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Karlsruhe-Durlach Schulbau in Durlach: Nach altem Vorbild oder neu und modern?

Zwei alte Bauelemente der Schloss-Schule in Durlach sollen abgerissen werden. Für den dort geplanten Schulneubau hat die Stadtverwaltung einen europaweiten Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 17 Architekturbüros beteiligt haben. Ein Sieger wurde bereits gekürt, der Plan soll nun weiter ausgearbeitet werden. Dieser geplante Schulneubau Neubau hat in Durlach allerdings nicht nur Fürsprecher.

Einige Bürger haben sich für den Wiederaufbau des alten Karlsburgflügels – der so genannte Dienerbau – an dieser Stelle ausgesprochen. Außen nach altem Vorbild, innen den Ansprüchen einer modernen Schule genügend. Günther Malisius ist Ortschaftsrat der FDP in Durlach und Vorsitzender des Historischen Vereins - er ist einer der vehementesten Verfechter des "Dienerbaus" und hat mit seiner Fraktion dafür gesorgt, dass das Thema nach der Sommerpause nun auch im Durlacher Ortschaftsrat auf den Tisch kommt.

ka-news sprach mit Günther Malisius darüber, warum er den Entwurf für den Schulneubau nicht für passend hält und warum er fest an die Idee des Wiederaufbaus des altes Dienerbaus glaubt.

Welche Defizite hat der Entwurf für den Neubau der Schloss-Schule Ihrer Meinung nach?

Die Schulbauten werden weiterhin mit Flachdächern ausgerüstet, was überhaupt nicht in das Altstadtbild von Durlach passt. Die Fassade des Neubaus passt nicht zur Karlsburg. Der ursprüngliche Schlosshof wird nicht nachgebildet.

Welche Vorzüge hätte der wiederaufgebaute Dienerbau für Sie?

Der Dienerbau passt sich dem Schloss an, im Dach, in der Fassade, in der Form. Es wird wieder ein Schlosshof gebildet. Er enthält alle Räume, die die Schule benötigt. Darüber hinaus gibt es auch Räume für das Stadtamt, für Vereine und Veranstaltungen.

Was gibt es zur Geschichte des alten Dienerbaus zu sagen, warum existiert er nicht mehr?

Der Dienerbau der wurde mit dem Schloss nach dem großen Brand um 1700 gebaut. In den 1960er Jahren wurde er abgerissen und die Schlossschule mit dem Flachdach gebaut.

Wie soll der neue Dienerbau aussehen?

Der neue Dienerbau orientiert sich im äußeren Bild dem damals gebauten Schlossflügel, im Inneren würde nach den heutigen Gesichtspunkten ausgeführt, wie man es auch mit dem Karlsruher und Rüppurrer Schloss gemacht hat. Der Architekt für den Wiederaufbau des Dienerbaus hat in seinen Plänen alle Anforderungen der Schlossschule eingebracht.

Die Pläne für den Wiederaufbau sehen äußerlich genau so aus, wie der Dienerbau um 1700 ausgeführt wurde. In der Größe entspricht er ebenfalls dem damaligen Bau. Das Dach und die Fassade werden genau wie das Schloss gewählt – so wie es damals war: Spitzes Ziegeldach und Putzfassade.

Und was sagen die Durlacher zum geplanten Schulneubau?

Die Mehrheit der Durlacher kennt die beiden unterschiedlichen Planungsvarianten nicht und verhält sich deshalb neutral. Auch die Schulleitung kennt wohl nur die Neubaupläne der Stadt, die sie bisher befürwortet hat.

Wie soll es weitergehen?

Der Denkmalschutz sollte sich positiv für den Wiederaufbau des Dienerbaus erklären. Bisher hat man sich zurückgehalten! Im Ortschaftsrat sollte im September ebenfalls eine Mehrheit sich für den Dienerbau äußern. Das Büro des Siegerentwurfes kann mit dem Architekten des Dienerbaus zusammenarbeiten oder für ein neues Projekt der Stadt beauftragt werden. Solange nichts abgerissen wurde, kann das Verfahren noch geändert werden. In mehreren Städten gab es ähnliche Fälle, wo eine derartige Änderung vorgenommen wurde, nachdem die Gremien ihre Meinung geändert haben.

