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Karlsruhe Shitstorm auf Facebook: Badisch Brauhaus sagt AfD-Veranstaltung ab

Für den 13. Januar plante der Kreisverband Karlsruhe-Stadt der Alternative für Deutschland (AfD) eine Veranstaltung im Badisch Brauhaus. Auf Facebook und Twitter kam der geplante Termin nicht gut an: Es hagelte Kritik und Boykott-Bekundungen. Das Badisch Brauhaus hat nun auf die Postings und Rezensionen reagiert und die AfD-Veranstaltung abgesagt. Schockiert ist man allerdings von der Vorgehensweise mancher Kritiker.

Ein Termin im Badisch Brauhaus stößt auf Kritik der Online-Community: Eigentlich war für den 13. Januar eine Veranstaltung der umstrittenen Alternative für Deutschland (AfD) zum Thema "Bildung statt Ideologie" mit dem Bruchsaler Landtagskandidat Rainer Balzer geplant. Auf Facebook und Twitter regte sich virtueller Widerstand: Zahlreiche Nutzer kritisierten das Badisch Brauhaus als Gastgeber der Veranstaltung.

"Auf Wiedersehen Badisch Brauhaus!"

"Wenn dieser Termin am 13.1. einer sogenannten 'demokratischen Partei' in Ihrem Haus stattfindet, wird mich Ihr Haus nicht mehr als Gast begrüßen können. Ebenso werde ich Sie leider nicht mehr irgendwelche Firmen, Vereinen oder Bekannten als seriösen, gemütlichen Veranstaltungs- oder Übernachtungsort weiterempfehlen können", lautet die Kritik eines Users.

Ein anderer schreibt: "Lokale, die rechtsradikalen Gruppierungen wie der AfD Raum bieten, sind kein Platz an dem ich mich wohl fühlen kann. Auf Wiedersehen Badisch Brauhaus!" Eine weitere Facebook-Nutzerin appelliert: "Bitte denkt nochmal darüber nach, wenn ihr die AFD bewirtet, bleiben ich und andere zukünftig weg."

"Von einer Wahlkampfveranstaltung war nicht die Rede"

Das Badisch Brauhaus reagierte noch am Montagabend auf die Kommentare in den Sozialen Medien : Die Veranstaltung der Karlsruher AfD wurde abgesagt. "Das Badisch Brauhaus versteht sich seit jeher als absolut neutral in politischen Dingen", heißt es vonseiten der Geschäftsleitung auf Anfrage von ka-news. Jeder könne die Räumlichkeiten des Brauhauses nutzen - eine "Plattform" für Politik wollte man aber nicht bieten.

Dass es sich um eine Wahlkampfveranstaltung der AfD handle, habe man im Vorfeld nicht gewusst. "Ein Gast hat die Reservierung für 20 bis 40 Personen getätigt, was in einem Haus mit 700 Plätzen ein völlig normaler, unauffälliger Vorgang ist, der sich täglich wiederholt. Von einer Wahlkampfveranstaltung war nicht die Rede", erklärt das Badisch Brauhaus. Man habe erst über Facebook erfahren, um welche Art der Veranstaltung es sich handle.

 

Das BADISCH BRAUHAUS ist und bleibt politisch neutral!Die von der AfD für den 13.01.2016 geplante...

Posted by BADISCH BRAUHAUS on Montag, 4. Januar 2016

"Wir wollen uns bewusst nicht vor den Karren politischer Veranstaltungen spannen lassen und haben deshalb mit dem Karlsruher Stadtrat Paul Schmidt vereinbart, dass diese Veranstaltung im Badisch Brauhaus nicht stattfinden wird", so das Brauhaus.

Brauhaus wirft Kritikern Geschäftsschädigung vor

Mit der Vorgehensweise der Kritiker auf Facebook und Twitter ist das Brauhaus aber alles andere als einverstanden. "Wir sind bestürzt, was zu diesem Thema hinter unserem Rücken läuft, beziehungsweise bereits gelaufen ist", heißt es gegenüber ka-news.

