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Karlsruhe Zukunft des Karlsruher Modells: "Ein Schlag ins Gesicht für Mittelbaden"

Am Montag stellten Verkehrsminister Winfried Hermann und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup ein neues Eckpunktepapier vor, das die Zukunft des "Karlsruher Modells" langfristig sichern soll. Doch die Vorgehensweise stößt an einigen Stellen auf Kritik. Oberbürgermeister Frank Mentrup verteidigt das neue Konzept.

Das neue Eckpunktepapier zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Albtal Verkehrsgesellschaft (AVG) sieht vor, dass die derzeitigen langlaufenden Stadtbahn-Verbindungen von Karlsruhe ins Umland gekappt und durch klassische Eisenbahnverkehre ersetzt werden sollen. 

Der Landtagsabgeordnete Tobias Wald (CDU, Wahlkreis Baden-Baden) kritisiert die mangelnde Einbindung Mittelbadens bei der Zukunftssicherung des "Karlsruher Modells". "So geht man nicht miteinander um", wird der CDU-Politiker in einer Pressemitteilung zitiert.

Nicht mehr umsteigefrei zwischen Baden-Baden und Bühl

Seit vielen Jahren arbeite man in der Region eng zusammen, um für die Menschen möglichst gute Stadtbahn-Verbindungen zu schaffen. "Auch deshalb gleicht es einem Schlag ins Gesicht, dass unsere mittelbadische Region nicht eingebunden wurde", reagierte Wald verärgert auf die künftigen Pläne von Land, Stadt und der AVG. 

Der Landtagsabgeordnete teilt die Kritik aus Bühl und Sinzheim und kündigt seine Unterstützung an: Als "Treppenwitz" bezeichnete der CDU-Politiker die Situation, wenn die mit viel Geld gebauten Haltepunkte in Sinzheim und im Rebland nicht mehr von Stadtbahnen angefahren würden und auch Bühl und Achern nicht mehr umstiegsfrei erreichbar wären. "Genau darauf haben wir doch alle immer Wert gelegt."

Wird Mittelbaden abgehängt?

Wald zeigt in der Mitteilung zwar auch Verständnis dafür, dass sich die Stadt Karlsruhe und das Verkehrsministerium auf eine Lösung für das "Karlsruher Modell" verständigt haben, da das EU-Recht zu einer europaweiten Ausschreibung zwinge. Doch man hätte seiner Meinung nach zwingend alle Beteiligten an einen Tisch holen müssen. Die müsse man jetzt schnellstens nachholen, so Wald.

"Es sei nicht verwunderlich, dass viele Menschen jetzt verunsichert seien. Es stellen sich viele Fragen.", die nach Walds Auffassung schnell beantwortet werden müssen. Entscheidend werde sein, dass Mittelbaden ab dem Jahr 2022  in der gleichen Taktung bedient wird wie bisher.

"Das Land ist jetzt am Zug"

Bei einem Pressegespräch am Donnerstag reagierte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup auf die Kritik. Man müsse sich die Frage stellen, was nun mit den Haltepunkten zwischen Baden-Baden und Bühl geschehe, denn diese würden bislang nur von der Stadtbahn angefahren. Mentrup sieht allerdings hier nicht die Stadt in der Pflicht. "Das Land ist aus meiner Sicht am Zug", stellt der Oberbürgermeister klar. 

Der Landkreis werde sich mit einer klaren Forderung an das Land wenden, so Mentrup weiter. Ansonsten beurteilt er die Fortführung des Karlsruher Modells als echten Durchbruch. Dass das Land seine Vergabehoheit zugunsten der AVG eingeschränkt habe, sei nicht selbstverständlich. 

Brief an Verkehrsminister ist verschickt

Noch am Freitag haben die vier CDU-Landtagsabgeordnete Sylvia M. Felder (Rastatt), Norbert Beck (Freudenstadt), Willi Stächele (Kehl) und Tobias Wald (Baden-Baden) sich in einem gemeinsamen Schreiben an Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grünen) gewandt.