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Kommentare (11)
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  •   Ozeiger
    (1304 Beiträge)

    14.08.2017 16:19
    Totaler Irrsinn,
    eine europaweite Ausschreibung für ein bisschen Schulhaus in Durlach. Was allein das an Kosten bei den teilnehmenden Büros, der Bewertung und dem Vergabeverfahren erzeugt - dafür würde man garantiert den Rohbau mit Dach drauf kriegen.
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  •   ka-lex
    (1437 Beiträge)

    14.08.2017 17:15
    Ab bestimmten Schwellenwerten der Auftragshöhe
    (209.000 EUR für Lieferleistungen und 5.225.000 EUR für Bauleistungen) MUSS nach GPA ausgeschrieben werden.
    "Europaweit" ist übrigens falsch. Zu den GPA-Ländern gehören auch etliche außereuropäische Lander bis hin zu USA, Japan, Singapur u.a.
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  •   Ozeiger
    (1304 Beiträge)

    14.08.2017 17:21
    Ich habe
    ja nicht die Vorgehensweise bei der Ausschreibung infrage gestellt, sondern nur gesagt, dass ich das für absoluten Irrsinn halte. Völlig unangemessene Geldverbrennerei.
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  •   andip
    (8036 Beiträge)

    15.08.2017 09:29
    War da nicht so etwas
    dass nur der Sieger des Wettbewerbs bezahlt wird, alle anderen gucken in die Röhre und kriegen nichts?
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  •   Ozeiger
    (1304 Beiträge)

    15.08.2017 10:05
    Davon gehe
    ich aus. Wenn du Kundenanfragen hast und Angebote erstellst bekommst du ja auch nichts wenn der Auftrag nicht zustandekommt. Allerdings müssen Architekten für solche Wettbewerbe ja teilweise erheblichen Aufwand betreiben, bis hin zu Modellen, vielleicht gibt es da dann eine gewisse Aufwandsentschädigung.
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  •   andip
    (8036 Beiträge)

    15.08.2017 12:10
    Glaube ich eher nicht
    Ich habe schon von Architekten gehört, die sich für eine Grossauftrag beworben haben, ihn nicht bekamen und anschliessend kurz vor der Pleite standen.
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  •   Graf_von_Felsenstein
    (173 Beiträge)

    15.08.2017 12:40
    Das kommt, wie immer darauf an.
    Ein Anspruch auf Honorierung ist nur gegeben, wenn der Architekt mit dem Bauherrn – unabhängig vom Ergebnis des Wettbewerbes und der Auftragserteilung – eine Vergütung ausmacht oder die Wettbewerbsordnung Architektur ausdrücklich vereinbart wird. Diese ist a priori nicht bindend, sie gilt nur dann, wenn sie im Rahmen der Ausschreibung einem Wettbewerb zugrunde gelegt wird.

    agvf
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  •   IchKA
    (288 Beiträge)

    14.08.2017 14:01
    Keinen Wettbewerb
    für das Dommermuthgebäude hinterm Bahnhof, der Bebauung beim KIT und dem Verwaltungsbegäude Weisenburger Ludw. Ehrhard Allee gab es keine Ausschreibung und keinen Wettbewerb.
    Stattdessen in Durlach irgendeinen Neubaueinerlei das dort überhaupt nicht hinpaasst.
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  •   andip
    (8036 Beiträge)

    14.08.2017 15:47
    Die genannten Gebäude
    werden alle von privaten Bauherren errichtet.
    Die sind nicht im Geringsten dazu verpflichtet, irgendwelche Ausschreibungen oder Wettbewerbe zu machen.
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  •   Waterman
    (5787 Beiträge)

    14.08.2017 07:13
    Schicksalsgenossen...
    Die Mehrheit der Durlacher kennt die beiden unterschiedlichen Planungsvarianten nicht
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