"Keine Frage der Moral": Bordellbetreiber wehrt sich gegen Vorwürfe
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Karlsruhe - In der Auseinandersetzung zwischen dem Verein Musikult und einem Bordell im Karlsruher Westen hat sich der Betreiber gegen die von Seiten des Vereins erhobenen Vorwürfe verwahrt. Im Gespräch mit ka-news bekräftigte er seine Position, der Konflikt sei keine moralische, sondern eine rein juristische Auseinandersetzung zwischen Mietern.
Ein Bericht von Denis Elbl und Michael Stock
Wohlgemerkt: Eine Auseinandersetzung, in der sich die Konfliktparteien wechselseitig heftig beschuldigen. "Es ist nicht so, dass wir empfindlich wären, aber 70 Dezibel sind zu viel." Merten Haedecke, Mieter des Obergeschosses in der Liststraße 24, legt Wert auf die Feststellung, dass er und seine Lebensgefährtin, die Betreiberin des dortigen Bordells, beim Einzug nicht in vollem Umfang über die zu erwartende (und mit 70 Dezibel von einem Gutachter bestätigte) Geräuschkulisse informiert gewesen seien. So sei im Mietvertrag lediglich die Rede von einem "Verein, der musiziert", Rock- und Punkmusik hätten sie nicht erwartet. Überdies sollen angetrunkene Konzertbesucher auf dem umliegenden Gelände uriniert und sich erbrochen haben.
Umgekehrt behaupten die Vereinsverantwortlichen, der Bordellbetreiber habe seinem Wunsch nach Ruhe mittels Gewaltandrohung Nachdruck verliehen. "Das trifft absolut nicht zu", sagt Haedecke, der keinesfalls mit den gängigen Klischees über sein Gewerbe in Zusammenhang gebracht werden will. Tatsächlich ermittelt die Polizei in beide Richtungen. Wie ein Polizeisprecher gegenüber ka-news bestätigte, liegt eine Anzeige wegen Gewaltandrohung vor, umgekehrt hat Haedecke mehrfach Anzeige wegen Ruhestörung erstattet. Und wie Haedecke sich vehement gegen die Beschuldigungen des Vereins verwahrt, bestreitet dieser, dass Gäste den Eingangsbereich des Rotlichtetablissements als Toilette missbraucht haben.
Aussage steht gegen Aussage
Aussage steht gegen Aussage, lediglich in einem Punkt besteht Klarheit: Das Bordell verfügt über eine baurechtliche Genehmigung, der Verein (noch) nicht; ein entsprechendes Verfahren beim Bauordnungsamt läuft. Auf diesen Status quo beruft sich Haedecke: Jeder Mieter müsse entsprechend der geplanten Nutzung behördliche Vorgaben erfüllen, ob Kultureinrichtung oder Bordell. "Wenn Sie eine Diskothek eröffnen wollen, müssen Sie all diese Bestimmungen einhalten." Und eben dies müsse auch für den Verein gelten. Insofern sei die Auseinandersetzung eben nicht moralisch, sondern rein juristisch zu bewerten: "Es geht hier nicht um Bordell gegen Kultur", sagte Haedecke am Donnerstag im Gespräch mit ka-news.
Eine Grundlage der formaljuristischen Bewertung durch die Behörden ist die Frage, wie viel Lärm unten maximal erzeugt werden darf, damit oben der Grenzwert eingehalten wird. Just in jenem Punkt ist am Freitag Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Konzession scheint der Verein genommen zu haben: Das Bauordnungsamt stuft das Bordell nach Auskunft des Presse- und Informationsamtes (PIA) der Stadt Karlsruhe nicht als schützenswerten Wohnraum ein, da es sich in einem Gewerbegebiet befindet. Daraus ergibt sich: "Baurechtlicher Sachstand ist, dass beide Nutzer darüber informiert werden, dass die Stadt Karlsruhe von einer Schallobergrenze von 85 Dezibel ausgeht", erklärte Helga Riedel vom PIA auf Anfrage von ka-news.
Gutachter gegen Baubehörde: Welcher Rechtsauffassung ist zu folgen?
Rückt eine Einigung damit näher? Wohl kaum. Denn sowohl Haedeckes Anwalt als auch zwei von ihm beauftragte Gutachter sind der Auffassung, dass die vom Bauordnungsamt zugrunde gelegte Arbeitsstättenverordnung hier überhaupt nicht greife. Da es hier nicht um das unter anderem auch in Sachen Lärmbelastung durch die Arbeitsstättenverordnung geregelte Verhältnis von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer geht, seien andere Normen maßgeblich. Welche, darüber sind sich auch die Gutachter nicht einig, beide Varianten aber (TA Lärm oder DIN 4109) sehen deutlich niedrigere Schallobergrenzen vor: 35 beziehungsweise gar nur 25 Dezibel. Haedeckes Anwalt hat bereits eine zivilrechtliche Klage in Aussicht gestellt.
