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20.06.2012 11:53
 
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Kinderbetreuung in Karlsruhe: Droht der Kita-Kollaps? [14]

Karlsruhe (mda) - Ab August 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. In Karlsruhe gibt es aktuell nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Platz. Der Bedarf ist wesentlich höher. Eltern schlagen Alarm, die Politik muss sich beeilen: Droht Karlsruhe der Kita-Kollaps?
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Rechtsanspruch, aber keine Plätze: Die Politik muss sich beeilen.
Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv

"Die Kinderbetreuung in Karlsruhe reicht nicht aus", sagt Thomas Schmitt (Name von der Redaktion geändert), Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs in Karlsruhe. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Kinderbetreuung ist. Er selbst ist Vater eines dreijährigen Sohnes, im März kam seine Tochter zur Welt. "Ich kenne beide Seiten - die aus Sicht des Vaters und die aus Sicht des Arbeitgebers", so Schmitt im ka-news-Gespräch.

Seiner Tochter stehe laut Warteliste frühestens ab Herbst 2013 ein Platz zur Verfügung. Verbindlich sei das aber nicht, wodurch auch keine Planungssicherheit in der Familie erzielt werden könne. Seine Frau ist in Elternzeit, möchte aber gerne bald wieder arbeiten. "Weder der Arbeitgeber meiner Frau noch meine Frau selbst können hier einen Wiedereinstieg entsprechend planen und vorbereiten", so Schmitt.

Rechtsanspruch ab August 2013

So wie den Schmitts geht es in Karlsruhe vielen Familien. Hier gibt es 7.461 Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren (Stand 30. Juni 2011), aber nur 2.196 Plätze Betreuungsplätze für Kleinkinder in Kitas und Tagespflege (Stand 1. März 2012). Das heißt aktuell gibt es in Karlsruhe nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz.

Der Kampf um Kita-Plätze ist zwar nichts Neues, bekommt aber nächstes Jahr eine neue Dimension. Denn ab August 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung oder Tagespflege. Droht Karlsruhe der Kita-Kollaps?

Große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage

Die Stadt Karlsruhe weiß, dass der Kita-Ausbau eilt. Der Karlsruher Gemeinderat hat bereits 2008 ein Ausbauprogramm zur "Schaffung eines bedarfsgerechten Angebots" beschlossen, das seither umgesetzt wird. Ziel des Programms ist es, bis August 2013 ein bedarfsgerechtes Angebot bereitzustellen. Dabei wurde bisher davon ausgegangen, dass eine Versorgungsquote von 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren bedarfsgerecht sei. Demnach soll das Angebot bis 2013 2.295 Plätze betragen. Damit  wären 35 Prozent der unter Dreijährigen in Karlsruhe versorgt. Diese Quote entspricht zwar dem bundesweiten Ziel, doch inzwischen geht die Stadt Karlsruhe davon aus, dass die Nachfrage wesentlich höher ist.

"Die vom Bund geforderten 35 Prozent schaffen wir bis 2013, das reicht aber bei weitem nicht", sagt Karlsruhes Sozialbürgermeister Martin Lenz gegenüber ka-news. Er gehe von einem wesentlich höheren Bedarf aus. "70 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Karlsruhe brauchen künftig einen Betreuungsplatz", vermutet er im ka-news-Gespräch. Das wären doppelt so viele, wie die Stadt im Jahr 2013 anbieten kann. Die Stadt arbeite daher an provisorischen Übergangslösungen, um den Bedarf zu decken. Dennoch zeigt sich Lenz optimistisch, dass künftig der Bedarf gedeckt werde, wenn auch nicht im nächsten Jahr. Das Ausbauziel liegt laut Stadt bis 2015 bei 2.959 Plätze. Das wären Plätze für 40 Prozent der unter Dreijährigen.

