Karlsruhe

Karlsruhe Ecke links
Karlsruhe Ecke rechts
Karten-Ansicht: Karlsruhe
  • Drucken
  • Speichern
10.09.2012 00:04
 
Schrift: 

Kinderbetreuung in Karlsruhe: "Zeit ist reif für Tagesmütter" [3]

Tagesmutter Lucia Fischer findet: "Die Zeit ist reif für Tagesmütter."
Bild:(privat)

Karlsruhe (mda) - Zu wenige Kita-Plätze, Mangel an Erziehern: In Karlsruhe hat derzeit nicht einmal jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Ab August 2013 besteht auf einen solchen Platz aber ein Rechtsanspruch. Tagesmütter könnten hier Abhilfe schaffen und die Betreuungslücke schließen, findet der Karlsruher Tageseltern-Verein Sternschnuppe. Doch dafür müsste sich einiges ändern. Die Tageseltern hoffen daher auf mehr Unterstützung durch die Stadt Karlsruhe.
Anzeige

"Die Zeit ist reif für Tagesmütter", sagt Lucia Fischer im ka-news-Gespräch. Die 51-Jährige ist selbst Tagesmutter und betreut in ihrer Wohnung im Stadtteil Rüppurr seit April 2011 täglich bis zu fünf Schulkinder in ihrer "Kinderbetreuung Apfelbaum". Sie kocht für die Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, hilft ihnen bei den Hausaufgaben und spielt mit ihnen.

Fischer ist auch Vorsitzende des Vereins Sternschnuppe. Der Verein setzt sich seit 2008 gemeinnützig für Tagesmütter und Tagesväter in der Stadt Karlsruhe ein.

Tagesmütter könnten Betreuungslücke füllen

Aktuell gibt es in Karlsruhe nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Die Situation verschärft sich ab August 2013. Dann haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Bis dahin sollen 35 Prozent der unter Dreijährigen in Karlsruhe versorgt werden. Diese Quote entspricht dem bundesweiten Ziel, doch inzwischen geht die Stadt Karlsruhe davon aus, dass die Nachfrage wesentlich höher ist.

"Die vom Bund geforderten 35 Prozent schaffen wir bis 2013, das reicht aber bei weitem nicht", sagte Karlsruhes Sozialbürgermeister Martin Lenz im Juni gegenüber ka-news. "70 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Karlsruhe brauchen künftig einen Betreuungsplatz", vermutete er. Das wären doppelt so viele, wie die Stadt im Jahr 2013 anbieten kann. Außerdem sind im Land die Erzieher knapp. Laut Bertelsmann-Stiftung braucht Baden-Württemberg für seine Kitas 3.500 zusätzliche Erzieher.

"Die Voraussetzungen für Tageseltern müssen sich verbessern"

Diese Betreuungslücke könnten zunehmend Tagesmütter füllen, findet Lucia Fischer. "Die Tageseltern der Stadt Karlsruhe sind der Meinung, dass neue Konzepte der Kindertagespflege entwickelt werden müssen. Das Angebot an Betreuungsplätzen der Stadt Karlsruhe soll gesteigert werden und gleichzeitig den Eltern eine gute, flexible und qualitative Betreuung für ihre Kinder angeboten werden", so Fischer. Doch dafür müssten Tageseltern mehr Anerkennung, Unterstützung und Förderung erhalten.

"Die Voraussetzungen für Tageseltern müssen sich verbessern", fordert Fischer. Tagesmütter hätten kein sicheres Einkommen und daher oft finanzielle Sorgen. "Tagesmutter zu sein, ist unterm Strich nicht rentabel. Reich wird man damit nicht, man macht es aus Liebe." Die Stadt müsse bessere Anreize schaffen, dann würden sich auch mehr Menschen dafür bereit erklären, Kinder bei sich zu betreuen.