Auf die Frage, ob er eine gütliche Einigung mit Musikult für möglich hält, erwiderte Haedecke am Donnerstag: "Ja, auf jeden Fall." Voraussetzungen dafür seien entsprechende Schallschutzmaßnahmen seitens des Vereins sowie die Einrichtung eines Ordnungsdienstes. Beidem hat der Verein im Rahmen eines Schlichtungsgespräches bereits zugestimmt. Und dennoch scheint eine Einigung nicht in Sicht.
Seit Montagvormittag wirbt nun der Verein mit einer Aktion für den Erhalt des Vereinsheimes. Unmittelbar vor dem Gebäudekomplex haben Vereinsmitglieder einen bunt geschmückten Informationsstand errichtet. Laut Aussage der Vorstandsmitglieder wolle der Verein Passanten über den Verein informieren und mittels einer Sammlung von Unterschriften um Unterstützung im Konflikt mit dem Bordell bitten. Einige hätten bereits unterschrieben. Die Veranstaltung soll bis Freitag, 19. Dezember, täglich in der Zeit von 10 Uhr bis 14 Uhr stattfinden. Dem Verein liegt eine Sondernutzungserlaubnis seitens der Stadt Karlsruhe vor. Auch ein Vertreter der Polizei überzeugte sich am Vormittag vom ordnungsgemäßen Zustand des Informationsstandes.
Mehr zu: Bordell Liststraße
- (13748 Beiträge) | 08.12.2008 17:50Dieganze Sache hat eigentlich keinen Wert. Wie sollen die sich langfristig einigen? Egal welcher Mieter da oben drin wäre, keiner würde wohl tägliche laute Musik akzeptieren. Und wenn die Musiker sich an was weiss ich für Auflagen halten müssen können sie es praktisch gleich bleibenlassen. Da es sich nicht um den Probenraum einer Schülerband sondern sich um einen e.V. handelt könnte ja auch die Stadt mal mithelfen ein geeignetes Gebäude zu finden. Oder irgendwelche Firmen mit leerstehenden Räumlichkeiten. Solls ja geben.
- (13748 Beiträge) | 08.12.2008 18:03Vielleichtwird dem Vermieter die ganze Angelegenheit bald zu blöd und er droht damit das ganze Gebäude der NPD zu verkaufen.
- (214 Beiträge) | 08.12.2008 19:11Ein Bürger aus KarlsruheMit großem Erstaunen lese ich hier, dass sich Herr Merten Haedecke sowie seine Lebensgefährtin gegen die von Seiten des Vereins Musikult e.V. erhobenen Vorwürfe verwahrt. Er sei beim Einzug nicht in vollem Umfang über die zu erwartende Lautstärke informiert gewesen usw. Herr Haedecke haben Sie vergessen, dass Sie bevor Sie eingezogen sind einige Konzerte als Besucher anwesend waren? Von Anfang an haben Sie die Mitglieder von Musikult missbraucht. Sie wussten sehr genau auf was Sie sich einlassen. Schämen Sie sich.Übrigens die Unesco hat eine Liste von besonders schützenswerten nicht-materiellen Kulturgütern vorgelegt. Sie umfasst auch Kulturformen wie Musik. Von der "Kulturform" die von Ihnen betrieben wird ist hier nichts zu lesen. Lassen Sie doch diese Menschen von Musikult etwas vernünftiges für unsere Gesellschaft tun und suchen Sie sich einen Standort für Ihr Gewerbe an dem Sie niemanden belästigen.
- (5 Beiträge) | 08.12.2008 19:13Warum klein bei geben?Nochmal die Fakten:
1. Wir haben Jahre lang eine neue Bleibe gesucht.
2. Wir haben bis heute ca. 4000 Arbeitsstunden und über 25.000EUR investiert.
3. Auch wenns rechtlich keine Rolle spielt: Wir waren zuerst da.
4. Der Bordellbetreiber wusste VOR seinem Umbau ganz genau wie laut ein Live-Konzert bei uns sein kann. Er hat während der Umbauphase im 1.OG sogar mehrere Konzerte besucht.