Kita-Plätze: 35 Prozent haben, 70 Prozent brauchen

"Der Rechtsanspruch ist eine Farce", sagt indes Unternehmer Schmitt. Er kenne genug Familien in seinem Bekanntenkreis, die auf der Suche nach geeigneten Betreuungsplätzen seien. "Einerseits fordert die Politik junge Frauen auf, am Erwerbsleben teilzunehmen und ihren erlernten oder studierten Beruf auszuüben, gleichzeitig werden aber keine Voraussetzungen geschaffen, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren", kritisiert Schmitt. Mit dem Rechtsanspruch seien die Kommunen seiner Ansicht nach überfordert, sie würden von der Bundespolitik alleine gelassen.

"Wir fühlen uns vom Bund nicht im Stich gelassen, aber hätte uns schon gewünscht, dass Kommunen von Anfang an mit am Tisch sitzen und mehr Gehör bekommen", zeigt sich Bürgermeister Lenz diplomatisch. Um zu ermitteln, wie hoch der Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt tatsächlich ist, hat die Stadt kürzlich eine Befragung durchgeführt. Sie will so Eltern ein "passgenaues Angebot" anbieten. Befragt wurden laut Stadt Karlsruhe alle Eltern mit Kindern unter drei Jahren. Dazu zählten alle Eltern, deren Kind am 21. Februar 2012 schon geboren und noch keine drei Jahre alt war. Sie haben einen Fragebogen erhalten. Neugeborene nach diesem Stichtag wurden nicht mehr berücksichtigt. Angeschrieben wurden demnach 6.850 Eltern beziehungsweise Alleinerziehende mit insgesamt 7.474 Kindern. 3.550 Eltern haben bisher den Bogen zurückgeschickt.

Fehlende Kitas, mangelnde Fachkräfte

"Fragebögen sind gut für die Bedarfsermittlung, sagen aber nichts über konkrete Lösungsvorschläge zur Bedarfsdeckung aus", sagt Unternehmer Schmitt. Ein Dialog zwischen Poltik und Eltern müsse bestärkt werden. Fehlende Kitas, mangelnde Fachkräfte: Die Kommunen alleine könnten das nicht schaffen, der Bedarf könne nicht alleine mit städtischen und kirchlichen Trägern abgefangen werden. "Die Politik muss daher Anreize schaffen, damit durch privatwirtschaftliche Initiativen Kinderbetreuung organisiert werden kann", findet Schmitt.

So müssten vorhandene Netzwerke besser genutzt werden. Mehrere mittelständische Betriebe könnten sich zum Beispiel zusammenschließen und gemeinsam einen Betriebskindergarten in ihrer Nähe betreiben, schlägt Schmitt vor. Doch auch dieser brauche eine breite Unterstützung durch die Politik. "Wir können es uns als Handwerksbetrieb nicht leisten alleine einen Betriebskindergarten zu unterhalten", so Schmitt.

Am Mittwochabend tagt der Jugendhilfeausschuss Karlsruhe unter der Leitung von Sozialbürgermeister Martin Lenz. Bei der Sitzung steht die Kinderbetreuung im Mittelpunkt. So stehen der weitere Ausbau von Plätzen für Kinder unter drei Jahren sowie der  Fachkräftemangel in Kitas auf der Tagesordnung. So sollen 120 neue Ausbildungsplätze für Erzieher in Karlsruhe geschaffen werden. ka-news ist vor Ort und wird im Laufe des Donnerstags von den Ergebnissen des Jugendhilfeausschusses berichten.

Beschlussvorlage "Ausbau Plätze in Tageseinrichtungen" im Wortlaut (Link führt zu PDF auf Seiten der Stadt)

Bundesfamilienministerium zum Krippenausbau

Mehr zu: Ticker Kita Kinderbetreuung Bildung Rechtsanspruch Fachkräftemangel Erzieher Gemeinderat