"Da wir von der gesamten Veranstaltung im Vorfeld nichts wussten, sind wir umso entsetzter, dass es Personen gibt, die ohne die Hintergründe bei den Beteiligten zu erfragen, sich ermutigen lassen, ungerechtfertigte Rezensionen zu verfassen mit dem direkten Ziel einer Geschäftsschädigung", kritisiert das Badisch Brauhaus. Durch negative Rezensionen habe man versucht, gesellschaftlichen Druck aufzubauen - dies empfindet Inhaber Siegfried Weber als unfair und fragwürdig. "Es wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen", meint er im Gespräch mit ka-news.

AfD will Veranstaltung verlegt Veranstaltung in Europahalle

Auch die Karlsruher AfD kritisiert in einer Stellungnahme den Shitstorm in den Sozialen Medien. Seit dem Sommer 2013 veranstalte der AfD-Kreisverband Karlsruhe-Stadt in der Regel im Abstand von vier bis fünf Wochen sogenannte Themenabende in verschiedenen Karlsruher Lokalen. "Alle diese Themenabende, auch die während der Europa- und Kommunalwahl, haben ohne jeden Zwischenfall stattgefunden", so die AfD Nachfrage von ka-news. Die Partei zeigt sich erstaunt darüber, dass ein Themenabend über Bildung  zum Anlass genommen werde, "den Inhaber des Badisch Brauhaus massiv unter Druck zu setzen".

"Da es nicht unser Ziel als AfD-Kreisverband Karlsruhe-Stadt sein kann, ortsansässigen Wirten ihre Existenzgrundlage zu entziehen, haben wir der Stornierung unserer Buchung für den 13. Januar durch das Badisch Brauhaus zugestimmt", heißt es in der Stellungnahme,  "wir werden die Veranstaltung an einem Ort durchführen, an dem uns eine Diskussion mit den Bürgern zu dem nicht nur kommunal- sondern vor allem landespolitisch wichtigen Thema Bildung möglich ist." Inzwischen hat die AfD einen neuen Veranstaltungsort gefunden: Die Diskussionveranstaltung findet nun im Karl-Benz-Saal in der Europahalle statt. 

Der Artikel wurde am Freitag aktualisiert.

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Kommentare (212)
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  •   RalphHarro
    (88 Beiträge)

    Die Behauptung des Wirtes, er hätte der AfD die Räume wieder abgesagt
    weil die Kommentare der Leser in den Zeitungen ihm Angst machten, kann man nicht nachvollziehen.

    Die Kommentare, auch in den KA-News sind deutlich und überwiegend AfD freundlich und die EInwanderungspolitik aka Asyl der CDU, SPD, Grüne und Linken wird zum Teil mit drastischen Formulierungen, abgelehnt.
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  •   urraco
    (563 Beiträge)

    Letztendlich
    ist das eine Milchmädchenrechnung. Der Wirt sieht sich ein paar Anfeindungen gegenüber, vermutlich überwiegend von Leuten die in seinem Lokal gar nicht verkehren (worüber er eigentlich froh sein kann). Da würde also schonmal nichts fehlen.
    Mindestens 90% seiner Gäste ist es sowieso egal ob er eine AfD Veranstaltung durchführt oder nicht. Die kommen trotzdem, zumal solche Angelegenheiten binnen ein paar Wochen sowieso vergessen sind.
    Es hätte also gar nichts passieren können.
    Einzuknicken vor Denunzianten und Geschäftsschädigern war auf jeden Fall die schlechteste Option die er ziehen konnte. Damit beugt er sich den Drohungen und lässt sich von den linksgrünen Gutmenschen instrumentalisieren.
    Hoffentlich zieht er wenigstens die Konsequenz die namentlich bekannten Drahtzieher der Kampagne wegen Geschäftsschädigung anzuzeigen. Denen gehört endlich mal eine volle Breitseite.
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  •   MaryCarefree
    (395 Beiträge)

    Der wird heute in den BNN
    auch namentlich als Mitinitiator erwähnt.
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  •   urraco
    (563 Beiträge)

