Mario Ludwig: Biologe und Autor

Pinguine prostituieren sich, die Rhesusaffen lieben Kirschsaft, noch viel mehr aber die nackten Gesäße ihrer Artgenossen, und "Flipper war wahrscheinlich schwul". "We Love To Entertain You" heißt der Slogan eines privaten TV-Senders. Er trifft auch auf Dr. Mario Ludwig zu. Bei einem Besuch des Karlsruher Biologen kann sich der Gast über mangelnde Unterhaltung nicht beschweren. Die Natur erzählt die spannendsten Geschichten und der Sachbuchautor, der die meisten seiner Bücher mit Co-Autoren verfasst hat, erzählt sie seinen Besuchern und Lesern: "Küsse, Kämpfe und Kapriolen. Sex im Tierreich" heißt sein dieser März-Tage veröffentlichtes Werk.

"Schnaken reagieren nicht auf Licht, sondern auf Körperausdünstungen." Mario Ludwig muss es wissen, schließlich ist der "Wald- und Wiesenbiologe" im Hauptberuf einer der obersten Schnakenbekämpfer der Region. Er ist Regionalleiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) und arbeitet zudem seit 1994 für die Industrie- und Handelskammer als Sachverständiger für Gewässergüte und Schädlingsbekämpfung. Sein Zuständigkeitsbereich reicht von Mainz bis Germersheim. Stechmücken sind Bestandteil des Nahrungsnetzes, aber in Massen eine Plage. Und die bekämpft er per pedes oder per Hubschrauber, im besten Fall bevor sie fliegen, mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI). Das Mittel wird als Eisgranulat verwendet und führt zu einem Absterben der Schnakenlarven durch Zerstörung des Verdauungstrakts.

Keine Schlangen im Zimmer und keine zu verfütternden Mäuse auf der Toilette, nur zwei Katzen springen in der stilvollen Wohnung des "bekennenden Katzenfans" herum. Seit 1998 wohnt er mit seiner Frau, einer Anwältin, in Karlsruhe. Als kleiner Junge füttert er sein Haustier, einen pflegeleichten Blutegel namens Ferdinand, schon mal mit eigenem Blut. Das "verzogene Einzelkind", so Ludwig über sich selbst, wird am 19. Juli 1957 in Heidelberg geboren. Nach der Bundeswehrzeit beginnt Mario Ludwig 1978 an der Heidelberger Universität sein Lehramtstudium mit den Fächern Biologie und Sport, sattelt dann um, beendet sein Diplomstudium für Biologie 1986 und vier Jahre später seine Promotion. Bis '92 ist er am zoologischen Institut der Universität Heidelberg tätig. Mit "Tiere auf Wohnungssuche" aus dem Jahr 1993 beginnt sein Weg als Sachbuchautor.

Das Buch ist "mit erhobenem Zeigefinger" geschrieben. Heute würde sich ein "braves, solides Biologiebuch" wie "Rettet die Frösche" nicht mehr verkaufen, weiß Mario Ludwig: "Man muss versuchen neue Wege zu gehen. Die Biologie muss aus der trockenen Ecke raus. Die Botschaft muss gut verpackt sein und das geschieht am besten durch "kleine, kurze, knackige Geschichten oder Rätsel. Die machen natürlich mehr Spaß. Auch die Titel der Bücher müssen ansprechen, locken." Die Titel seiner Bestseller lauten "Von Drachen, Yetis und Vampiren" oder "Die 55 gefährlichsten Tiere der Welt".

Die Bücher sind nicht reißerisch geschrieben. Wider die Sensationslust versucht der Diplom-Biologe Wissen zu vermitteln. Um fünf Uhr in der Früh steht Mario Ludwig auf, um für seine Bücher zu schreiben. Und die kommen wissenschaftlich, aber recht locker auf der Rezeptionsseite an, und so erfährt der Leser, dass Vampirfledermäuse ihren Artgenossen Blut spenden und der Moskito das gefährlichste Tier der Welt ist - zwei Millionen Menschen sterben jährlich durch das Insekt. Welcher Bär täglich Zyankali frisst, liest man im September, wenn sein nächstes Buch über "Die 444 besten Naturrätsel" erscheint.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Das kann ich nicht.

Was ist Ihre größte Stärke?
Zuverlässigkeit.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Gummibärchen.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Als Kind zuerst Förster, dann Fußballnationalspieler, ganz sicher jedoch nicht Biologe, da beide Eltern diesen Beruf ausübten.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Auf dem Gipfel eines 6000ers in den Anden stehen.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Meine offensichtliche Unfähigkeit, eine Spülmaschine richtig einzuräumen.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Meinen Laptop.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Menschen, die ein Ehrenamt missbrauchen, um sich persönlich zu bereichern.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Sabine Katschinski und Pia Stumpf vom Katzenschutzverein Karlsruhe, die sich in ihrer Freizeit mit unglaublichem Einsatz im Tierschutz engagieren.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
"Rigoletto" von Giuseppe Verdi, "Einer flog über das Kuckucksnest" von Milos Forman.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Den neuen Gedischtsband "Drahtamseln" des Karlsruher Schriftstellers Matthias Kehle.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als meine Katze "Pünktchen".

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Da ich Erfahrungen im Grenzbereich liebe, entweder mit Queen Elisabeth II oder mit Pamela Anderson.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die wunderbare Lage zwischen Schwarzwald und Rhein.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Der Karlsruher Oberbürgermeister macht meiner Ansicht nach einen ordentlichen Job, allerdings würde ich versuchen, ab und an Karlsruher Interessen bei seinen Parteifreunden in Stuttgart mit etwas mehr Nachdruck zu vertreten.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
In Karlsruhe: Der Wissenschaftler und Träger des Deutschen Umweltpreises Professor Dr. Claus Mattheck. In Deutschland: Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der Kabarettist Harald Schmidt und Papst Benedict XVI.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, könnte mir jedoch vorstellen auch im Ausland, beispielsweise in Südafrika zu leben.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Zunächst einmal sollte der Einfluss, den die Heerscharen von Lobbyisten auf unsere Parlamentarier ausüben, drastisch beschnitten werden. Aber dazu fehlte offensichtlich bisher jeder Regierung der Mut.

Wie und wo möchten Sie sterben?
An einem schönen Tag auf dem Gipfel eines Berges.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich hoffe dorthin, wo es unterhaltsamer ist.

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