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Karlsruhe Karlsruher Wutkinder wollen mitreden: "Erwachsene sind wie Stuttgart 21"

Rund 100 Kinder demonstrierten am Donnerstagmittag lautstark vor dem Karlsruher Rathaus für mehr Mitbestimmung. Sie forderten zudem ihren eigenen Slogan für Karlsruhe: "Viel vor nix dahinter. Das war gestern". Denn was die Erwachsenen schon seit vielen Monaten versuchen, nehmen die Kinder jetzt selbst in die Hand: Sie wollen einen geeigneten Spruch für Karlsruhe finden. Die Aktion "Dein Spruch für Karlsruhe" wird von der Stiftung Hänsel+Gretel koordiniert.

"Unsere Stimme zählt! Euer Spruch wird abgewählt!", skandierten die etwa 100 Kinder vor dem Karlsruher Rathaus. Mit Plakaten, Trillerpfeifen und Trommeln machten die Wutkinder auf sich aufmerksam.

"Erwachsene sind wie Stuttgart 21 - ausbaufähig"

Emily (10) ist direkt nach der Schule auf den Marktplatz gekommen. "Wir wollen mehr Rechte für Kinder. Die Erwachsenen sollen die Kinder ernst nehmen", fordert sie und streckt ihr Plakat "Wir sind dabei, wir helfen Karlsruhe" in die Höhe.

"Erwachsene sind wie Stuttgart 21 - ausbaufähig" steht auf dem Schild von Jonathan. Der 11-Jährige kritisiert: "Der Stadtslogan wurde von Erwachsenen ausgesucht, ohne die Kinder zu fragen. Das ist nicht okay." AuchRobin (11) findet: "So geht es nicht. Kinder müssen mitbestimmen. Der Spruch sollte für alle gültig sein." Daher schlägt Robin den Stadtslogan "Karlsruhe - alt und jung vereint" vor.

Jerome Braun von der Stiftung Hänsel+Gretel, die die Kampagne koordiniert, rief den Kindern durchs Megafon zu: "Auf der Suche nach dem Slogan für Karlsruhe hat man die Kinder nicht gefragt. Das ist nicht kinderbewusst und darum haben wir die Kampagne: 'Dein Spruch für Karlsruhe' ins Leben gerufen." Generell müssten Kinder stärker mitbestimmen dürfen, was in ihrer Stadt passiert, betonte Braun unter dem Beifall der Kinder. "Viel vor, nichts dahinter - hört auf Eure Kinder", rufen diese in Richtung Rathaus.

Margret Mergen verspricht: "Wir werden auch eure Vorschläge berücksichtigen"

Der Radau blieb auch von Erster Bürgermeisterin Margret Mergen nicht unbemerkt. Sie stellte sich der protestierenden Kindergruppe: "Wir wollen mit dem Spruch vor allem erreichen, dass nicht nur die Menschen in Karlsruhe, sondern die Menschen in der ganzen Welt wissen, was für eine tolle Stadt Karlsruhe ist." Sie ermunterte die Kinder dazu Vorschläge zu machen: "Überlegt Euch: wofür steht Karlsruhe? Was erzählt ihr euren  Freunden außerhalb von Karlsruhe über eure Stadt?" Das Weiteren versprach Mergen: "Wir werden auch eure Vorschläge bei der Suche nach einem neuen Slogan berücksichtigen."

Ab sofort können Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) unter www.dsfka.de Vorschläge posten und Videos hochladen. Eine Jury - bestehend aus Kindern und genauso vielen Erwachsenen - wird Anfang April aus den vorgeschlagenen Sprüchen einen Gewinnerslogan auswählen und offiziell der Stadt übergeben. Darüber hinaus wird der Gewinnerslogan bis zum Sommer auf einer Straßenbahn durch Karlsruhe seine Runden ziehen. Für alle, die sich beteiligen, wird es auch eine "Sprücheklopfer-Party" geben. Die Aktion startet am Donnerstag, 31. Januar, und endet am Samstag, 16. März.

Ein weiterer Schritt bei der Forderung nach mehr Mitbestimmung ist ein Schul-Streik am Freitag, 8. Februar. Alle Kinder in Karlsruhe sind aufgerufen, für eine Minute die Stifte, Schaufeln, Bauklötze und Bücher niederzulegen und für mehr Mitbestimmung zu demonstrieren.

Stadtmarketing sucht nach neuem Slogan

50.000 Euro hatte die Stadt Karlsruhe einer Berliner Agentur bezahlt, damit diese auf Basis einer Marktanalyse einen neuen Stadtslogan erarbeitet, der den aktuellen Slogan "Karlsruhe - viel vor. viel dahinter." ablösen soll. Doch der Slogan "baden in ideen." kam bei den Karlsruhern überhaupt nicht gut an. Der neue Stadtslogan sollte im Juli 2012 auch im Gemeinderat diskutiert werden. Aufgrund der ablehnenden Reaktionen aus der Bevölkerung und dem Gemeinderat strich Oberbürgermeister Heinz Fenrich den Punkt bereits im Vorfeld von der Tagesordnung.

Auch ka-news hatte damals die Leser aufgerufen, Vorschläge für einen neuen Slogan zu schicken. Bei der anschließenden Umfrage gewann ein Vorschlag, der gleich von mehreren Lesern gemacht wurde: "Karlsruhe - breit gefächert". Gegenüber ka-news versprach das Stadtmarketing, die Vorschläge der ka-news-Leser bei der Suche nach einem neuen Slogan zu berücksichtigen.

