Lebensgefahr im Baggersee: "Viele Menschen können nicht richtig schwimmen"
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Karlsruhe - Bei Temperaturen knapp unter der 40-Grad-Marke suchten viele Menschen am vergangenen Wochenende Abkühlung an einem der zahlreichen Baggerseen in der Region. Für zwei Menschen endete der Wochenausflug tödlich. Warum es gerade in Seen immer wieder zu solchen tragischen Unfällen kommt und was Badegäste tun können, um sie zu vermeiden, hat Timo Imhof, Einsatzleiter der DLRG im Stadt- und Landkreis Karlsruhe, im ka-news-Interview erklärt.
Herr Imhof, wieso kommt es vor allem in Baggerseen immer wieder zu Badeunfälle, wie sie am Wochenende geschehen sind?
Häufig überschätzen die Menschen ihre eigene Kraft. Sie schätzen Entfernungen falsch ein, schwimmen zu weit hinaus und stellen dann im Wasser fest, dass sie nicht mehr können. Gleichzeitig unterschätzen viele die Temperaturänderungen im Wasser, die sogenannten Sprungschichten im See. Auch wenn das Wasser in Ufernähe noch angenehm warm ist, sinkt die Temperatur immer weiter ab, je weiter man hinausschwimmt. Im kalten Wasser können sich die Muskeln leicht verkrampfen. Der Schwimmer sitzt dann quasi in der Falle und schafft es ohne Hilfe nicht mehr zum Ufer.
Diese niedrigen Temperaturen können auch ganz leicht Menschen mit Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten zu schaffen machen. Zum Beispiel springen viele Menschen überhitzt ins Wasser, ohne sich vorher leicht abgekühlt zu haben. Im schlimmsten Fall kann ein solcher Temperaturschock zum Herzstillstand führen. Solche Fälle können sich auch im Schwimmbad ereignen, wenn die Außentemperaturen so hoch sind, wie momentan.
Viele Unfälle passieren auch, weil Badegästen an Seen einfach blind ins Wasser hineinspringen, ohne zu wissen, wie der Untergrund an dieser Stelle aussieht. Am Wochenende hatten wir am Baggersee in Weingarten einen solchen Fall, wo sich eine Person dabei Verletzungen im Wirbelsäulenbereich zugezogen hat. Im Großen und Ganzen missachten viele die Baderegeln, die man eigentlich schon als Kind in der Schule lernt.
Wie viele solcher Vorfälle ereignen sich durchschnittlich in einem Jahr?
In den letzten Jahren mussten wir zu rund 15 Einsätzen ausrücken, die mit der Suche von Personen verbunden war. In diesem Jahr sind es bis heute bereits 20 Einsätze - 16 davon in der Zeit von Mai bis August. Wegen des heißen Wetters am Wochenende waren mehr Menschen an den Seen, als sonst. Deshalb hatten wir auch mehr Einsätze - darunter auch zahlreiche Erste-Hilfe-Leistungen, wo wir zum Beispiel Insektenstiche und Schnittwunden versorgten. Doch allein am Wochenende waren sechs Rettungswagen vom Rettungsdienst im Einsatz, wo sonst nur zwei oder drei in Bereitschaft sind. Zu vier Sucheinsätzen mit Einsatztauchern mussten wir an den beiden Tagen ausrücken. Das ist sehr viel.
Haben Sie eine Erklärung für diese Zahlen?
Viele Menschen können heutzutage einfach nicht mehr richtig schwimmen. Und dann überschätzen sie ihre Fähigkeiten immens. Außerdem schließen immer mehr Schwimmbäder. Viele Kinder kommen zu uns in die Schwimmkurse, weil sie anders gar nicht mehr schwimmen lernen können. Die Gefahr von Badeunfällen für Kinder ist natürlich sehr hoch. Doch wie man an den jüngsten Fällen in der Region sieht, trifft es auch immer wieder Erwachsene.