Stadt Karlsruhe setzt weiterhin auf Tageseltern

In Karlsruhe betreuen zurzeit 231 Tagesmütter 477 Kinder. Um als Tagesmutter abeiten zu dürfen, muss zuvor eine Qualifizierungsmaßnahme bestehend aus 160 Unterrichtseinheiten absolviert werden. Die Stadt Karlsruhe bildet jährlich rund 50 neue Tagesmütter aus. Derzeit verdient eine Tagesmutter in Karlsruhe zwischen 5,50 und 6 Euro pro Kind und Betreuungsstunde.

Der Betrag hängt vom Stand der Qualifizierung der Tagesmutter ab. Dabei bekommen Tagespflegepersonen, die einen Kindernotfallkurs und bis zu 70 Unterrichtseinheiten absolviert haben, ein Pflegegeld von 5,50 Euro. Wer einen Kindernotfallkurs absolviert hat und darüber hinaus durch eine abgeschlossene Qualifizierungsmaßnahme und/oder der Teilnahme an Fortbildungskursen 70 bis 120 Unterrichtseinheiten erreicht hat, erhält 5,80 Euro. Tagespflegepersonen, die einen Kindernotfallkurs absolviert haben und durch eine abgeschlossene Qualifizierungsmaßnahme und/oder der Teilnahme an Fortbildungskursen über 120 Unterrichtseinheiten erreicht haben, erhalten 6 Euro.

Auch die Stadt Karlsruhe setzt weiterhin auf die Tagesmütter und teilt auf ka-news-Anfrage mit: "Der Ausbau der Kindertagespflege wird mit Landesmitteln gefördert. Auch in Karlsruhe soll diese noch weiter ausgebaut werden. Dem Rechtsanspruch soll in Karlsruhe mit beiden Angeboten - Tagespflege und Kita Plätzen - Rechnung getragen werden. Es ist der Stadt daran gelegen, den Eltern beide Angebote machen zu können, damit diese mit Blick auf die besonderen Bedürfnisse ihres Kindes wählen können."

231 Tagesmütter betreuen 477 Kinder

Ein Vorschlag des Tageseltern-Vereins sieht die Einrichtung von Großpflegestellen nach dem Kita-Modell vor. "Hierfür suchen Tageseltern und die Stadt Karlsruhe geeignete Räumlichkeiten, die über eine Garten oder eine Spielanlage verfügen. Die Mietkosten und die Einrichtung der Räume werden von der Stadt Karlsruhe übernommen. Drei bis vier Tageseltern nehmen an solchen Projekten teil. Sie werden bei ihrer Arbeit von der Pflegekinderstelle der Stadt Karlsruhe begleitet. Vorteile des Projektes: mehr Betreuungsplätze für Kinder im Raum Karlsruhe, längere und flexiblere Öffnungszeiten als in der klassischen Kita, zudem wäre der Nachteil der Tageseltern, beim Ausfall wegen Krankheit keine Ersatzbetreuung anbieten zu können, aufgehoben", heißt es in dem Konzept des Vereins, das ka-news vorliegt.

Eine weitere Idee der Tageseltern ist die Festeinstellung von Tageseltern durch das Jugendamt. "Tageseltern haben bekanntlich geringe Einnahmen. Da sie selbständig sind, müssen sie sich ab einem gewissen Einkommen selbst versichern. Das Jugendamt übernimmt zwar einen Anteil der Sozialversicherung, jedoch sind die restlichen Kosten oft zu hoch in Relation zum Einkommen. Eine feste Einstellung würde an der Eignung zur Tagesmutter nichts ändern, jedoch würde sie mehr Sicherheit bieten. Sie würde dazu führen, dass mehr Tageseltern dabei bleiben und sich nicht beruflich umorientieren", formuliert Tagesmutter Fischer das Anliegen ihres Vereins.

Die Vorschläge der Tageseltern haben die Stadträte der Freien Wähler (FW) in einer Anfrage an die Stadtverwaltung aufgegriffen. Der Karlsruher Gemeinderat wird sich daher in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen mit dem Thema befassen.

