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09.09.2007 12:00
 
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Klimaschutz selber machen (X) [0]

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Richtig gedämmte und verglaste Häuser brauchen gar keine Heizung mehr. Andere brauchen nur noch eine minimale Heizenergiemenge, und die besten erwirtschaften einen Energieüberschuss. Dämmmaterialien aus Mineralwolle und Kunststoffen können immer noch gesundheits- und klimaschädlich sein; inzwischen bietet der Markt Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, beispielsweise Hanf-, Flachs- oder Holzfaserdämmungen. Der Staat bezuschusst ihren Einsatz, der Arbeitsplätze in der Region schaffen kann und die Umwelt entlastet.

Ein Beitrag von Matthias Kunstmann, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Karlsruhe

Ebenso wird der Bau von so genannten Passivhäusern gefördert, also Häusern ohne Heizung, obwohl sie schon heute ohne Mehrkosten im Vergleich zu einem Durchschnittsgebäude erstellt werden können. Die optimale Dämmung zusammen mit einer entsprechenden Lüftungstechnik, im Passivhaus mit Wärmerückgewinnung, bewahrt nach Bedarf Wärme und Kühle, hält Geräusche ab und reguliert die Luftfeuchtigkeit in den Räumen.

Die Wohnung ist die nächste Umwelt

Bei der Heizung wäre an eine Wandheizung, einen Kachelofen oder eine Niedertemperaturheizanlage zu denken. Nachwachsenden Brennstoff verwerten Holzpelletsheizungen. Wärmepumpen arbeiten zwar mit Umgebungsenergie etwa aus dem Boden, brauchen dazu aber in der Regel Strom. Eine Solaranlage auf dem Dach macht das Haus weniger abhängig von Stromunternehmen, ohne dass es drinnen an Komfort fehlt.

Die Wohnung ist die nächste Umwelt. Sie soll aus gesundem Material gebaut sein. Wenn das in einem bestehenden Haus nicht so ist, wäre an eine Sanierung zu denken. Fachleute für Baubiologie können überprüfen, ob Wände, Holzverkleidungen, Dämmungen, Teppichböden oder Möbel Schadstoffe absondern. Sie erstellen auch ein Konzept für die Wohnung zum Wohlfühlen.

Schon beim Wändestreichen macht die Wahl der Substanzen einen großen Unterschied für das Raumklima. Die üblichen Dispersionsfarben enthalten immer noch bedenkliche Lösemittel, außerdem werden sie aus Erdöl hergestellt und bei der Produktion von weißem Farbpigment bleiben giftige Abfälle zurück. Die so genannten Latexfarben bestehen ebenfalls aus Kunststoffen. Gleich ob selbst oder von Profis gestrichen wird, Farben aus Naturstoffen wie Silikat, Kalk, Leim und Kasein sind besser. Bei Allergien sind aber nur bestimmte Farbrezepturen ratsam.

Welche Materialien im neuen Heim?

Sobald der Wunsch nach einem eigenen Heim konkret wird, fragt sich: ein schon gebautes Haus oder ein neues bauen? Da die Ausweitung der Siedlungsflächen inzwischen an ernste Grenzen stößt - auch auf dem Land sind schon zu viele Naturräume, Freiflächen und Erholungsgebiete verloren gegangen -, ist meistens der Einzug in ein vorhandenes Gebäude vorzuziehen. Ältere Häuser haben oft Charakter und Charme. Wer sein Haus gern selbst gestaltet, kann Gebäude finden, aus denen sich etwas ganz Neues machen lässt. Aber es gibt auch Flächen wie Baulücken, aufgelassene Industriegrundstücke oder ehemalige Kasernenareale, die für Neubauten geeignet sind.

