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Karlsruhe "Keine Monsterbauten": Pläne für KIT-Erweiterung stoßen auf Kritik

Idyllisch nahe des Adenauerrings liegt der Botanische Garten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Oststadt . Seine Gewächshäuser sollen nun allerdings Neubauten weichen: Im Zuge einer Campus-Erweiterung des KIT sollen an dieser Stelle mehrere Gebäudekomplexe entstehen. Bei Anwohnern treffen die Vorschläge für das Areal auf wenig Gegenliebe.

Günter Ketterer und Jakob Karst sind mächtig sauer. Beide wohnen nahe des Botanischen Gartens des KIT in der Oststadt, gar nicht weit vom Adenauerring entfernt. Dort haben die beiden Anwohner Plakate angebracht, auf denen sie ihrem Ärger Luft machen. Der Grund für ihren Ärger liegt bei Ketterer gleich nebenan: Wo heute die Gewächshäuser des Botanischen Gartens des KIT stehen, sollen schon bald "weiße Blöcke" und "Monsterbauten" entstehen, befürchten er.

Gewächshäuser sollen Neubauten weichen

Auf dem rund drei Hektar großen Gebiet östlich des Adenauerrings sollen in Zukunft Gebäude des KIT untergebracht sein. Konkret beabsichtigt die Hochschule, auf der Fläche einen Gebäudekomplex für Wissenschaft und Forschung zu errichten. "Das Gelände östlich des Adenauerrings ist Bestandteil eines baulichen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Masterplans, mit dem das KIT seine Standorte auch mit Blick auf den Klimaschutz ausrichten wird", erklärt das Institut auf seiner Homepage.

Geplant ist vonseiten des KIT, mittels des Masterplans bis 2030 die technische Infrastruktur inklusive Gebäude und Freiräume auf die veränderten Bedürfnisse von Lehre und Forschung zuzuschneiden. Das KIT befindet sich dabei nach eigener Aussage in enger Abstimmung mit mehreren Akteuren, unter anderem dem Land, dem die Fläche gehört. Konkret geplant sind vier quadratische Baukörper entlang des Adenauerrings sowie die Errichtung eines Gebäudes in Richtung Bernharduskirche.

Die bisherigen Gewächshäuser müssten dann den Neubauten weichen. Das KIT hält diese für "nicht mehr im Betrieb sanierbar" und sieht weder technisch noch energetisch eine Zukunftsperspektive. "Daher ist in Campusnähe für den Botanischen Garten ein neuer Standort in Planung, der die heutigen und zukünftigen Anforderungen an Forschung und Lehre des Instituts deutlich besser abdecken wird" teilt das KIT weiter mit. Für das Institut Botanik habe man bereits einen neuen Standort in der Kornblumenstraße gefunden.

Planungsausschuss bringt Bebauungsplan auf den Weg

Dabei gibt es bereits eine Vision, wie die neuen Gebäude auf dem Gebiet des Botanischen Gartens aussehen sollen. Ein Planungsbüro hatte einen Rahmenplan für den "Bebauungsplan KIT Campus Süd/Adenauerring" aufgestellt. Der Komplex soll in etwa eine Brutto­­ge­­schoss­flä­che von 50.000 betragen, so die Vorstellung der Planer. Im Wesentlichen sollen die neuen Gebäude vom KIT für Labore, Lern- oder Werkstattgebäude genutzt werden. Doch auch eine Nutzung als Büros, Wohnfläche für Studenten oder Tagungseinrichtungen ist laut Rahmenplan denkbar.

Botanischer Garten

Damit die Stadt Baurecht erhält, ist ein Bebauungsplanverfahren notwendig - und hier brachte der Planungsausschuss der Stadt Karlsruhe das Projekt einen weiteren Schritt voran. Ende des vergangenen Jahres beschloss der Planungsausschuss, einen Bebauungsplan aufzustellen. Sowohl bei der CDU, der SPD als auch der FDP fanden die Pläne dabei Anklang. Auch die Grünen halten eine Bebauung des Areals grundsätzlich für sinnvoll, erklärt Stadträtin Bettina Lisbach bei der Diskussion mit den Anwohnern am Mittwoch. Da allerdings noch einige Fragen offen waren, hätten sich die Grünen bei der Abstimmung enthalten.

"Das macht den Anschein einer Vernebelungstaktik"

Mit dieser Entwicklung und den Plänen für das Gelände sind einige Anwohner nicht einverstanden. Bei einer öffentlichen Diskussion mit den Grünen-Stadträten Bettina Lisbach, Johannes Honné sowie den Landtagsabgeordneten Gisela Splett und Alexander Salomon brachten sie verschiedenen Ängste am Mittwoch zum Ausdruck. Während manche Anwohner sich für den Erhalt der Gewächshäuser aussprechen, beharren die Initiatoren der Bürgerinitiative Günter K. und Jakob K. nicht auf einem Erhalt des Botanischen Gartens.

Botanischer Garten

(So könnte es aussehen: Auf Basis des von einem Planungsbüro erarbeiteten Rahmenplans wird der Bebauungsplan "KIT Campus Süd/Adenauerring" aufgestellt. Quelle: Stadt Karlsruhe.)

"Aber die Ästhetik der Architektur schreit zum Himmel", kritisiert Ketterer, "das ist Industriearchitektur!" Dieser Meinung ist auch Karst. "Wir brauchen eine angepasste Architektur und keine Blöcke", so der Anwohner. Zudem kritisieren die Anwohner, dass man erst sehr spät von dem Vorhaben des KIT erfahren haben. Dabei sei noch gar nicht klar, ob das KIT auch tatsächlich die gesamte Fläche benötige. Das ganze Verfahren wirke aber schon abgeschlossen, meint Ketterer. "Das macht den Anschein einer Vernebelungstaktik."

Man habe für die Kritik Verständnis, so die Grünen-Politiker. Bis heute gebe es vonseiten des KIT in der Tat noch keine klare Aussage, ob der Bedarf in diesem Ausmaß gegeben ist, meint Salomon - "konkret wurde man nie." Auch die Karlsruher Grünen-Stadträtin Lisbach fordert vonseiten des KIT mehr Transparenz. Eines stellt sie allerdings klar: "Es ist immer schöner, Grünfläche als Häuser in der Nachbarschaft zu haben." Man müsse einen Kompromiss finden, so die Stadträtin. Die endgültige Entscheidung, wie die Bebauung aussehen soll, trifft der Gemeinderat.
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