Was kann man tun, um Badeunfälle zu vermeiden?
Die Baderegeln sind das A und O für den sicheren Aufenthalt im Baggersee und im Schwimmbad. Diese kann jeder im Internet bei der DLRG nachlesen. Wenn man beim Schwimmen merkt, dass es einem nicht gut geht, sollte man das Wasser sofort verlassen. Eltern sollten ihre Kinder nicht aus den Augen verlieren und stets beobachten, wenn sie im Wasser oder in dessen Nähe spielen.
Wir Rettungsschwimmer versuchen natürlich die Lage im See zu überblicken. Aber das ist desto schwieriger, je mehr Menschen sich im Wasser aufhalten. Wir halten in erster Linie nach Besonderheiten Ausschau - zum Beispiel wenn jemand wild mit den Armen winkt. Aber wir können leider nicht alles im Blick behalten. Deshalb sind wir auch auf die Mithilfe der Badegäste angewiesen. Und das funktioniert in aller Regel auch.
Die Fragen stellte Sandra Schneider
Siehe auch:
Gefahr Baggersee: Das müssen Sie bei Badeunfällen tun
Tragischer Unfall im Baggersee: 53-jähriger Mann erleidet Herzinfarkt
Tragischer Badeunfall in Rheinstetten: Schwimmer ertrinkt im Fermasee
Karlsruhe schwitzt: Hoch "Achim" sorgt bei DLRG für Hochbetrieb - zwei ToteMehr zu: Ticker DLRG Badeunfall Baderegeln Topmeldung
- (1593 Beiträge) | 21.08.2012 10:26Vielleicht......sollte "Generation Doof" ohne Schwimmflügel einfach nicht mehr ins Wasser dürfen. Und auch über eine Helmpflicht beim Gang auf die Toilette muss nachgedacht werden. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann, wenn jemand abrutscht.
- (607 Beiträge) | 21.08.2012 13:40Badeunfälle gab esschon immer. Hat doch nichts mit der "Genration" zu tun.
- (20148 Beiträge) | 21.08.2012 14:07Wahrscheinlich nicht,aber es ist eigentlich ein Unding nicht schwimmen zu können. Sowas lernt man doch als kleines Kind, genauso wie radfahren.
Muss ja nicht jeder Kampfschwimmer oder Radprofi (eher besser nicht) werden, aber nicht absaufen bzw. das Gleichgewicht halten können - das muss drin sein. Und das haben Eltern ihren Kindern beizubringen. - (4042 Beiträge) | 21.08.2012 15:22StimmtAber heutzutage beschweren sich die Eltern,dass die Schulen keinen Schwimmunterricht veranstalten anstatt ihre Kinder selber bei einem Schwimmkurs anzumelden,wenn sie das ihren Kindern nicht selbst beibringen können oder wollen.
Allerdings nutzt es nichts schwimmen zu können,wenn man sich wie im Artikel beschrieben falsch verhält. - (7400 Beiträge) | 21.08.2012 16:09Auchin meiner Generation gab es Idioten, die bei 40 °C im Schatten nach der Strecke an der B36 zum Epple raus runter vom Fahrrad mit Kopfsprung in den See gesprungen sind.
Was bringen solche Zeitgenossen ihren Kindern bei? - (28 Beiträge) | 21.08.2012 16:31Ganz so einfach ist es leider nichtVorab: Ich habe zwei Töchter 17 und 14. Beide können schwimmen seit sie 5 Jahre alt sind.
Es war relativ einfach den Kindern das beizubringen, da das örtliche Hallenbad damals noch geöffnet war. Inzwischen ist es geschlossen und ich müßte 20km zum nächsten verfügbaren Hallenbad fahren.
Dies ist für viele einfach zeitlich nicht machbar.
Es reicht halt leider nicht den Kindern das über den Sommer beizubringen, man muß das ganze auch vertiefen können.
