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Karlsruhe Konservativ und friedvoll: 30.000 Muslime treffen sich in Karlsruhe

Für die islamische Glaubensbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ist es der Höhepunkt des Jahres. Ihre jährliche Versammlung, die sogenannte Jalsa Salana, findet in diesem Jahr zum ersten Mal in Karlsruhe statt. Die Gemeinde erwartet an diesem Wochenenden bis zu 30.000 Muslime in der Messe Karlsruhe. Die Gruppierung setzt sich für einen friedlichen Islam ein. Bei Wissenschaftlern gilt die Gemeinde als sehr konservativ, aber ungefährlich.

Der Zutritt zur sogenannten Jalsa Salana, der jährlichen Versammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), wird durch massive Sicherheitsvorkehrungen erschwert. Der Eingangsbereich der Messe Karlsruhe ähnelt in diesen Tagen einem Flughafen-Kontrollbereich. Jeder Besucher wird einem Sicherheitscheck unterzogen: abtasten, durchsuchen, scannen. Aber Warum dieser Aufwand?

AMJ hat "Weltkarriere" gemacht

Vom Bundesvorsitzende der AMJ Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, erfährt man bei einer Pressekonferenz am Freitag, dass die Sicherheitsvorkehrungen seit einem Attentat auf das Oberhaupt der AMJ in den 1940er Jahren notwendig geworden seien. Zudem werde die Gemeinde in Pakistan verfolgt. So sei es jüngst zu Anschlägen auf Ahmadiyya-Moscheen in dem islamischen Land gekommen. Nach Angaben der Gemeinde lebten in Pakistan derzeit zwei Millionen Anhänger. Diese dürften sich dort aber nicht öffentlich zu ihrem Glauben bekennen.

Die Ahmadiyya ist eine religiöse Gruppierung des Islam, welche Ende des 19. Jahrhunderts in Indien von Mirza Ghulam Ahmad gegründet wurde. Die Glaubensgemeinschaft beruft sich auf Ahmad als ihren neuen Propheten. Dies führt unter Muslimen immer wieder zu Kontroversen, da für viele Muslime Mohammed als der letzte Prophet gilt. Während die Anhänger der Ahmadiyya in Südasien daher eine schweren Stand haben, macht die Gruppierung in Europa und Afrika zunehmend auf sich aufmerksam. Der Hauptsitz der Bewegung ist London. "Die Ahmadiyya hat eine Art Weltkarriere gemacht", sagt Dietrich Reetz, Politikwissenschaftler am Zentrum Moderner Orient in Berlin (ZMO), gegenüber ka-news. Auch in Deutschland gebe es vermehrt Zweigstellen der Bewegung.

250 Gemeinden in Deutschland

Die Gemeinde hat nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder in Deutschland. Bundesweit gibt es rund 250 Gemeinden. Davon eine in Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim. In diesem Jahr findet die jährliche Versammlung zum erste Mal in Karlsruhe statt. Die AMJ erwartet bis Sonntag nach eigenen Angaben fast alle Mitglieder der Gemeinde in der Messe Karlsruhe. Die Bewegung finanziert sich ausschließlich aus Spenden ihrer Mitglieder.

Während der Jahresversammlung werden Reden zu verschiedenen Aspekten der islamischen Lehre gehalten, sagt der Vorsitzende Wagishauser. Das Ziel des Treffens sei es, durch Vorträge, Diskussionsrunden und gemeinsames beten den Glauben der Mitglieder zu stärken. Der Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung sei die Predigt von Kalif Hazrat Mirza Masroor Ahmad, dem Oberhaupt der welteweiten AMJ. Aber auch eine Sondersitzung mit nicht-muslimischen Gästen sei geplant.

Frieden steht an erster Stelle

"Die Versammlung ist für unsere Gemeinde das Highlight des Jahres. Sie ist für uns das, was für Christen ein  Kirchentag ist", erklärt Wagishauser. Die Anhänger kämen aus ganz Deutschland. Wer einen weite Anfahrt habe, könne in einem der über 600 Zelte in der eigens errichteten Zeltstadt an der Messe übernachten. 3.500 ehrenamtliche Helfer sorgen für Sicherheit, Essen und Unterkunft.

Das Treffen steht unter dem Motto: "Liebe für alle, Hass für keinen". Frieden sei eine Kernaussage des Islam, so Wagishauser. Der Islam habe das Potential an der Gestaltung einer friedfertigen Gesellschaft mitzuwirken, ist sich der Bundesvorsitzende sicher. Die Gemeinde betreibe daher derzeit in der Region Karlsruhe eine Aufklärungskampagne mit Plakaten.

"Wir wollen den Menschen die Ängste vor dem Islam nehmen", sagt Wagishauser. Die Plakat-Kampagne werde als Aufforderung zum Frieden verstanden. Mit ihren öffentlichen Auftritten wolle die Gemeinde zudem Vorurteile abbauen und gleichzeitig das Wissen über Gott weitergeben. Bildung und religiöse Lehre habe bei der Bewegung einen hohen Stellenwert. "Nur durch Bildung kann verhindert werden, dass Jugendliche in die Fänge von Hasspredigern gelangen", ist Wagishauser überzeugt.

Konservativ, aber ungefährlich

Kritiker werfen der Ahmadiyya-Bewegung aufgrund ihrer Kampagnen verstärkte Missionsabsichten vor. "Fast alle Religionen streben danach, möglichst viele Anhänger zu gewinnen", relativiert Politikwissenschaftler Reetz. "Aber gerade bei Muslimen wird das, was bei anderen Religion stillschweigend akzeptiert wird, häufig negativ ausgelegt." Politisch verhalte sich die Bewegung sehr loyal und gesetzeskonform. Das liege auch daran, dass sie mit ihrem Minderheitenstatus den Schutz des Staates in Anspruch nehme. "Die Ahmadiyya Gemeinde ist religiös sehr konservativ, aber ungefährlich", betont Reetz im ka-news-Gespräch.

"Wir sind liberale Muslime, aber werte-konservativ", so der Bundesvorsitzende der Glaubensgemeinschaft auf Nachfrage. So seien die Mitglieder aufgefordert den Koran zu erforschen und über Inhalte zu diskutieren. Die grundlegende Werte des Islams würden aber befolgt. Hierzu gehöre auch eine strikte Geschlechtertrennung. Die Messe Karlsruhe ist daher auch streng getrennt in einen Bereich für Frauen und Männer.

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