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Karlsruhe Karlsruher Fußballtradition: KFV will zurück in die Heimat

Er hat zweifelsfrei eine lange Tradition und muss doch um seine Existenzberechtigung kämpfen: Der Karlsruher Fußballverein (KFV). Deutscher Meister 1910, ältester Fußballverein Süddeutschlands und Heimatverein zahlreicher Fußballpioniere - historisch gesehen ist der KFV Fußball-Kult. Heute, wo die großen Erfolge eine ganze Weile her sind, backt der Verein kleinere Brötchen - und hat dabei vor allem einen großen Wunsch.

Der Verein hat nach dem finanziellen Kollaps 2004 mittlerweile einen Neuanfang gewagt. Seit 2007 spielt er wieder in der untersten Amateurklasse mit und vermeldet dabei durchaus Erfolge. So hat sich die Zahl der Spieler mittlerweile verdoppelt, die Führung hat neue Ideen - wie zum Beispiel die Gründung von Jugendmannschaften oder auch einer Damenauswahl. Demgegenüber steht die Tatsache, dass der KFV nunmehr seit Jahren ohne eigene Sportanlage ist.

Stadtverwaltung ging von Ende des Vereins aus

Deshalb mietet der Verein für jede Spielzeit einen anderen Platz - ab nächster Saison spielen die Mannschaften auf dem Gelände der Olympia Hertha Karlsruhe am Adenauerring. "Dieser erneute Platzwechsel ist beispielhaft für unser Beduinendasein: Seit unserem Heimatverlust mussten wir leider schon diverse Stationen einlegen", klagt Steffen Herberger, Vorsitzender des Vereins, gegenüber ka-news.

Doch: Wie konnte es soweit kommen? Im Jahr 2004 war der Verein auch nach der Zahlungsunfähigkeit weiter im Vereinsregister eingetragen und damit nie aufgelöst. Damals stand der Verein vor einem finanziellen Scherbenhaufen mit Verbindlichkeiten von über 280.000 Euro. Die heutige Vereinsführung räumt ein: "Dies war das Ergebnis von selbst verschuldeter, jahrzehntelanger Misswirtschaft." Im Anschluss ging die Stadtverwaltung von der Auflösung des Vereins aus.

Das traditionsreiche Sportgelände "Stadion an der alten Telegrafenkaserne" fiel als Erbpacht an die Stadt zurück. In dem Stadion, das bis dato 99 Jahre die sportliche Heimat des Vereins war, konnte die deutsche Nationalmannschaft den ersten Sieg ihrer Geschichte erringen. Was passierte nach der der Insolvenz des KFV im Herbst 2004? Auf Anfrage von ka-news erklärt eine Sprecherin der Stadt: "Für die Stadt stellte sich damals die Frage nach der künftigen Nutzung des Areals, also die Verwertung des Geländes."

Stadt will mit Verein sprechen

Also wurde ein Teil des Areals an den Mieter- und Bauverein für den Bau eines Altenheims verkauft. Weitere Flächen wurden an den FC West sowie die westliche Fläche an den Tennisclub West vermietet. KFV-Vorsitzender Herberger sagt heute dazu: "Zurück blieben zwei Verlierer: Der Karlsruher Fußballverein und die deutsche Fußballgeschichte." Seit der Neuaufstellung vor sieben Jahren ist der Verein nun "sportlich heimatlos", wie die Verantwortlichen es ausdrücken. Außerdem verlangten die vermietenden Vereine horrende Platzmieten - nicht zu stemmen für den Club.

Deshalb sucht er nun nach Lösungen: So haben sich die Verantwortlichen längst an die Stadt gewandt, um Lösungen zu suchen. Denn die Tribüne des alten Stadions wurde zwar abgerissen. Der traditionsreiche Fußballplatz existiert jedoch weiterhin - und dahin will der Verein zurück. Die Sprecherin der Stadt erklärt: "Der KFV hat sich Mitte Juni nun erneut an OB Mentrup und Bürgermeister Lenz gewandt, mit der Bitte, ihn in seinem Bemühen, an seine ehemalige Wirkungsstätte zurückzukehren zu unterstützen. Welche Möglichkeiten es für eine Spielstätte des Vereins dort oder anderswo gibt, möchte die Stadt in Gesprächen mit dem Verein ausloten." Der Wunsch des KFV nach Heimat, er scheint zumindest wieder auf dem Plan zu stehen.

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