Kommentare [14]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (297 Beiträge) | 21.06.2012 16:03
    Bewerten: (0)
    Gespannt warte ich auf die angekdündigten Berichte von KA-NEWS
    Vor allem würde mich interessieren, wie die Diskussion über die Schülerbetreuung verlaufen ist. Karlsruhe hat ja (noch!!!) eine sehr gute Hortpädagogik, die bei Eltern und Kindern äußerst beliebt ist. Eine Umfrage der Stadt hat vor kurzem bestätigt, dass Karlsruher Eltern für ihre Kinder die Hortbetreuung deutlich einer Ganztagsschulbetreuung vorziehen! Nun sind aber bereits einige Anträge gestellt, in denen m.E. Horte schleichend zu Ganztagsschulangeboten umgewandelt werden können. Ich befürchte, dass unsere Kinder bald nicht mehr so gut wie jetzt betreuut werden, wenn sich ein schäbiges Ganztagsschulkonzept in KA breit macht und der Hortausbau im alten Stil abgebrochen wird. Eltern wollen aber vorzugsweise die Karlsruher Schulhortpädagogik für ihre Kinder! Was also wurde dazu im Ausschuss diskutiert?
  • (4711 Beiträge) | 20.06.2012 20:48
    Bewerten: (0)
    Man muss aber den....
    ...Westdeutschen Kommunen aber zugute halten, dass die Zeit bis zum Rechtsanspruch ziemlich kurz bemessen war. Es fehlt an Grundstücken, an Gebäuden und an Erzieher. Gerade letzteres: wenn keine auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind, dann sind eben keine zu finden. Man kann bei anderen Kommunen die Leute abwerben, geht aber nur übers Geld. Und dann fehlen sie eben dort.
  • (26781 Beiträge) | 20.06.2012 23:59
    Bewerten: (0)
    Vor allem
    wenn man neuerdings schon Erzieher verhaftet, weil sie seltsame Internetseiten betreiben...
  • unbekannt
    (11392 Beiträge) | 20.06.2012 22:30
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    Es fehlt an Grundstücken
    Das heißt, wenn sie ein Grundstück finden sollte man schauen, ob es dort nicht irgendwelche Käferarten gibt und dagegen protestieren. Die Grünen werden doch nicht ein Grundstück mit Kita-Plätzen zubauen, wenn dort seltene Juchtenkäfer sind, oder?
  • (4711 Beiträge) | 20.06.2012 23:03
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    Ich glaube....
    ....die Grünen würden den Juchtenkäfer schützen wollen und für ihn eine Ganztagesbetreuung fordern.
  • (3879 Beiträge) | 20.06.2012 17:00
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    "Droht Karlsruhe der Kita-Kollaps?"
    Die 2 mal gestellte Frage wurde nicht beantwortet. Wohl auch weil man es nicht weiß.

    Zumindest ist sicher, dass nicht alles getan wurde, was möglich wäre.

    Vielleicht sollte man einfach mal der Frage nachgenehen: "Hat Karlsruhe einen Kita-Kollaps?"
  • (1618 Beiträge) | 20.06.2012 16:52
    Bewerten: (0)
    Herdprämie!
    Gott sei Dank, dem Land der Bayern. Dank Schrödertuss und Seehofers Horst bekommen wir noch rechtzeitig die Herdprämie! Von Bayern lernen heißt Siegen lernen!
  • (6378 Beiträge) | 20.06.2012 15:22
    Bewerten: (0)
    ja es mangelt
    aber die Zahlen machen die Sache noch dramatischer als sie sind.

    7.500 Kinder unter 3 Jahren. Also gibt es rund 5.000 Kinder zwischen 1 und 3. 2.200 Beteruungsplätzen machensomit 44% des maximal möglichen Bedarfs mit Rechtsanspruch aus.

    In den kommenden 2,5 bis 3,5 Jahren sollen 700 weitere Plätze entstehen, also werden es bis zum nächsten August immerhin 200 Plätze mehr sein. Auch werden nicht alle 5000, sondern eben nur 70% der Eltern ihr Kind in die Kita bringen wollen. Somit steht es 2.500 von 3.500, wenn der Rechtsanspruch einsetzt.

