171  

Karlsruhe Volle Zellen und Sprach-Barrieren: JVA Karlsruhe kämpft mit Problemen

Rund 13 Jahre lang ist die Zahl der Gefangenen im Land gesunken. Doch seit 2015 steigt die Belegung sprunghaft an- so auch in der JVA Karlsruhe. Dort stellen nicht nur die Überbelegung, sondern auch die Kommunikation mit den ausländischen Gefangenen die Vollzugsbediensteten vor Probleme.

70.043 Straftaten registrierte die Karlsruher Polizei in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr. 29.518 Verdächtige gerieten ins Visier der Ermittler, für einen Teil ging es dann in die Justizvollzugsanstalten des Landes. Hier zeichne sich ein eindeutiger Trend ab, wie Guido Wolf, Minister für Justiz und Europa im Land, erklärt. Die Zahl der Menschen, die in eine Justizvollzugsanstalt (JVA) eingeliefert wurden, sei angestiegen.

Belegung liegt bei 127 Prozent

Baden-Württemberg verfügt insgesamt über 17 Justizvollzugsanstalten mit 19 Außenstellen, zwei Jugendarrestanstalten, einem Justizvollzugskrankenhaus, einer Sozialtherapeutischen Anstalt sowie einer Justizvollzugsschule. Eine JVA hat ihren Sitz in der Karlsruher Weststadt.

Und wie im Rest des Landes auch sind die 110 Haftplätze überbelegt: "Im Februar 2017 befanden sich in der JVA Karlsruhe (Hauptanstalt) durchschnittlich 140 Gefangene, was einer Auslastung von 127 Prozent entspricht", so Robin Schray, Richter und Pressesprecher des Ministeriums für Justiz und Europa, auf Anfrage von ka-news. Dort werden Tatverdächtige im Untersuchungshaft untergebracht. Damit eine Zelle mehrfach belegt werden kann, müssen die betreffenden Gefangenen dieser Maßnahme zustimmen.

Etwas entspannter sieht die Lage in den beiden Außenstellen der JVA Karlsruhe aus. In Bühl, im geschlossenen Vollzug für weibliche Gefangene, waren im Februar die 28 Haftplätze im Schnitt auch mit 28 Gefangenen belegt. In der Jugendarrestanstalt Rastatt, welche ebenfalls eine Außenstelle der JVA Karlsruher ist, waren durchschnittlich 16 Gefangene in den über 50 Haftplätzen untergebracht.

"Starker Anstieg ausländischer Gefangener"

"Damit ist die JVA Karlsruhe (Hauptanstalt) wie einige andere Anstalten des Landes derzeit überbelegt", fasst Schray die Zahlen zusammen. Mit einer Überbelegung habe man im Land allerdings nicht gerechnet: "Dies beruht insbesondere auf einem starken Anstieg der Gefangenenzahlen seit Mitte des Jahres 2015, den niemand so vorhergesehen hat", erläutert Schray weiter.

Zuletzt seien die Zahlen zwischen 2002 und 2015, "auch demografisch bedingt", kontinuierlich gesunken. "Seit August 2015 hat sich dann insbesondere bei den Untersuchungsgefangenen ein sprunghafter Anstieg ergeben. Seitdem steigen die Zahlen Monat für Monat kontinuierlich", heißt es aus dem Landesministerium weiter. Der Grund: "Der Anstieg beruht insbesondere auf einem starken Anstieg ausländischer Gefangener", gibt Schray im Gespräch weiter an.

Kommunikation mit ausländischen Gefangenen ist problematisch

Es ist eine Situation, die auch für die Beschäftigten eine Herausforderung darstellt, so der Pressesprecher. "Dabei bleiben auch Konfliktsituationen nicht aus." Dem Ministerium für Justiz sei aber aus der JVA Karlsruhe in den vergangenen Monaten keine außergewöhnliche Konfliktsituationen bekannt.

Doch nicht die nur daraus resultierende Überbelegung fordert die Beschäftigten der JVA im Land. Um die nicht unerheblichen Probleme mit der Kommunikation mit den ausländischen Gefangenen zu lösen, wurde am Mittwoch in Karlsruhe unter Beisein von Justizminister Guido Wolf ein "OhneWörterBuch" vorgestellt.

v.l.: Kommunikationstrainerin Amelie Weinert, Justizminister Guido Wolf, Projektverantwortlicher und Anstaltsseelsorger Michael Drescher | Bild: Julia Wessinger

Das Werk soll von den Vollzugsbediensteten mitgeführt werden und im Alltag die Basisverständigung mit den Gefangenen ermöglichen. Darin zu sehen sind sogenannte Schlüsselbilder, also Piktogramme, Bilder und Bildabfolgen. Entworfen hat die Bilder eine Kommunikationsdesignerin in Zusammenarbeit mit einer anstaltsinternen Arbeitsgruppe.  

Für Justizminister Guido Wolf war der Termin am Mittwoch "kein alltäglicher", wie er betont. Er befürwortet es, dass mithilfe der Schlüsselbilder nun "kein Gefängnis im Gefängnis" mehr entstünde. Denn dank des Buches, an welchem 14 Monate lang gearbeitet wurde, könnten die Gefangenen in eine grundsätzliche Kommunikation treten. "Und so können Konflikte bereits im Keim erstickt werden", hofft der Minister. 

