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Karlsruhe Kopfloses Handeln: Zahl der Unfallfluchten in Karlsruhe nimmt zu

Wenn es zu einem Unfall kommt, ist wohl kaum jemand ruhig und gelassen. Der Schock über diese außergewöhnliche Situation sitzt tief und hat in einigen Fällen auch eine unüberlegte Reaktion zur Folge: einfach weiterfahren. Aber Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, es drohen harte Strafen. Doch wie kommt es, dass Menschen einfach weiter fahren?

Auf der Autobahn A5 kam es am vergangenen Mittwoch zu einem Unfall, bei dem eine Person mit suizidaler Absicht überfahren wurde. Der Fahrer ging, eigenen Angaben zufolge, von einem Wildunfall aus und fuhr weiter. Am Wochenende wurde dann in Forst ein junger Mann angefahren. Auch hier entfernte sich der Autofahrer und  ist noch immer nicht gefasst. Meldungen dieser Art scheinen sich zu häufen. 

Und tatsächlich sind die Geschehnisse keine Einzelfälle: 2015 wurden im Stadtgebiet Karlsruhe 936 Unfälle mit anschließender Flucht gezählt. In 110 Fällen kamen dabei sogar Personen zu Schaden. Für das Polizeipräsidium Karlsruhe ist die Tätersuche dabei nicht immer leicht, gerade einmal jeder dritte Fall (33,3%) konnte aufgeklärt werden. Wenn Verletzte im Spiel waren, lag die Zahl immerhin bei 55,7 Prozent.

Viele können nicht glauben, dass sie einen Unfall gebaut haben

Warum genau eine Unfallflucht begangenen wird, wird in der Statistik nicht erfasst. "Oftmals soll mit der Flucht ein anderes Vergehen verdeckt werden, wie Alkohol oder Drogen am Steuer oder Fahren ohne Führerschein", so Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des Berufsverband Niedergelassener Verkehrspsychologen Rüdiger Born auf Nachfrage von ka-news. "Andere sind einfach nur eigensüchtig und denken, eine Unfallaufnahme kostet nur Zeit und Geld."

Eine weitere Ursache könnte das Selbstbildnis sein, welches die Autofahrer von sich haben, so der Psychologe. "Vermeintlich gute Autofahrer können es dann nicht glauben, dass ihnen ein Unfall passiert. Sie realisieren erst nach einer Zeit, was da geschehen ist." Nur, dann ist die Straftat schon begangen. Auch die Angst gegenüber der Familie und Bekannten sei ein häufig genannter Grund.

Führerscheinentzug und Freiheitsstrafen drohen

Die Täter sind im Allgemeinen eher Männer, was aber weniger auf ihren Fahrstil zurückzuführen sei, so Born. Vielmehr seien Männer, auch berufsbedingt, einfach in der Mehrzahl auf deutschen Straßen unterwegs. Was allerdings nicht heißt, dass es keine Frauen gibt, die den Tatbestand der Unfallflucht erfüllen. Dies belegt auch die Polizei auf Nachfrage von ka-news: 72 Prozent der gefassten Straftäter sind männlich.

Wer sich einfach von der Unfallstelle entfernt, muss im schlimmsten Fall mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und einer Geldstrafe rechnen. Damit verbunden, ist in der Regel auch der Verlust der Fahrerlaubnis, die dann erst nach einer therapeutischen Maßnahme wieder erlangt werden kann.

Bei diesen Gesprächen soll den Tätern ihr Fehlverhalten aufgezeigt und so ihre Kopflosigkeit für Augen geführt werden. "Das Vorgehen ist vom Grund der Flucht abhängig", so Born weiter. Dem, der so gehandelt habe, weil er mit einer Zeitersparnis gerechnet hat, soll bewusst werden, dass die Folgen nun eine viel langwieriger sind. So soll verdeutlicht werden, dass es am Besten ist, wenn man sich seinen Fehlern bekennt.

Viele Unfallfluchten werden unbemerkt beobachtet

Glück im Unglück ist, dass in der Hälfte der Fälle in Karlsruhe der Sachschaden unter 1.000 Euro lag. In der Gesamtsumme macht der Delikt aber dennoch ein Schaden von rund 3,3 Millionen Euro aus. Eine Anzeige wegen Fahrerflucht können Verursacher aber auch schon erwarten, wenn sie beispielsweise auf einem Parkplatz ein anderes Fahrzeug nur anrempeln. Ein Zettel mit der Anschrift hinter den Scheibenwischer zu klemmen, reicht hier nicht aus. Das richtige Vorgehen ist auch hier die Polizei einzuschalten, oder zumindest auf die Rückkehr des anderen Fahrers zu warten.

