes Baubürgermeister Michael Obert im Gespräch mit ka-news. Natürlich hätte die Stadt einige Flächen "im Köcher". "Allerdings benötigen die Planungsphasen auch ihre Zeit." Obert rechnet mit etwa fünf Jahren, bis die neu erschlossenen Flächen auch nutzbar sein.

Gleichzeitig verweist er auch das räumlichen Leitbild der Stadt. Planerische Vorstellungen und Leitbilder wie den ersten Plan von 1716 sind Teil der "Planstadtgeschichte". In dem räumlichen Leitbild heißt es: "Die bestehenden Prognosen zum Einwohnerwachstum in Karlsruhe werden derzeit von der tatsächlichen Entwicklung bei weitem übertroffen". Es müsse daher planerisch damit gerechnet werden, dass die Stadt auch weiterhin Wohnraum für eine wachsende Zahl an Einwohnern schaffen müsse. "Schwerpunkt muss die Entwicklung der vorhandenen Flächen sein." Karlsruhe hätte aber noch bedeutende Reserven, um ein mögliches Einwohnerwachstum innerhalb seiner Stadtgrenzen zu bewältigen, so weiter im räumlichen Leitbild.

"Wirtschaft und Politik müssen Infrastrukturprojekte diskutieren!"

Ist es mit Bauen und Reserven allein getan? "Die Herausforderung einer wachsenden Bevölkerung können die Großstädte nicht allein bewältigen", meint Peter Haueisen, Projektleiter der Allianz Baufinanzierung. Er sieht eine weitere Möglichkeit, auf das Bevölkerungswachstum zu reagieren: Eine große Chance liege in einer stärkeren Kooperation der Regionen. "Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft müssen zum Beispiel Infrastrukturprojekte, wie den Ausbau der S-Bahn-Netze, diskutieren", so könne es gelingen, die Potenziale an Wohnungen in etwas entfernt liegenden Regionen zu erschließen und an den Ballungsraum anzubinden.

In Karlsruhe sei diese Anbindung an das Umland aber keine Lösung, meint Baubürgermeister Obert, denn auch hier würden die Flächen fehlen. "Schutzgebiete im Umland erschweren die Suche, wir befinden uns hier in einer Art engem Korsett", so Obert weiter. Allerdings sei entlang der Stadtbahnlinien S2, S4, und S1 Wohnraum entstanden. "Hier entwickelt sich viel", erklärt der Baubürgermeister, "noch ist die Planung nicht abgeschlossen."

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