Die mittelbadischen Abgeordneten erneuern in dem Schreiben nach eigenen Angaben ihre Kritik an der mangelhaften Informationspolitik des Ministeriums und der Stadt Karlsruhe. Von dem am Montag vorgestellten Eckpunktepapier zur Zukunftssicherung des "Karlsruher Modells" sei ganz Mittelbaden überrascht worden.

Das Schreiben hat laut Mitteilung nur ein Ziel: Klarheit schaffen für die Menschen und einen attraktiven schienengebundenen ÖPNV in der Region sichern. "Das ist von Achern über Bühl und Baden-Baden sowie Forbach und Freudenstadt von herausragender Bedeutung - und zwar für Berufspendler und Schüler genauso wie für den Tourismus", so die CDU-Abgeordneten. Der sogenannte ländliche Raum dürfe gegenüber der Großstadt Karlsruhe keinesfalls vernachlässigt werden.
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Kommentare (15)
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  •   plokk
    (51 Beiträge)

    Bald...
    ist Bundestagswahl. Dann bitte dran
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  •   aridus
    (202 Beiträge)

    Ich habe das Gefühl,
    dem Land Ba-Wü ging es vor allem darum, einen lästigen Konkurrenten (nämlich die AVG) für die landeseigenen EVUs Hzl und SWEG bei anstehenden Ausschreibungen loszuwerden. Da ich mich im Vergaberecht für ÖPNV-Leistungen aber nicht auskenne, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.
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  •   M.S.
    (199 Beiträge)

    die werden
    da auch keine großen Vorteile haben wenn es um eine europaweite Ausschreibung geht.

    Mir kommt es eher vor dass der Herr Mentrup sich ein weiteres Millionengrab als Denkmal setzen möchte.
    Neben dem Wurmloch und dem Widerstand zur 2. Rheinbrücke macht er dann noch den ÖPNV endgültig kaputt.
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  •   bier2
    (613 Beiträge)

    Auto nehmen und gut
    in Zukunft ein autonom fahrendes Sammeltaxi. Der ÖPNV in der heutigen Form ist in 20 Jahren obsolet da nicht flexibel genug .
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  •   Skudder
    (157 Beiträge)

    So wie hier
    https://www.youtube.com/watch?v=xGi6j2VrL0o

    :-))
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  •   mueck
    (8975 Beiträge)

    !
    "in Zukunft ein autonom fahrendes Sammeltaxi."

    Ihgitt, da saß dann ja schon jemand anderes drin!

    Ne, das kann bei überzeugten Autofahrern keinen Blumentopf gewinnen!
    Und bei Bahnfans auch nicht ...
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  •   zahlenbeutler
    (1027 Beiträge)

    aber
    man kann sich ein paar Bier dabei hinter die Binde gießen, da ist das Wichtigste für manche, obwohl kann man im Zug ja auch, aber vorher bei Lidl , wegen teuer
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  •   Rundbau-Gespenst
    (9674 Beiträge)

    @ka-news: so ist's wohl...
    "Land Banden-Württemberg"

    Gott sei Dank haben wir in Baden damit nichts zu tun!
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  •   M.S.
    (199 Beiträge)

    ...
    mal wieder zu Lasten der Bevölkerung, die dafür auch noch bezahlen soll.
    Es gibt genug Berufspendler die die Bahnen nutzen, um Zeit und Geld zu sparen.
    Wenn ein wichtiger Aspekt, die Zeit, nicht mehr gegeben sein wird, was durch umsteigen und warten unumgänglich wird, dann werden viele dieser Pendler eher wieder aufs Auto umsteigen.
    Und so einfach mit Ausschreibung und Co wird es wohl nicht werden können. Oder ist man gezwungen fremde Bahnen in die Stadt herein fahren zu lassen ?
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  • unbekannt
    (427 Beiträge)

    Da geht’s es nicht um die Verbindungen …
    Sondern um die Betreiber … man nennt das auch Wettbewerb.
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