    Das ist
    nicht wirklich eine Überraschung. Aber irgendwann wird auch er vom Leben bestraft.
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  •   Wurzelsau
    (511 Beiträge)

    Das ist er schon,
    keine Sorge!
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  •   Duke.Raoul
    (133 Beiträge)

    Ja wie auch wenn Nazi sein Mainstream wird?
    Jetzt heißt es seitens Frau Merkel man müsse prüfen, ob gewisse Anteile von Gruppen womöglich frauenfeindlich sind. (Selbst mir ist das zu hetzerisch. Ich würde erstmal untersuchen lassen ob gewisse Hirnzellen von Menschen aus Anteilen von Gruppen aus unbestimmten Herkunftsländern Tendenzen zu Handlungen mit Neigung zur Respektlosigkeit....).
    Und Gabriel will tatsächlich Schutzsuchende nicht nur Zurückweisen und dahin zurück schicken, wo ihnen im schlimmsten Fall der Tod droht, nein er will auch sichergehen, dass die armen Seelen keine Chance bekommen weiter um ihr Leben zu flüchten.
    Wie bitte schön soll da eine AfD konkurrieren? CDU und SPD klauen nicht nur Themen sondern setzen noch einen drauf.
    Klar, dass die vielen Hardcorenazis abwandern.
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  •   Maxx
    (15 Beiträge)

    AfD im Aufwind
    Mit Prozentzahlen haben Sie es wohl nicht so. Die AfD ist belegbar im Aufwind !
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  •   Bernd
    (334 Beiträge)

    das ist eben Demokratie und Meinungsfreiheit
    Pluralismus, Begrüßungkultur, Angst um Wählerstimmen.
    Die Grünen haben abgewirtschaftet. Das einzige, was denen noch bleibt, ist die Koalition mit der CDU.
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  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    Die Grünen blamiert - das Badisch Brauhaus blamiert - und die AfD profitiert
    Wieder Riesenpresse - mehr als 200 Solidaritätsbekundungen hier in Ka-News und jetzt findet die Veranstaltung laut BNN wie geplant am Montag statt - und zwar im Carl-Benz-Saal der Europahalle. Das ist dort, wo die Landtagskandidatin der SPD, Meri Uhlig, vor drei Wochen dem staunenden Publikum verkündet hat: "Wir haben noch nie so sicher gelebt wie heute!". Dass das nicht ganz stimmen kann, merken auch die Wirte, die eine AfD-Veranstaltung zunächst zusagen und dann nach Drohungen der Freunde von Grünen und SPD aus Angst um ihre Lokalität, ihre Mitarbeiter und ihre Gäste wieder absagen. Noch eine Empfehlung an die SPD-Landtagskandidatin: Sie können aus Ihrer Lüge ganz einfach eine Wahrheit machen: fügen Sie in dem Wort "gelebt" einfach nach dem "L" ein "i" ein - dann stimmt Ihre Feststellung....
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  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    Die Grünen blamiert - das Badisch Brauhaus blamiert - und die AfD profitiert
    Wieder Riesenpresse - mehr als 200 Solidaritätsbekundungen hier in Ka-News und jetzt findet die Veranstaltung laut BNN wie geplant am Montag statt - und zwar im Carl-Benz-Saal der Europahalle. Das ist dort, wo die Landtagskandidatin der SPD, Meri Uhlig, vor drei Wochen dem staunenden Publikum verkündet hat: "Wir haben noch nie so sicher gelebt wie heute!". Dass das nicht ganz stimmen kann, merken auch die Wirte, die eine AfD-Veranstaltung zunächst zusagen und dann nach Drohungen der Freunde von Grünen und SPD aus Angst um ihre Lokalität, ihre Mitarbeiter und ihre Gäste wieder absagen. Noch eine Empfehlung an die SPD-Landtagskandidatin: Sie können aus Ihrer Lüge ganz einfach eine Wahrheit machen: fügen Sie in dem Wort "gelebt" einfach nach dem "g" ein "i" ein - dann stimmt Ihrer Feststellung....
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