Weitere Infos auf der Webseite des Vereins: http://tageseltern-karlsruhe.de

Weitere Infos zur "Kinterbetreuung Apfelbaum" unter: www.kinderbetreuung-apfelbaum.de

Auf folgender Internetseite der Stadt Karlsruhe erfahren Sie mehr darüber, wie man Tagesmutter werden kann: www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/pflegekinderdienst/tagespflege.de

Siehe auch:

Wenige Kitas, kaum Erzieher: Karlsruhe gibt Gas bei Kinderbetreuung

Kinderbetreuung in Karlsruhe: Droht der Kita-Kollaps?

Wir wollen in unserer aktuellen ka-news-Umfrage von Ihnen wissen: Kinderbetreeung in Karlsruhe - mehr Unterstützung für Tagesmütter? Stimmen Sie ab!

Lade Umfrage
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

Mehr zu: Ticker Soziales Kita Kinderbetreeung Tagesmutter Umfrage Umfragestart Topmeldung



Kommentare [3]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (14 Beiträge) | 15.09.2012 00:23
    Bewerten: (0)
    gibt
    es nur zu Anfang die Unterrichtseinheiten oder findet auch regelmäßig eine Auffrischung oder eine Kontrolle statt?
  • (9668 Beiträge) | 10.09.2012 09:31
    Bewerten: (0)
    Und was ist...
    mit Tagesvätern? Gibts da eine Quote? Ich hoffe ja!
  • (2971 Beiträge) | 10.09.2012 03:38
    Bewerten: (0)
    Das alles ist Deutschland!
    Kein Wunder will keiner Kinder wenn man nicht weiß wohin mit ihnen während man für ein Einkommen mit einer Aussicht auf Zukunft, Rente und Auskommen arbeitet.

    Kein Geld und Platz für Kinder und Rentner, wenn das kein Armutszeugnis ist.

    Und knapp die Hälfte sind Alleinerziehende.

    Zum Glück gibts Beamte und von der Steuer befreite und Flüchtende und davon reichlich, denn wohin unsere Steuern fließen kann keiner erklären genauso wie bei den Krankenkassen.

    Das System Staat für Bürger ist inzwischen so ausgehöhlt!
    Ein Rechtsstaat schafft sich ab!

    Wenn unser System es nicht mehr bewältigt unsere Kinder und die Alten und Kranken zu versorgen,trotz aller Beiträge, dann ist das System am Ende.

    Dann ist was mordsmäßig faul im Staate Deutschland!

    Das einzig Positive, wenn man es so sehen will, ist das sich die Unbekümmerten/Dummen vermehren egal was kommt und deren Brut die Straßen füllt, auf welche Art auch immer.

    Man, könnt ich nur soviel fressen wie ich kotzen wollt!
Titel:
Kommentar:

Kommentare
dürfen 1000 Zeichen lang sein.
Ihnen verbleiben Zeichen.
Für registrierte Nutzer
Für nicht registrierte Nutzer
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken
Benutzername  
Passwort  
     

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Medienhaus intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

Hinweis: Die Registrierung ist ohne Angabe des wahren Vor- und Zunamens nicht zulässig. Pro Mitglied ist nur ein Account zulässig.

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:
Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden:
Anrede:
Frau Herr  
Titel:
Vorname:
Nachname:
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:
Geburtstag:
 
 
Themenbereich HTML-
Newsletter
Nicht
abonnieren
ka-news.de-Newsletter: News aus Karlsruhe
KSC-Newsletter: Montagsausgabe
KSC-Newsletter: Freitagsausgabe
ka-news Newsletter: Baden-Baden und Rastatt
ka-news-Gewinnspiel-Newsletter
ka-news.de-Kultur-Newsletter
ka-news.de-Newsletter: Meistgelesene Nachrichten
ka-news-Tippspiel - Newsletter
 
 


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 
Anzeigen
V-Kalender
Noch nichts vor am Wochenende? Jetzt schnell und einfach planen mit dem neuen ka-news.de Veranstaltungskalender. Alle wichtigen Termine übersichtlich und geordnet! [Mehr..]