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Karlsruhe "Karlsruhe - baden in ideen": Geht der Slogan bei den Bürgern baden?

Der neue Leitspruch "Karlsruhe - baden in ideen", mit dem die Fächerstadt weltweit für sich werben möchte, ist noch nicht offiziell verabschiedet und löst schon rege Diskussionen aus. Auch die ka-news-Leser sparen keineswegs mit Kritik. "Der Spruch hat nichts mit Karlsruhe zu tun" und "Ideen gehen baden" kommentieren sie. ka-news hat nachgefragt, wie das Stadtmarketing mit der Kritik umgeht und ob der Gemeinderat den Claim noch kippen kann.

Ein wenig enttäuscht ist Erste Bürgermeisterin Margret Mergen schon über die negativen Reaktionen auf den neuen Leitspruch beziehungsweise Claim "Karlsruhe - baden in ideen." "Schade, ich hätte mir gewünscht, dass sich die Menschen positiver äußern", bekennt sie. Dabei hätte sie in persönlichen Gesprächen auch viele positive Meinungen gehört.

"Begeisterung muss wachsen"

Mergen vermutet, dass vor allem jüngere Leute die Verortung "Karlsruhe" und "baden" nicht wichtig sei. Doch gerade das sei ein Pluspunkt für die Stadt. "Ich setze darauf, dass die Menschen den Claim erstmal setzen lassen und sich doch noch mit ihm anfreunden. Vor allem dann, wenn die Kampagne dazu 2013 startet", hofft sie. Diese sei unbedingt notwendig, um ihn mit Leben zu füllen. "Es wäre ja auch zu viel verlangt, wenn man Karlsruhe mit drei Worten komplett erfassen wollte", betont Mergen.

"Begeisterung muss wachsen", ist sie zudem sicher. Diese sei beim alten Leitspruch "viel vor. vie dahinter." zu Beginn bei vielen auch nicht groß gewesen. Doch der Spruch habe nun ausgedient. Nur wenige Bürger hätten den Wunsch geäußert, dass er bleiben soll. Der Zeitpunkt für einen neuen Slogan sei jedenfalls optimal. Schließlich wolle sich Karlsruhe im Rahmen seines 300. Geburtstags national und international neu positionieren. "Der neue Claim ist wesentlich näher an Karlsruhe dran", findet die Erste Bürgermeisterin.

Slogan will komplexe Botschaft auf den Punkt bringen

Auch Norbert Käthler, Geschäftsführer des Stadtmarketings Karlsruhe, habe "jede Menge positive Kommentare" zum neuen Slogan bekommen. "Wenn ein neuer Slogan auf den Weg gebracht wird, ist es nicht überraschend, dass er ernsthaft diskutiert wird", sagt er. "Wenn niemand darauf reagiert hätte, dann hätte ich mich schon gefragt, ob wir alles richtig gemacht haben", gibt er zu.

Dass genau das geschehen ist, davon ist Käthler überzeugt. "Der Slogan ist das Ergebnis eines sehr komplexen Markenbildungsprozesses", erklärt er. Für diesen sei ein sauberes, professionelles Vorgehen notwendig. Diesem sei das Stadtmarketing gemeinsam mit seinen Partnern nachgegangen. Bereits im vergangenen Jahr habe sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus unter anderem Karlsruher Bürgern, politischen Vertretern und Mitarbeitern des Stadtmarketings mit der Bildung eines neuen Slogans befasst.

Auch Marketingchefs aus Karlsruher Firmen seien an maßgeblicher Stelle an diesem Prozess beteiligt gewesen, betont Käthler. Schließlich gehe es darum, eine komplexe Botschaft mit den vier Karlsruher Kernthemen "Demo­­kra­tie und Recht", "Kunst und Kultur", "Tech­no­lo­­gie und Wissen­­schaft" und "Lebens­qua­­li­tät" in einigen wenigen Worten auf den Punkt zu bringen.

Wortmarken wirken subtil - nicht auf den ersten Blick erfassbar

Hinter der Schreibweise des Slogans, die zahlreiche ka-news-Leser nicht nachvollziehen konnten, stecke seine Doppeldeutigkeit. "Slogans funktionieren immer als Marken", erläutert Käthler. "Die Wortmarken funkionieren wiederum über ihre Schreibweise." Die tiefere Bedeutung einer solchen Marke sei nicht auf den ersten Blick erfassbar, sondern wirke subtil. "Die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben die Doppeldeutigkeit verstanden", betont er.

Ob der Slogan die Stadt auf Plakaten bald zieren wird, ist noch nicht hundertprozentig klar. Rein theoretisch könnte ihn der Gemeinderat in seiner Sitzung am 24. Juli noch kippen. Davon gehen Käthler und Mergen aber nicht aus. Vom Aufsichtsrat des Stadtmarketings, dem auch verschiedene Stadträte angehören, hätten sie positive Zeichen erhalten. Deshalb seien sie guter Dinge, dass das Stadtparlament dem Leitspruch mehrheitlich zustimmt. Die negative Kritik findet Norbert Käthler jedenfalls nicht schlecht: "Ich finde gut, dass der Slogan polarisiert. Das zeigt, dass er durchaus trifft."

