Karlsruhe Leute, Läden, Lebenslust XVI

Zu Preisen von ein bis vier Euro warten die Bücher auf einen neuen Besitzer (Foto: ka-news)
Sicherlich mag es schönere Gegenden in Karlsruhe geben. Doch der Laden, der sich im Erdgeschoss des grauen Hochhauses in der Rintheimer Straße 19 in der Oststadt befindet, lässt so manche Herzen höher schlagen. Über 40.000 gebrauchte Bücher warten im "A&S Bücherland" auf ihren neuen Besitzer. Mit ihrem auf "Bücher-Recycling" beruhenden Laden haben sich Klaus Ackermann und Thomas Strieber einen lang gehegten Traum erfüllt.

Bücher, so weit das Auge reicht. Und dennoch wird man nicht davon überflutet oder fühlt sich gar eingeengt. Dies sei auch eines ihrer Anliegen bei der Konzeption des Ladens gewesen, erklärt Klaus Ackermann. Mit den im Lager ruhenden Büchern könnten sie locker noch ganze Regale füllen und es vergehe kein Tag, an dem nicht jemand Bücher vorbei bringt. Dies muss aber auch so sein, denn nur durch die kostenlosen Büchergaben kann das Konzept des "Bücherlands" überhaupt funktionieren.

Ein Informatiker und ein Physiker mit großer Liebe zu Büchern

Klaus Ackermann inmitten seiner Schätze (Foto: ka-news)
Bis vor drei Jahren wäre Klaus Ackermann nie auf die Idee gekommen, jemals im Handel tätig zu sein. Denn eigentlich ist er Informatiker am Rechenzentrum der Landesanstalt für Umweltschutz. Doch Ende 2002 hat ihn eine Freundin in Luzern in einen Bücherladen geführt, dessen Idee ihn völlig begeistert hat. Mit einem Stapel Bücher sei er wieder heraus gekommen und träumte bereits von einem eigenen Laden dieser Art. Das "Ja, mach das doch" der Freundin setzte er nun tatsächlich um. Thomas Strieber war schnell überzeugt und die nächsten drei Monate setzten die beiden sich an die Ausfertigung eines Konzepts.

Grundsatz der Idee ist, dass nie ein Buch eingekauft wird. Dementsprechend sind die beiden darauf angewiesen, dass genügend Leute ihnen kostenlos ihre gebrauchten Bücher abgeben. 99 Prozent dieser Bücher wiederum werden zu Preisen von ein bis vier Euro verkauft, je nach Größe und je nachdem, ob das Buch gebunden ist oder in Taschenbuchform. Die restlichen ein Prozent werden extra ausgezeichnet. Dies ist der Fall beim klassischen Antiquariat und bei Büchern, die so gut wie neu sind. Besonders zur Weihnachtszeit seien diese "verschenkbaren" Exemplare sehr gefragt, so Ackermann.

Auf 400 Quadratmetern sammeln sich über 40.000 Bücher (Foto: ka-news)

Idealismus und viele schlaflose Nächte

Im Mai 2003 wurde das "Bücherland" eröffnet. Doch der Weg dahin hat den beiden Freunden einiges abverlangt. "Tag und Nacht haben wir an der Renovierung des Ladens gearbeitet, zudem mussten wir ja auch noch die ganzen Bücher beschaffen", erzählt Ackermann. Die "normale" Arbeit durften die beiden natürlich auch nicht vernachlässigen. Bis zum heutigen Tag arbeitet Ackermann weiterhin als Informatiker, Striebel als Physiker, denn "reich werden können wir mit dem Laden nicht". Die Anmiete des zirka 400 Quadratmeter großen Ladens ist mit einem großen Risiko verbunden. Denn wer wusste schon, ob das Konzept überhaupt funktionieren würde? "Das alles hat mich einige schlaflose Nächte gekostet", sagt Ackermann zurückblickend. Idealismus und die Freude an Büchern halfen ihm, durchzuhalten.

In der Hoepfner-Passage findet sich das Paradies für Bücherliebhaber (Foto: ka-news)

Schließlich aber war der Hauptteil der Arbeit geschafft und das Bücherland konnte mit zunächst "nur" 30.000 Büchern eröffnet werden. Er setze hauptsächlich auf Mundpropaganda als Werbung, so Ackermann. Anzeigen seien auf Dauer einfach zu teuer. Durch Veranstaltungen wie Lesungen oder das "Freie Lesen", bei dem jeder innerhalb von zehn Minuten seine Lieblingswerke vorstellen kann, wollen die Freunde ihren Laden bekannt machen.

Gerade die Stammkunden finden gar nicht mehr den Weg zur Tür

So unterschiedlich die Bücher sind, so unterschiedlich sind auch die Kunden. "Morgens kommen eher die Mütter mit ihren Kindern. Es gibt auch Rentner, die bis zu fünf Stunden im Laden verbringen. Die Stammkunden schauen mindestens einmal die Woche vorbei und halten sich dann stundenlang vor den Bücherregalen auf." 40 Kategorien erwarten den Besucher, am beliebtesten sind Romane und Krimis. Es gibt auch typische "Minuten-Bücher" wie aktuell Dan Browns "Illuminati", Ken Follets "Säulen der Erde" oder die Bücher von Kardinal Ratzinger. "Kaum kommen die Bücher rein, sind sie auch schon wieder weg", so Ackermann.

In dieser gemütlichen Runde finden die Lesungen statt (Foto: ka-news)

Wer eine Alternative sucht zum großen Buchhandel oder zum klassischen Antiquariat, der wird sich im "Bücherland" wohl fühlen. Und ein paar echte Kostbarkeiten verbergen sich sicherlich in den vielen Regalen. Und was sagt Ackermann zum Thema E-Bay und Co.? "Uns ist schon bewusst, dass wir einige Bücher über das Internet zum vielfachen Preis verkaufen könnten. Aber das wollen wir gar nicht. Wir sehen uns mehr als Zwischenhandel. Die Internet-Händler können gerne hierher kommen und die Bücher dann weiter verkaufen." Auf die Frage hin, ob er die klassische Musik, die im Laden läuft, auch privat hört, lacht er. "In den 90ern habe ich zusammen mit Thomas Müller, dem Besitzer des "Artcore", als Schlagzeuger in einer Rockabilly-Band gespielt."

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