    1.000 Eltern mit Rechtsanspruch, dem nicht nachgekommen werden kann, sind natürlich eine Menge, aber es kann keine Rede von "nichteinmal ein Drittel" sein. Dazu kommt, dass es auch einige Kinder gibt, deren Eltern auch vor ihrem ersten Geburtstag eine Kita suchen. Die sind natürlich auf Jahre hinaus eine gekniffene Gruppe.
  • (262 Beiträge) | 20.06.2012 14:32
    Bewerten: (0)
    Nur weil ein Rechtsanspruch besteht,
    heißt das nicht, das jedes Kleinkind auch einen Kitaplatz braucht.
    Schon die Tatsache, das von 6850 Fragebögen bisher 3550 (also etwas mehr als die Hälfte) zurückkamen zeigt, daß es nicht jedem Elternteil so dringend ist.
    Und neue Kitas mit breitgefächertem Angebot und Fachpersonal kosten Geld. Solange die Stadt anderen Trägern nur einen Teil der tatsächlich entstehenden Kosten bezuschusst, kann sie auch nicht mehr Plätze fordern. Die Stadt ist verpflichtet, Kitas zu unterhalten nicht die anderen Träger. Zur Zeit wird nur Fachpersonal bezuschußt und das auch nur voll zu ca. 82 % wenn die entsprechenden Stellenschlüssel nicht überschritten sind. Küchenkräfte, Reinigungspersonal, integrative Kräfte u. ä., die ausschließlich im jeweiligen Kiga eingesetzt sind, werden überhaupt nicht bezuschußt.
    Und eines muss auch klar sein: Ein Rechtsanspruch geht auch mit einer Pflicht einher nämlich der, einen Kindergartenbeitrag zu entrichten. Aber das ist Vielen, die sich beschweren, nicht klar.
  • (10716 Beiträge) | 20.06.2012 15:18
    Bewerten: (0)
    -->
    Der Rücklauf ist aber sehr hoch, sogar % höher als bei der OB Wahl in Karlsruhe.

    Man auch auch sagen, dass wenn man >6000 Fragebögen raus geben muss um reinzuhorchen was draussen abgeht, nicht unbedingt für die Effienzienz dieser Behörde spricht. Die müsste eigentlich wissen wo der Bedarf liegt
  • (4711 Beiträge) | 20.06.2012 20:44
    Bewerten: (0)
    Woher...
    ...soll sie denn wissen, wie hoch der Bedarf ist, wenn man nicht fragt?
  • (10716 Beiträge) | 20.06.2012 22:08
    Bewerten: (0)
    Einwohnermeldeamt fragen oder das Finanzamt
  • (4711 Beiträge) | 20.06.2012 22:22
    Bewerten: (0)
    Du verstehst nicht.....
    ....die Anzahl der Kinder bedeutet noch lange nicht, dass pro Kind ein Platz benötigt wird. Es geht nämlich darum, ob jede Mütter/jeder Vater einen Platz für sein Kind benötigt. Manche wollen ihr Kind eben auch zu Hause behalten. Und genau dies bekommst du aus dem Einwohnerdatenspeicher nicht heraus. Bei der Schulpflicht ist es anderes: jedes Kind muss in die Schule.Wo diese Kinder wohnen weiß man auch.Also werden ausreichend Schulplätze bereitgestelt. 100 % Bedarfsdeckung. Gilt zumindest für die Grundschule. Bei Haupt,- Real-und Gymnasium wird es schon schwieriger, wenn erst die Schulempfehlung abgeschafft wird. Bei Kita-Plätzen eben nicht. Da gibt es keine Pflicht. Also muss man fragen. Und das tut die Stadt ja.
  • (2158 Beiträge) | 20.06.2012 13:17
    Bewerten: (0)
    Personalmangel
    "Mehrere mittelständische Betriebe könnten sich zum Beispiel zusammenschließen und gemeinsam einem Betriebskindergarten in ihrer Nähe gründen, schlägt Schmitt vor."

    Der Mangel an qualifizierten Erziehern wird doch durch die Gründung von Betriebskindergärten auch nicht behoben ...
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