5. Der Bordellbetreiber hat unsgegenüber erklärt, er wolle für "seine Beschäftigten" eine Bleibe in der Liststraße 26 anmieten oder sonst irgendwo unterbringen.
6. Der Bordellbetreiber macht UNS das Leben schwer indem er ständig die Polizei zu unseren Veranstaltungen und Proben ruft.
Also: Warum sollen wir einfach einpacken? Wir haben 15 Jahre gebraucht um aus diesem Verein das zu machen, was er heute ist. Natürlich werden wir für unser Überleben kämpfen! - (5 Beiträge) | 08.12.2008 19:20Nicht moral oder doch moral?Klar, es geht nicht um "Moral" sondern um Geldmacherei. Business, besser gesagt. Was ist aber "Moral"? Aus wikipedia: Der Ausdruck "Moral" geht über das französische moral auf das lateinische moralis (die Sitte betreffend; lat: mos Sitte) zurück, das im von Cicero neugeprägten Ausdruck philosophia moralis als Übersetzung von êthikê (Ethik) verwendet wird. (...) Der Ausdruck Moral bezeichnet dabei das, was als richtiges Handeln angesehen wird, sei es von einem Individuum, einer Gruppe oder einer ganzen Kultur. (...)
- (5 Beiträge) | 08.12.2008 19:20Nicht moral oder doch moral? (2)Moral beschreibt, was Menschen faktisch für richtig halten oder was sie gemäß ihrer Vorstellungen vom richtigen Handeln tun.
Also, zurück zur Realität: ist es faktisch richtig, dass einen Bordellbetrieb eine nicht kommerzielle gemeinnützige Einrichtung dermasse kaput machen kann und will, und somit sich gegen 150 Bürger aus Karlsruhe und Umgebung stellt? Ist es faktisch richtig, dass dafür alle mögliche Mittel eingesetzt werden, sei es körperliche und verbale Gewalt, Drohungen aller Art (insbesondere gegen weibliche Mitglieder des Vereins), übermässige Einsatz der Polizei und somit Verschwendung des öffentlichen Geldmittels, wobei der Musikult e.V. auf guter Nachbarschaft schon immer bemüht hatte? Warum das überhaupt erst nach 6 Monate, und nicht sofort? - (5 Beiträge) | 08.12.2008 19:30Photound noch was: auf dem Photo sind deutlich 2 Überwachungskameras zu erkennen. Da kann man von einer rund-um-die-Uhr Videoüberwachung ausgehen. Ist das überhaupt legal? Ist das juristisch vorgesehen, dass irgendjemand Videoarchiven von Passanten bei sich hält, ohne ihre Genehmigung oder dass sie darüber informiert werden? Ich dachte, sowas dürfte nur die Polizei???!??
- (446 Beiträge) | 08.12.2008 19:55Hmmm....Das jahrelang eine Bleibe gesucht wurde wundert mich persönlich, denn so wie hetfield oben bereits geschrieben hat, werden doch e.V.`s von der Stadt auch gefördert, wenn der kulturelle Hintergrund stimmt, oder? Oder hat das andere Gründe für die lange Suche... Ich denk dass alle Seiten (inkl. Vermieter) ihren Teil zu dieser Situation beitragen und es dafür nur eine "richterliche" Lösung gibt. Naja, und ob dieses Gewerbe tatsächlich jemand belästigt, oder es zurecht in einem Gewerbegebiet liegt...... Wer weiss???
- (1 Beiträge) | 09.12.2008 00:46Es kann der Friedlichste nicht leben,Gelöscht - Verstoß gegen Kommentarregeln.
- (1 Beiträge) | 09.12.2008 00:54petsto&cosag mal petsto gehts noch alter bin leider nicht deiner meinung,der verein finanziert sich selbst und hat nichts mit der stadt zu tun. das ist im grunde das wofür gearbeitet wird,also selbstständigkeit und unabhängigkeit informier dich doch bitte erst mal bevor du so ein schwachsinn verbreitest gruß...
- (3154 Beiträge) | 09.12.2008 09:04Nagelstudio@ uhs:
Was habt ihr denn immer wegen dem "Nagelstudio"?
Da wird doch "genagelt" , oder? ;~) - (9 Beiträge) | 09.12.2008 11:10petstoMusik wird oft nicht schön empfunden
weil sie mit Geräusch verbunden.
Ist doch wohl klar das man lange suchen muss, um eine Lokalität zu finden, die sowas möglich macht. Vor allem noch erreichbar. Man will auch mal 1-2-3 Bierchen trinken.