Der Aufsichtsrat der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH will 2013, unter Führung des neuen Oberbürgermeisters, mit einem für alle offenen Wettbewerb die Suche nach einem geeigneten Stadtslogan neu starten.

Mehr zum Thema:

"Karlsruhe - breit gefächert" - Diesen Slogan wollen die ka-news-Leser

"Karlsruhe - baden in ideen": Geht der Slogan bei den Bürgern baden?

"Karlsruhe - baden in ideen": Karlsruhe bekommt neuen Werbe-Slogan

"Karlsruhe - viel vor. viel dahinter": Werbeslogan auf dem Prüfstand

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Kommentare (37)
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  •   korrekt
    (85 Beiträge)

    01.02.2013 13:41
    Rote Karte für Hänsel und Gretel !
    Hänsel + Gretel initiiert und unterstützt Kinderschutzprojekte, die missbrauchten Kindern direkte und indirekte Hilfe bieten, steht auf der Homepage der Stiftung. Wer schützt die Kinder vor Hänsel + Gretel ? Klar müssen Geschäftsführer und Werbeagentur bezahlt werden, und die Stiftung im Gespräch bleiben. Aber bitte keine Plakate fertigen und zusammen mit Sprüchen den Kindern aufs Auge drücken.
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  • 0
    unbekannt
    (4144 Beiträge)

    01.02.2013 14:43
    Ich habe mir auch schon ueberlegt,
    welches Kinderschutzprojekt hinter dem evtl. Stadtslogan steckt?
    Das waere in etwa so wie wenn der Tierschutzverein fuer die Homoehe demonstriert.
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  •   andip
    (8036 Beiträge)

    01.02.2013 12:13
    Oh je
    Jetzt wagen es Kinder mal auf sich aufmerksam zu machen und schon wird über sie hergefallen und denen alles mögliche unterstellt.
    So naiv und desinteressiert wie mancher von den Kommentaren hier sind Kinder nicht.
    OK,es gibt allerdings wirklich wichtigere Themen als ausgerechnet sich über den Stadtslogan zu sorgen.
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  •   runsiter
    (11979 Beiträge)

    01.02.2013 12:17
    Wenn es
    eine Kinderdemos für den Bolzplatz in der Nachbarschaft wäre oderso was in die Richtung, dann könnte man das ernst nehmen.

    Aber Stadtslogan? Den Floh hat denen doch so ein doofer Erzieher ins Ohr gesetzt. Und warum muss man Kinder dazu erziehen, schon frühzeitig gegen oder für jeden Käse zu demostrieren?
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  •   auchmalsenfdazu
    (2992 Beiträge)

    01.02.2013 10:43
    in dem Alter
    war ich täglich auf dem Bolzplatz und hab mich nen Dreck um irgendwelche Bauprojekte oder Stadtslogans gekümmert.

    Ich hatte aber auch kein Internet, kein Smartphone und keine Playstation

    Und das ist auch gut so !!!

    Eigentlich können die Kinder von heute einem leid tun. Mit Freunden telefoniert man nicht oder trifft man nicht, man schreibt über Facebook.

    Die Gewalt und das Mobbing wird immer schlimmer (Handyvideos etc.) und Werte bekommen viele auch nicht mehr vermittelt. Meistens sind in der StraBa alle Plätze mit Schülern belegt, wenn da mal eine ältere Person einsteigt, steht da niemand mehr freiwillig auf, wie ich das z.B. mal beigebracht bekommen habe.

    Und viele Eltern wollen ihre Kinder zu Superkindern erziehen, die alles können und das möglichst früh.
    Schwimmen, Tennis, Musikinstrumente spielen, Judo etc. wird alles in den Wochenplan gepackt, die Kindheit bleibt auf der Strecke.
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    01.02.2013 12:26
    Ich war schon....
    beim Babyschwimmkurs der Beste! Der Rest ist abgesoffen...
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  • 0
    unbekannt
    (479 Beiträge)

    01.02.2013 12:07
    @auchmalsenfdazu
    meine volle Zustimmung, und ganz schnell das überbezahlte Stadtmarketing abschaffen, von dem Geld könnte man einige Spiel-und Bolzplätze bauen
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  • 0
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    01.02.2013 11:55
    Recht haste,
    Kinder sind Kinder und sollen spielen und ihre Kindheit geniessen können. Ernst wirds früh genug.

    10-jährige haben keine eigene Meinung, zumindest nicht zu Erwachsenenthemen.
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  •   Waterman
    (5787 Beiträge)

    01.02.2013 10:23
    Statt einfach zum Spielplatz zu gehen, mal was anderes:
    Aktionspartner und Stiftungziele:

    "Kinder sind beispielsweise keine kleinen Erwachsenen, aber sie werden oft als solche behandelt. Kinder dienen nicht der Selbstverwirklichung von Erwachsenen. Sie sind Persön-lichkeiten mit einem eigenen Anspruch auf Verwirklichung der Begabungen und Talente, die ihnen in die Wiege gelegt wurden.

    Kinder haben Anspruch auf Hilfe, auf Achtung und Respekt vor ihren Rechten. Sie lernen auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden, dass jede Freiheit auch Verantwortung für andere beinhaltet. Sie entwickeln soziale Fähigkeiten und Kommunikation, wenn sie eine Anleitung dazu erhalten."
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  •   Elim_Garak
    (290 Beiträge)

    01.02.2013 09:09
    Die nächsten 2
    Hartz-4 Dauerempfänger werden also Emily und Jonathan heissen. Glückwunsch.
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