"Schlüsselbilder" - Bildbasierte Verständigungshilfe
"Schlüsselbilder" - Die bildbasierte Verständigungshilfe für den Justizvollzug und den Jugendarrest | Bild: Julia Wessinger

Mehr zum Thema:

Gefängnisse im Südwesten hoffnungslos überbelegt

Stammheim: Justizminister will Gefängnis weiter nutzen

Drogenhandel in Karlsruher JVA: "Hundertprozentige Kontrolle gibt es nicht"

Karlsruher Knast-Knaben: Hier singen Schwerverbrecher Kanon!

Seelsorger im Karlsruher Gefängnis: "Gottesdienste geben Mut zum Weiterleben"

Die Diskussion wurde aufgrund von Kommentarverstößen geschlossen. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (171)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   EmilyHobhouse
    (845 Beiträge)

    15.04.2017 09:56
    Informationen
    Diese Informationen hätte ich erwartet:

    Der Anteil der Ausländer lag 2014 bei 37 Prozent, 2015 bei 39 Prozent und im März dieses Jahres bei 44,6 Prozent von damals 6948 Häftlingen.

    Ebenfalls zum März dieses Jahres registrierten die Justizvollzugsanstalten 3053 Ausländer und Staatenlose aus 94 Nationen, ein Jahr zuvor waren es noch 2593 Ausländer und Staatenlose aus 100 Nationen.

    Hohe Zuwachsraten (genaue Zahlen kenne ich nicht) gab es vor allem bei Inhaftierten aus den Maghrebstaaten. In absoluten Zahlen sind die größten Gruppen aber die Türken und Rumänen. Die häufigsten Vergehen sind Diebstahl und Drogendelikte.

    Durch eine differenzierte Information über die Zunahme von Häftlingen und der Haftgründe hätte die Diskussion einen ganz anderen Verlauf genommen, vor allem in Bezug auf Flüchtlinge.
    Ich habe kein Problem mich mit den wirklichen Problemen die durch Migranten und Flüchtlinge entstehen auseinanderzusetzen solange es auf sachlicher Ebene stattfindet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (1995 Beiträge)

    16.04.2017 08:40
    wenn man
    dann noch rausrechnet, wie wenige es wären, wenn wir eine andere, liberalere Drogenpolitik hätten....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    17.04.2017 12:18
    Hört hört....
    und wenn wir Überfälle auf Taxifahrer, Antänzerei und gewerbsmässigen Einbruchdiebstahl noch rausrechnen sind die Knäste leer und wir haben auf einmal jede Menge Wohnraum.

    Verstehen sie warum ich sie nicht angesprochen habe? Merken sie noch was? Möchten sie, dass irgendwelche Gambier oder Maghrebiner ihren Kindern vor der Schule Drogen feilbieten?
    Sie sind jetzt 50, fangen sie mal an zu denken. Und vielleicht auch ein bisschen an andere, nicht nur an sich selbst.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (3595 Beiträge)

    17.04.2017 07:56
    Liberalere Drogenpolitik
    Welch ein Quatsch. Informieren Sie sich bitte bevor Sie hier so etwas von sich geben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   EmilyHobhouse
    (845 Beiträge)

    16.04.2017 09:16
    Südosteuropäische Täter
    Vor allem muss man aufpassen, wie man Südosteuropäische Tatverdächtige und Täter in einer Statistik einrechnet, denn das sind meistens Menschen die nicht zur Bevölkerung (auch nicht zur nichtdeutschen) Deutschlands zählen, da sie hier nicht gemeldet waren und ausschließlich zur Verübung von Verbrechen hier her kamen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    17.04.2017 12:20
    Was sind denn
    das für neue Töne? Hast du die Seiten gewechselt oder was?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (3595 Beiträge)

    17.04.2017 07:58
    Auch dieser letzte Satz
    Ist gut.
    Sie scheinen zu erkennen wie der Hase läuft, Emily.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (3595 Beiträge)

    16.04.2017 01:27
    Ihr letzter Satz ist gut.
    Aber 44,6% - das ist doch ein deutliches Argument welches Sie hier anbringen. Da lässt sich auch von meiner Seite nichts mehr hinzufügen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   EmilyHobhouse
    (845 Beiträge)

    16.04.2017 08:13
    Flüchtlinge
    Man sollte aber auch in der Lage sein, zu erkennen, dass Kriminalität nicht auf eine Nationalität oder Herkunft, sondern auf soziale Umstände zurückzuführen sind. Was uns hier als Bericht zur Diskussion angeboten wurde ist einfach schwach und lässt zu viel Raum für einschlägige Hassprediger, dabei bleibe ich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    15.04.2017 02:30
    Grundsätzlich
    kann ich an der Kommunikation mit nichtdeutschsprechenden nicht problematisches finden.

    Es gibt eine Sprache die international ist und die alle verstehen. Und die auch konsequent angewendet werden sollte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 .... 18 19 (19 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.