So Bedingungen, wie sie das Substage hat, sind ja wohl eher die Ausnahme. Ich kenne das Kong - und die Leute die das machen sind voll in Ordnung. Wo wird nicht mal aus 'ner Kneipe kommend herumgekotzt - sowas kann immer mal passieren. Wer neben einer wohnt, kann davon ein Lied singen. Die Kneipe gibt es aber mit Sicherheit immer noch. Pro Kong - (1 Beiträge) | 09.12.2008 11:27LärmobergrenzeDie vom Bordellbetreiber geforderte Lärmschutzobergrenze von 25(35) db. wäre das aus für alle Handwerksbetriebe in einem Gewerbegebiet in Karlsruhe
- (2844 Beiträge) | 09.12.2008 12:0225 dBDann dürfte man noch nicht mal mehr husten in seiner eigenen Wohnung.
Und auch Hausmusik mit Geige oder Klavier ist lauter.
Dann dürften auch die Gäste des Bordells nicht mehr stöhnen oder so was. - (446 Beiträge) | 09.12.2008 12:23@hollebolle...hi hollebolle. Mit dem "fördern" seitens der Stadt war nicht eine finanzielle Unterstützung gemeint, sondern die Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Raum für Musikult.eV.. Sag ja auch nicht das "Puff-Daddy" recht hat, ich persönlich bin absoluter Fan von Live-Musik, auch schön laut
. Geht nur um diese komischen Aussagen von beiden Seiten, was ich persönlich für "Kinderkacke" halte. Aber "einer wird gewinnen", nach jahrelangem Rechtstreit, wahrscheinlich. Bin mal gespannt... VG
- (2 Beiträge) | 09.12.2008 13:54Das Statement vom BordellbetreiberDas Statement von Seiten Herrn Merten Haedecke ist nicht warheitsgetreu! Er war persönlich an Musikult-Konzerten anwesend und will dem Verein systematisch an die Wurzel. Von Seiten des Vereins kam man ihm mehrmals entgegen und machte Zugeständnisse für eine friedliche Lösung. Es kam zu verbalen Gewaltandrohungen und einem tätlichen Angriff (Kopfstoß) auf einen Gast
während des MusikultSommerfestes durch einen Mitarbeiter des Etablissements. Es folgten weitere Auseinandersetzungen, wobei besonders die weiblichen
Vereinsmitglieder bedroht, eingeschüchtert und angepöbelt wurden. Es hängen Überwachungskameras um das Gebäude, die die Privatsphäre des Vereins verletzen. Jedes Mitglied fühlt sich beobachtet und bedroht und lebt Täglich in Angst. Erst vor kurzem wurde direkt vorm Bordell wieder mal ein Mitglied des Vereins verbal bedroht, dafür gibt es Zeugen. Ich rufe lauthals in die Welt hinaus:
"IST DAS EURE SAUBERE GERECHTIGKEIT, DASS EHRENAMTLICHE ARBEIT EINEM PUFF WEICHEN MUSS????" - (596 Beiträge) | 09.12.2008 14:50GerechtigkeitGelöscht - Verstoß gegen Kommentarregeln.
- (596 Beiträge) | 09.12.2008 14:55ParolePRO KONG und gegen Ausweitung einer hirnverarmten, drögen Gesellschaft der Einfachgestrickten!!!!!
- (5 Beiträge) | 09.12.2008 17:00Pro Kong?Ich kann es auch nicht fassen, dass die Stadt an dieser Stelle nicht mehr Unterstützung einbringt. Als ob einen Bordell hier wichtiger als Proberäume und Kultur für alle wäre. Als Bürger schon gar nicht, als Steuerzahler noch weniger, und als Frau definitiv nicht.
Pro Kong'ler können einfach auf musikult.de schauen, wie es weitergeht. Dort werden allerdings alle aktuellen Aktionen protokolliert. - (5 Beiträge) | 09.12.2008 20:36Unterstützung durch die Stadt KarlsruheMan muss das differenziert sehen: Es gibt bei den Behörden der Stadt Karlsruhe schon auch einiges an Unterstützung.
Ohne Namen zu nennen: Mit Bauordnungsamt, Polizei und Gewerbeamt haben wir viele positive Erfahrungen gesammelt. Dafür an dieser Stelle einen herzlichen Dank!
Der Musikult e.V. muss jetzt die fehlenden Unterlagen für den Nutzungsänderungsantrag zusammentragen und abgeben. Das schaffen wir auch noch und dann sollte einer offiziellen Konzession nichts mehr im Wege stehen.




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