Deswegen denke ich, dass unser Geld besser in der Sanierung von Bädern angelegt wäre, ansatt es irgenwelchen griechischen Bankstern in den Rachen zu stopfen. - (744 Beiträge) | 23.08.2012 19:51Nicht nur Schließungen...... was mich schon seit ich klein war immer tierisch genervt hat: Das Wasser in Schwimmerbecken ist meist derart extrem kälter als im Nichtschwimmerbecken, dass man nicht gerne vom einen ins andere Becken wechselt.
... oder das Kinder mit Seepferdchen in der Schule gesagt bekommen sie könnten nicht schwimmen! Und das auch, obwohl die Übung nicht fehlt! Irgendwie läuft doch da was schief, wenn die einen sagen man müsse kein Profi sein, die anderen das aber erwarten... - (28 Beiträge) | 24.08.2012 18:09SchwimmerbeckenWenn das Wasser im Schwimmerbecken so warm wäre wie im Nichtschwimmerbecken, da würde ich mich ja während ich meine Bahnen ziehe schwitzen wie Sau.
Seepferdchen: Eine Bahn schwimmen ist nicht viel, dies aber als nicht schwimmen können zu bezeichnen, zeugt vielmehr davon, dass hier die Verantwortung lieber abgelehnt wird. - (3735 Beiträge) | 21.08.2012 19:25aber erst
- (2521 Beiträge) | 21.08.2012 19:32Wer nicht richtig schwimmen kann,geht halt unter.
In den meisten Fällen ist das kein Verlust, insbesondere nicht angesichts der übrig bleibenden 7 Milliarden Leute.
Es sei auf den inzwischen zu Berühmtheit gelangten chinesischen Sack Reis in deklinativer Bewegung verwiesen. - unbekannt(4000 Beiträge) | 21.08.2012 19:56War die letzte Behandlung wieder erfolglos?Armer Kerl.
- (136 Beiträge) | 21.08.2012 22:16Aus Klingenmünster geflohen?"In den meisten Fällen ist das kein Verlust, insbesondere nicht angesichts der übrig bleibenden 7 Milliarden Leute."
Wenn du der Meinung bist, dass es zu viel Menschen auf der Erde gibt, solltest du die persönlichen Konsequenzen ziehen. - (2668 Beiträge) | 28.08.2012 01:49Ich verstehe manche Leute nichtMan sollte eigentlich seine Kondition ein Stück weit abschätzen können und wenn man merkt, dass einem die Puste langsam ausgeht mal ans nächstgelegene Ufer schwimmen.
Wobei ich auch obwohl ich meine Kondition an Baggerseen nie ausreize lieber am Ufer entlang schwimme. Eine runde am Ufer entlang ist auch eine schöne Strecke. Das Wasser kommt mir dabei wärmer vor, wenn etwas passiert kann man sich eher noch zum Ufer retten oder gerettet werden. Hat aber auch damit zu tun, dass mir die Streckenlänge am Baggersee meiner Wahl so besser passt, nur ans gegenüberliegende Ufer und zurück wäre mir zu kurz.
Eine Sache würde mich aber noch interessieren: Wie küht man sich an einem Baggersee ohne sanitäre Anlagen vor dem ins Wasser gehen am Besten ab? - (2 Beiträge) | 03.10.2012 18:17Prävention BadeunfallEntschuldige bitte, dass ich erst jetzt auf Ihre Frage antworte, aber ich habe Ihren Kommentar erst jetzt gelesen.
Man kann sich an einem Baggersee ohne sanitäre Anlagen abkühlen, indem man zunächst nur mit den Füßen (bis zu den Knien) ins Wasser geht, die Hände zu Schaufeln macht und sich dann Wasser über Beine, Arme, Oberkörper und Kopf gießt. Besonders gefährlich ist es bei heißen Temperaturen unabgekühlt ins Wasser zu rennen und loszuschwimmmen.
Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort helfen.




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