Ein wichtiges Baumaterial ist massives Holz, das aus heimischen Wäldern mit verlässlicher Zertifizierung stammen und ausreichend abgelagert sein sollte. Bei Verbundplatten und beim Bau ist auf schadstofffreie Kleber zu achten. Innen ist eine Schutzbehandlung des Holzes nur für Fußböden nötig, sie kann mit natürlichen Ölen und Wachsen vorgenommen werden. Für außen gibt es entsprechende witterungsbeständige Lasuren, Lacke und Hartwachse.

Als Böden sind Holzparkett oder Dielen eine dauerhafte Lösung, Laminat hat dagegen nur eine Oberfläche aus gehärtetem Papier. Angenehme Bodenmaterialien sind auch Linoleum und Kork. Von PVC als einem Umwelt und Gesundheit weiterhin sehr schädigenden Stoff ist bei der Auswahl von Bodenbelägen oder Fenstern abzuraten. Türen, Steine oder Dachziegel sind zunehmend gebraucht erhältlich - solche Rohstoff und Energie sparende Wiederverwertung hat oft einen besonderen Reiz.

Qualitätszeichen und Ökolabels geben Orientierung

Auf ökologische Baumaterialien weist das natureplus-Qualitätszeichen hin, während der Blaue Engel und die EU-Blume in diesem Bereich nur relative Vorteile kennzeichnen. Das natureplus-Zeichen tragen Baustoffe, die umweltgerecht hergestellt und gesundheitlich möglichst optimal sind. Der Anteil an nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen muss mindestens 85 Prozent betragen. Energieverbrauch, Emissionen und Abfall sind bei Herstellung und Nutzung so gering wie möglich zu halten. Bei textilen Bodenbelägen garantiert das Zeichen, dass sie mindestens zu 95 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, dass bei deren Anbau in der Regel keine synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet wurden und dass bei der Weiterverarbeitung bedenkliche Stoffe wie synthetische Flammschutzmittel, Mottenschutzmittel und antimikrobielle Ausrüstungen ausgeschlossen sind.

Das ÖkoPlus-Zeichen können Fachhandelsgeschäfte tragen, die ökologische Bau- und Einrichtungsprodukte führen. Es wird unter anderem vergeben nach Kriterien wie Schadstoffgehalt in den Endprodukten, umweltfreundlichen Transportwegen, eingesetzten Rohstoffen, Wiederverwertbarkeit oder Verpackungen.

Über die Serie "Klimaschutz selber machen"

Die Serie "Klimaschutz selber machen" richtet sich an alle, die etwas bewegen und ihre Verantwortung nicht auf andere schieben wollen. Die vom Menschen verursachte Erwärmung der Erde ist keine unabwendbare Katastrophe sondern bietet uns Menschen die Chance etwas zu tun und etwas zu bewegen. Der intelligenter Einsatz unserer Ressourcen und die (ökologisch) nachhaltige Energiewirtschaft sind das Motto für eine lebenswerte Erde. Ihre tägliche Entscheidung, ob, wo, was und wie viel Sie verbrauchen, hat ökologische, politische und soziale Auswirkungen. Verändern Sie die Welt nach Ihren Vorstellungen durch Ihre Nachfrage und Ihr Handeln! Diese Reihe stellt Ihnen Hintergrundinformationen zu den unterschiedlichsten Themen zum Klimaschutz zusammen und zeigt Ihnen konkrete Handlungsoptionen auf.

Die Serie wurde von der Initiative Grüner Marktplatz initiiert. Grüner Marktplatz ist eine Kooperation von ka-news, Greenpeace-Gruppe Karlsruhe, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Bürgeraktion Umweltschutz (BUZO), Grüne Hochschulgruppe (GHG), Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz und Naturschutzbund (NABU) Karlsruhe. Neben dieser Reihe gibt diese Initiative den "Grünen Marktplatz" heraus, einen Ratgeber zum nachhaltigen Konsum in Karlsruhe (ka-news berichtete).

Die Beiträge werden in Eigenverantwortung der jeweils benannten Autorengruppen verfasst, so dass sie vorwiegend deren Meinung widerspiegeln.

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