Karlsruhe Vermisstensuche in Karlsruhe: So nimmt die Polizei die Suche nach Personen auf

In diesem Jahr wurden in Karlsruhe bis Anfang August 91 Vermisstenfälle von der Kriminalpolizei bearbeitet - glücklicherweise konnten alle aufgeklärt werden. Doch was genau führt zu solchen Einsatzergebnissen? Was steckt hinter dem Begriff der Vermisstensuche? Und ab wann und wie handelt die Polizei in diesen Fällen?

Erwachsen oder minderjährig? Suizidgefahr oder Opfer einer Straftat? Hubschrauber oder Suchhunde? All diese Fragen spielen bei einer Vermisstensuche des Fachdezernats der Kriminalpolizei eine zentrale Rolle. Sie entscheiden über jegliche Schritte, die eingeleitet werden, um eine Person schnellstmöglich wieder zu finden. So beispielsweise auch bei einem Fall vor rund vier Wochen, als ein 52-Jähriger zunächst als vermisst galt - später allerdings wohlbehalten wieder auftauchte.

Die wohl meist gestellte Frage diesbezüglich: Wie wird in solchen Fällen vorgegangen? Ausschlaggebend bei einer Anzeigenerstattung ist zunächst die Einschätzung der Kriminalpolizei, ab wann eine Vermisstensuche eingeleitet wird. "Eine Person ist für die Polizei dann vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat und ihr Aufenthalt unbekannt ist," erklärt der Sprecher der Karlsruher Polizei, Fritz Bachholz, gegenüber ka-news.

Erwachsen oder minderjährig?

Zentral ist bei der Anzeigenerstattung - die übrigens bei jeder Polizeidienststelle aufgegeben werden kann - zunächst einmal die Frage, ob die vermisste Person bereits erwachsen oder noch minderjährig ist? Ist die gesuchte Person unter 18 Jahren, werden laut Bachholz schon direkt mit dem Verlassen des gewohnten Lebenskreises der Person Anfangsmaßnahmen eingeleitet. Zu diesen gehören demnach beispielsweise die Überprüfung der Krankenhäuser, eine Funkfahndung, die Unterrichtung des ÖPNV oder auch Suchmaßnahmen an geeigneten Örtlichkeiten.

Suizidgefahr oder Opfer einer Straftat?

Ähnlich wie die Frage nach dem Alter eines Vermissten, ist die mögliche Lage der Person. Um diese bestens einschätzen zu können, wird oftmals die subjektive Beurteilung der Anzeigeerstatter hinzugezogen. Ist die Anzeige zum Beispiel aufgrund der Ansicht, die Person "hätte sich längst melden müssen", entstanden, werde, so erklärt Bachholz, der Fahndungsapparat der Polizei nicht im vollem Umfang aufgefahren. Es werde dann vielmehr ein Zeitfenster vorgegeben, in denen sich oftmals wieder der Kontakt mit dem Gesuchten ergibt.

Ist das Zeitfenster allerdings ohne Rückmeldung des Vermissten abgelaufen oder basiert die Anzeige auf dem Hintergrund, dass sich die Person in einer hilflosen Lage befinden könnte, werden weiterführende Maßnahmen in die Wege geleitet. Beispielhaft hierfür ist ein Fall, der tatsächlich so stattgefunden haben soll, wobei ein leeres Taxi aufgefunden wurde und vom Taxifahrer jede Spur fehlte. Hier bestand sofort die Gefahr, dass dieser Opfer einer Straftat wurde - und das bestätigte sich auch leider, so Bachholz.

Hubschrauber oder Suchhunde?

Während die Lage eingeschätzt wird, muss die Kriminalpolizei mit dem Einleiten der Fahndung darüber entscheiden, in welcher Intensität gesucht wird. Das bedeutet, dass sich beispielsweise nicht jeder Fall zum Einsatz eines Hubschraubers oder auch eines Menschenspürhundes eignet.

So beschreibt Bachholz: "Ein Hubschrauber dient in erster Linie dazu, größere Flächen, Seen oder auch Flussläufe schnell abzusuchen." Eine große Rolle spiele dabei neben der weiten Sicht des Pilots vor allem auch die Wärmebildkamera. So könne beispielsweise an einem Badesee eine plötzlich verschwundene Person, deren Wertsachen noch aufzufinden sind, mit allen möglichen Mitteln gesucht werden.

Je dringender die Gefahr des Gesuchten also ist desto mehr wird seitens der Polizei in Bewegung gesetzt. Wenn beispielsweise ein Senior im Winter leicht bekleidet das Heim verlässt oder eine Person im Vorfeld Suizid androht, klingeln bei der Polizei die Alarmglocken. Oft werden dann auch Suchhunde zur Unterstützung am Boden eingesetzt. Erst im vergangenen Jahr wurden bei der Polizei Baden-Württemberg solche ausgebildet.

Es wird so lange gesucht, bis die Person gefunden ist

Abschließend sagt Bachholz gegenüber ka-news, dass nach einer vermissten Person so lange gesucht wird, bis sie gefunden wird. So werden in manchen Fällen wirklich über Tage und Wochen hinweg Maßnahmen von Beginn an in hoher Intensität durchgeführt. "Wenn aber alle Eventualitäten, Suchmaßnahmen oder auch technische Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, muss die aktive - das heißt nach außen hin sichtbare Vermisstenfahndung - eingestellt werden," erläutert Bachholz.

Das bedeutet: Die Polizei ist im weiteren Verlauf darauf angewiesen, dass sich beispielsweise durch einen Presseaufruf Zeugen melden. Die Presse werde übrigens je nach Fall verständigt. Grundsätzlich müsse allerdings das Einverständnis der Angehörigen für das Veröffentlichen von Name, Daten und oder auch Bildern der Polizei vorliegen.

Wie der Polizeisprecher weiter anmerkt, komme es leider auch immer mal wieder vor, dass die Person nur noch tot aufgefunden wird. Das sei aber nicht die Regel, macht Bachholz klar: "In den meisten Fällen gelingt es schon in den ersten Maßnahmen, einen Hinweis zum Aufenthalt der Person in Erfahrung zu bringen, sodass sich viele dieser Dinge im Anfangsstadium auch schon wieder aufklären und der Vermisste wohlbehalten angetroffen wird."

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