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  • 0
    unbekannt
    (172 Beiträge)

    18.07.2012 19:23
    50.000,-€
    Zu was brauchen wir ein Stadtmarketing, wenn die Verantwortlichen nicht einmal in der Lage sind eigene Ideen einzubringen, oder doch wenigstens die Karlsruher Bevölkerung an einer Findung zu beteiligen. Dafür muss erst eine Berliner Firma für fünfzigtausend Euro einen nichtssagenden Spruch kreiren.
    Schwächer geht's nicht!
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  •   Wilde13
    (78 Beiträge)

    12.07.2012 22:09
    Karlsruhe - Hä?
    Sagen wir mal so: wenn jetzt nurmal so för spass (wie der Rheinländer sagt) einer an Karlsruhe vorbeifährt und den Spruch liest, dann soll er doch auf die Bremse treten wollen und gleich die nächste Abfahrt raus nach Karlsruhe reinfahren wollen, um sich dort eine Arbeit zu suchen, eine Firma zu gründen oder einfach nur, weil er dort gerne wohnen möchte.

    Wenn er aber den Spruch (sorry, den Claim)"baden in ideen" im vorbeifahren liest, dann wird er zwar dessen Doppeldeutigkeit bis zur nächsten Abfahrt erkannt haben, der Grund für diesen unfertigen Spruch (sorry, Claim) bleibt ihm aber trotzdem verschlossen, denn dieser muss sich ja erst mal setzen, was ja durchaus gewollt ist, wie ich oben lese.

    Vielleicht wirkt er ja dann tatsächlich unterschwellig weiter. Unterschwellig wird er vermutlich eine Art Hä?-Gefühl erzeugen. Der an Karlsruhe vorbeigefahrene wird also unterschwellig Karlsruhe mit Hä? verbinden. Wenn er dann in Freiburg angekommen ist, wird er sich lieber dort niederlassen.
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  •   Neutrino
    (754 Beiträge)

    10.07.2012 21:40
    Claim: "Internet und Recht und Neuheit" - gesungener Werbespot...
    ...zur Melodie der Nationalhymne - falls das nicht gleich als deren Verunglimpfung angesehen wird. Als Gage nehme ich schlappe 10.000.-Euro für 3 Minuten Nachdenken grinsen
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  •   todi01
    (1026 Beiträge)

    10.07.2012 21:36
    Karlsruhe - ein Fächer voll Ideen
    Besser als B/baden, und gefällt mir auch besser als das - eigentlich nicht schlechte - "breit gefächert".
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  • 0
    unbekannt
    (139 Beiträge)

    10.07.2012 21:32
    schon wieder sehr viel Geld
    für völlig unnützen sogenannten externen Sachverstand. Geld, das anderweitig dringend gebraucht wird. Man sollte mal auflisten, wie viel Geld die Stadt direkt und zusammen mit der Vielzahl der städtischen Gesellschaften und Beteiligungen für "externen Sachverstand" derzeit jährlich ausgibt, an statt den Sachverstand der eigenen Mitarbeiter anzuzapfen und zu nutzen. Auch eine vergleichende Auflistung: Ausgaben vor 5, 10, 15 und 20 Jahren wäre sicher sehr erleuchtend. Die Vielzahl der externen Beauftragungen hat, wie ich empfinde, nur einen Grund: Die Führungsschicht glaubt keine eigene Verantwortung übernehmen zu müssen, sie kann ja immer auf irgendwelche externen Experten, Gutachter, Berater... verweisen. Für die eigene Behörde oder Gesellschaft, deren Mitarbeiter und deren Handeln und Tun ist die Führungskraft verantwortlich, externe Berater dagegen gewähren (gefühlt) Entlastung, ja fast einen Freibrief.
    Welcher Gemeinderat nimmt sich dieser Problematik endlich an?
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  • 0
    unbekannt
    (139 Beiträge)

    10.07.2012 21:37
    Sorry,
    muss natürlich 'Stadtrat' heißen. Gemeinderat ist das Gremium, der 'Stadtrat' die Person, die aktiv werden könnte.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    10.07.2012 19:55
    der einzige
    brauchbare Claim für Karlsruhe ist "Karlsruhe".

    Karlsruhe ist keine Weltmetropole (zum Glück), aber in D sind nur 20 Städte größer als Karlsruhe. Da reicht der Name alleine.

    Egal welche drei bis fünf Worte man wählt, um sie hinten anzuhängen, man wird dadurch niemanden in die Stadt bewegen, der nicht auch so kommen würde. Was müsste das auch für eine Däpp sein "oh, oh, baden in ideen, da will ich sofort hin". Und wer mal da war, der verbindet mit Karlsruhe nur ein Wort, und das ist "Karlsruhe" und nicht "Karlsruhe - noch'n Spruch, Kieferbruch" oder was weiß ich.

    So ist es, so und nicht anders liebe Gemeinderatsmitglieder, egal was irgendwelche Marketing-Fritzen euch einreden wollen. Oder steht am Stadtrand von New York ein Schild "New York - Money Money Money!"?
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  •   Waterman
    (5787 Beiträge)

    10.07.2012 20:30
    Da steht: the big apple
    Ein Spitzname für die Stadt, vom dortigen Stadtmarketing irgendwann offiziell gemacht.

    Meine Unterstützung hast Du: Karlsruhe war eine geniale Wortschöpfung des Gründers.

    Soll man sich darauf konzentrieren.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    11.07.2012 00:20
    eben
    "ein Spitzname, aus der Bevölkerung, irgendwann offiziell gemacht". Das kommt an, weil es schon da ist und es koschd nix.
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  • 0
    unbekannt
    (101 Beiträge)

    10.07.2012 19:26
    International? Über die Grenze hinweg und so?
    Karlsruhe - A hot tub full of ideas...

    Lol! How international is that? I laugh me kaputt...
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