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Karlsruhe Wohnungen statt Natur-Idyll: Karlsruher Kleingärtner sollen umziehen

Karlsruhe platzt aus allen Nähten - mit Folgen für die Bewohner: Wohnraum wird knapp, die Mieten steigen. Auf der Suche nach neuen Flächen nimmt die Stadt nun Kleingärten ins Visier. Müssen sie schon bald für Wohnhäuser weichen?

Wer in Karlsruhe bauen möchte, hat es derzeit nicht leicht. Im Stadtgebiet selbst gibt es kaum noch verfügbare Fläche. Die Stadt hat daher nach eigener Aussage mit verschiedenen Mitteln versucht, das Problem anzugehen. Brachflächen wie etwa in der Nancystraße oder der Artilleriekaserne wurden in die Stadtplanung miteinbezogen.

Baulücken wurden laut Stadt erfasst und ihre Bebauung fokussiert. Darüber hinaus wurden Rahmenpläne für Waldstadt und die Nordweststadt erstellt und angegangen. Doch das alles scheint nicht auszureichen: "Die Nachfrage nach Wohnraum kann allein durch diese Maßnahmen nicht befriedigt werden", teilt die Stadt in einer Stellungnahme mit. Auf der Suche nach langfristigen Lösungen nehmen die Planer nun mehrere Kleingärten ins Visier.

Günstige Lage macht Kleingärten attraktiv

Insgesamt drei Kleingartengebiete tauchen in der Planung der Stadtverwaltung auf: die Flächen südlich des Rüppurrer Schlosses, nördlich des Städtischen Klinikums sowie in der Pulverhausstraße. Nahe des Städtischen Klinikums hat die Stadt eine Fläche von 3,5 Hektar, am Rüppurrer Schloss sogar 4,7 Hektar ins Auge gefasst. Im Kleingartengebiet in der Pulverhaussstraße sieht die Stadt gar Potential für Wohnungen auf 10,8 Hektar Fläche.

Alle drei Flächen sollen, so plant es die Stadt, in den Flächennutzungsplan 2030 aufgenommen werden. Aus Sicht der Stadt spricht für diese Areale vor allem ihre Lage im Stadtgebiet. Besonders für einkommensschwache Haushalte sei eine gute Anbindung an den ÖPNV entscheidend, da sie oft ohne Auto von A nach B kommen müssten. "Auf der Suche nach geeigneten Wohnbauflächen ist die Nähe zu Stadtbahn-/Tramlinien daher ein wichtiges Kriterium", so die Stadt.

Und noch ein weiterer Aspekt spricht aus Sicht der Verwaltung für eine Umnutzung der Kleingärten: Geeignete Bauflächen gebe es außerhalb des Stadtgebiets ansonsten nur noch in den Höhenstadtteilen. Die Folgen: Karlsruhe müsste aufgrund des zunehmenden Individualverkehrs dann mit Lärm- und Luftbelastung rechnen.

Kleingärtner sollen auf Ausweichflächen umziehen

Noch ist die Umnutzung der Fläche nicht beschlossene Sache. Zunächst soll der Planungsausschuss am Mittwoch, 7. Dezember, die Pläne vorberaten. Zudem sollen im Vorfeld noch die Ortschaftsräte zu dem Thema angehört werden. Die Entscheidung soll dann am 17. Januar kommenden Jahres im Gemeinderat fallen.

Würde der Gemeinderat den Plänen der Stadtverwaltung zustimmen, müssten die betroffenen Kleingartenbesitzer umziehen. Für sie gibt es nach Aussage der Stadt mehrere Ausweichfläche, die von ihrer Größe die bisherigen Flächen sogar überträfen. "Für die Flächen Rüppurrer Schloss und Pulverhausstraße befinden sich die Ausweichflächen nur einige hundert Meter entfernt", verspricht die Stadt. Für die Fläche am Klinikum könnte als Ausgleich eine neue Kleingartenanlage im Nordosten Knielingen entstehen.

"Kleingärten gehören zur Karlsruher Stadtgesellschaft"

Trotz des Ersatzes kommen die Pläne für die Kleingärten nicht überall gut an. Mit einem Antrag versucht die Kult-Fraktion, die Umnutzung noch zu verhindern. Es bestehe nicht nur eine große Nachfrage nach Kleingärten, die Anlagen übernähmen zudem auch wichtige Funktionen für Klima, Ökologie, Integration und Erholung in der Fächerstadt.

"Kleingärten gehören unverzichtbar zur Karlsruher Stadtgesellschaft", kritisieren die Kult-Stadträte weiter. Ihre Forderung: Die Stadt müsse vielmehr die bereits vorhandenen Flächen für Wohnungsbau im Stadtgebiet effektiver nutzen. Nur in letzter Konsequenz sollen Kleingärten nach Ansicht der Kult-Fraktion umgenutzt werden.

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