Nach Angaben der Polizei wähnen sich sehr häufig die Unfallverursacher unbeobachtet und ergreift daher die Flucht. Eine Täuschung, wie sich immer wieder herausstellt. Denn viele Unfallfluchten werden von Zeugen beobachtet, die im Anschluss die Polizei verständigen und durch Berichte zur Festnahme des Täters beitragen.

Aus Sicht der Polizei ist allerdings ein trauriger Trend zu beobachten: "Leider ist eine stetig steigende Zahl der Unfallfluchtfälle zu beobachten. Im Vergleich zum Jahr 2014 stieg dieser Wert in 2015 um sechs Prozent an."

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Kommentare (8)
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  •   Vector
    (808 Beiträge)

    12.05.2016 13:42
    Das letzte Woche
    mit dem Mann auf der A5 kann man fast nicht glauben.

    Ich überfahre einen Menschen und laber was von Wildunfall. Natürlich kann niemand auf der Autobahn innerhalb der Reichweite des Abblendlichts anhalten, aber ich seh trotzdem wo ich drüberfahr. Und selbst wenns ein Tier war halte ich ja wohl an und guck zumindest ob mein Auto was abgekriegt hat.
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  •   Avatar
    (997 Beiträge)

    12.05.2016 15:07
    Das war nicht nur letzte Woche auf der A5 so
    Das kannst Du fast wöchentlich oder sogar täglich mittlerweile lesen. Da werden Menschen angefahren und überfahren und dann wird weitergefahren . U. a. waren das auch am hellichten Tag auf dem Dorf siebenjährige Kinder usw. Das merkt man. Alles andere ist gelogen. Selbst wenn jemand einen Schock hat und weiterfährt, dann gebietet es der Anstand sich später bei der Polizei zu melden. Schliessli h zahlt die Versicherung den Schaden und der Geschädigte kann vielleicht auch eine bessere Behandlung erhalten. zumal auch oft die ersten Minuten nach einem Unfall die wichtigsten sind, wenn es um lebensrettende Maßnahmen geht.
    Meiner Ansicht nach hat so ein Mensch kein Gewissen, keine Skrupel und kein Verantwortungsgefühl und sollte auch künftig mit einem Fahrzeug nicht mehr auf die Gesellschaft losgelassen werden.
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  •   Lana
    (149 Beiträge)

    12.05.2016 09:18
    Bin selber 2 mal Oper geswesen
    Seitdem zücke ich sofort das Handy wenn es "Kracht" und mache Bilder von Nummernschlid, Auto, dann sofort Telefonischer Polizeiruf und warte auf den Geschädigten.

    Wer ZWEIMAL auf seinen Schaden einmal 2600€ und einmal 1900€ durch Fahrerflucht sitzengeblieben ist, wird SO.

    Die Strafen sind noch zu Milde bei Fahrerflucht.

    Jeder ist heute Versichert oft mit Rabattschutz / Rabattretter da habe ich kein Verständniss dafür.

    Das ist ein Tolles GEFÜHL an seinen Ramponierten Wagen zu stehen.

    Den Scchaden zahlt man selber oder wird durch die Versicherung beglichen. Da wird man dann aber hochgstuft !

    +++Teile von der Redaktion entfernt+++

    Ich zeige EUCH SOFORT an, mit Erfolgen !

    Es sollte selbstverständlich sein, wenn man was beschädigt , dass man dafür gerade steht.
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  •   Lana
    (149 Beiträge)

    12.05.2016 09:33
    Das Symbolbild
    So sahen meine beiden Autos auch aus, sogar etwas "welliger".

    Denn Unfall hat der Flüchtige auch gehört, bzw. sein Auto ist auch Defekt.

    Dann weiterfahren.....

    Selbst bei einem Aussenspiegel aktueller Fahrzeuge sind gleichmal 1000€ Schaden vorhanden....
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  •   Lana
    (149 Beiträge)

    12.05.2016 09:25
    Uuups
    Oper ? OPFER natürlich.
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  •   GrummelBummel
    (6 Beiträge)

    12.05.2016 09:05
    Autos raus
    Am besten alle Autos aus Karlsruhe verbannen 😜
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  •   FinnMcCool
    (53 Beiträge)

    12.05.2016 10:49
    Autos verbannen?
    Was hat das damit zu tun? Wenn man einen Unfall hat, dann hat man gefälligst darum zu kümmern. Unfälle passieren und sind kein Beinbruch. Außer natürlich man fährt "unter Einfluß", dann ist es natürlich ein Problem. Aber wer so fährt, der hat ohnehin ein anderes Problem.
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  •   Laetschebachschorsch
    (2760 Beiträge)

    12.05.2016 07:42
    Ist doch klar
    Die Wahrscheinlichkeit zu Rechenschaft gezogen zu werden ist doch gering, wenn nicht zufällig ein Zeuge, der auch was sicher gesehen hat, (z. B. die Großfamilie) zur Verfügung steht.
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