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Karlsruhe Happy Birthday, Benny! Wie ein Schimpanse im Karlsruher Zoo landete

Schimpasen-Männchen Benny kam als Jungtier 1970 in den Karlsruher Zoo. Heute begeht der Stadtgarten den 50. Geburtstag des Primaten. Noch immer gibt es viele Lücken in Bennys Biographie. In die Fächerstadt kam er auf ungewöhnliche Art und Weise.

Ein grauer Bart und rosafarbene Pigmentflecken - an diesen Merkmalen lässt sich Benny schnell erkennen. Der männliche Schimpanse lebt bereits seit 47 Jahren im Zoologischen Stadtgarten der Stadt Karlsruhe. Hier wird sein 50. Geburtstag in dieser Woche gefeiert. Es handelt sich allerdings nur um ein geschätztes Alter, denn vieles an Bennys Geschichte ist bis heute nicht eindeutig geklärt. 

Schimpansen in Pullovern und Kinderwagen

Die Geschichte des Schimpansen in der Fächerstadt beginnt im Jahre 1970. Bei seiner Ankunft hält der Zoo seit rund zwei Jahren erstmals nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Menschenaffen. Zunächst lebt ein Trio in der Fächerstadt: Dschingo, Emma und Mizzi. 

Schimpanse Dschingo
"Dschingo", bekleidet mit Babyjäckchen und Latzhose, aus einer Milchflasche trinkend (1968) | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A16/125/6/27

Der Umgang mit dem Affen-Trio war damals freilich ein anderer als heute. Fotos zeigen, wie die Schimpansen in menschliche Kleidung gesteckt und in Kinderwagen durch den Stadtgarten gefahren wurden. Die drei wurden dann auch das ein oder andere Mal bei öffentlichen Terminen präsentiert, wie etwa bei einer Scheckübergabe mit der Karnevalsgesellschaft.  

Schimpansen im Karlsruher Zoo
Der Präsident der Großen Karnevalsgesellschaft Karlsruhe, Hans Leppert (rechts), mit einem Schimpansenmädchen auf dem Arm bei der Übergabe eines Schecks an Zoodirektor Karl Birkmann. Karl Birkmann mit Dschingo auf dem Arm. Das Bild entstand 1969. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A17/72/1/41

All das ist heute nicht mehr denkbar- ebenso wenig wie die Herkunft der Primaten. Clemens Becker, der stellvertretende Leiter des Karlsruher Zoos, erinnert sich: "Es war damals nicht unüblich, dass Privatleute die Zoowelt mit Tieren versorgt haben." Ein Umdenken habe erst in den 70er Jahren eingesetzt. Heute würden die Tiere nicht mehr der Wildnis entnommen, sondern stammten aus Erhaltungszuchtprogrammen. 

Mit dem Flugzeug von der Elfenbeinküste in die Fächerstadt 

Auf diesem Weg kommt auch Benny 1970 in die Fächerstadt. Angekündigt hatte man ihn als neun Monate altes "Schimpansen-Baby". "Ausgehend von seinem Aussehen und seinem damaligen Habitus war Benny aber eher drei alt, als er zu uns kam", erklärt Becker. Daher schätzt der Zoo, dass Benny 1967 geboren wurde und inzwischen das 50. Lebensjahr erreicht hat. Zoologen rechneten damit, dass Schimpansen maximal 60 Jahre alt werden

Ebenfalls nicht dokumentiert ist der genaue Geburtsort des Schimpansen-Oldies. Für einen Wildfang sei das nicht ungewöhnlich, erklärt Becker. Auch der Geburtsort von Schimpasen-Dame Sophie ist beispielsweise nicht dokumentiert. Bekannt ist nur, dass Benny am 31. August 1970 von der Elfenbeinküste nach Karlsruhe geholt wurde. Etwa ein Jahr zuvor war Mizzi an einer Lungentzündung gestorben, "Benjamin" sollte das Schimpasen-Trio wieder komplettieren. 

Schimpansen aus dem Karlsruher Zoo
Die Schimpansen Mizzi (links), Emma und Dschingo nach ihrer Grippeschutzimpfung beisammen sitzend. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1969. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A18/133/3/02

In einem Medienberichten aus der Zeit wird berichtet, dass Benny per Luftfracht "ohne Vorwarnung" nach Karlsruhe kam. Ein Kollege aus München habe den damaligen Zoo-Direktor Karl Brinkmann auf Benny aufmerksam gemacht, schildert Becker. Nach Benny sollten noch weitere Schimpansen im Karlsruher Zoo kommen und gehen: Moni (1973), Dodo (1971) und Sophie (1978). 

"Ein charaktervoller, liebenswürdiger Schimpanse" 

Die Schimpansen-Männchen Dodo und Dschingo sollten den Zoo in den folgenden Jahren verlassen. Seither lebt Benny allein mit den Schimpansen-Damen im Zoologischen Stadtgarten. Nach 1970 stand der große Umzug in das neu gebaute Affenhaus an, in dem er auch heute noch mit Katche und Sophie lebt. Mit Nachwuchs wollte es in all den Jahren nicht klappen. 

Bau des Affenhauses
Bau von drei achteckigen, ineinaner greifenden Außenkäfigen für die Schimpansen im Karlsruher Zoo im Jahr 1974,. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A27/06/4/14

Becker und Benny kennen sich nun bereits seit 1985. Wenn der stellvertretende Zoo-Chef über Benny spricht, bezeichnet er ihn als Kamerad und Freund. Oft zeige Benny mit seinem Revierverhalten ganz klar, wer der Boss sei, so Becker. Und dennoch: "Ich halte ihn für einen charaktervollen und liebenswerten Schimpansen."  

Zoo feiert 50. Geburtstag - Tierschützer üben Kritik

Am heutigen Donnerstag soll nun die große Geburtstagsfeier für den vermutlich 50 Jahre alten Benny im Zoologischen Stadtgarten steigen. Neben Becker wird auch Bürgermeister Michael Obert an der Feier teilnehmen. 

Doch nicht alle sind von der Veranstaltung begeistert. Tierschützer des "Great Ape Projects" kritisieren auf Facebook die geplante Feier. Das "Great Ape Project" ist eine internationale Initiative, die mehr Schutz und Rechte für Menschenaffen einfordert. Sie werfen dem Karlsruher Zoo vor, Benny in einem "vollverfliesen Beton-Bunker" zu halten. Seinen 50 Geburtstag bezeichnen die Tierschützer als "Tag der Schande". 

Der stellvertretende Zoo-Chef Becker kennt diese Kritik, obgleich er sie nicht teilt. Ein gefangenes Tier sei Benny nicht, so Becker im Gespräch mit ka-news, "das zeigt sein Verhalten." Der stellvertretende Zoo-Chef ist davon überzeugt, dass man Benny schade, wenn man ihn nach so langer Zeit aus seinem gewohnten Umfeld reiße. 

 

Sie wollen mit dabei sein bei der Geburtstagsfeier für Benny? Ab 14.30 Uhr dürfen auch Besucher beim Affenhaus dabei zusehen, wie Benny "eine besonders leckere Geburtstagsüberraschung" erhält. ka-news ist vor Ort und wird berichten. 

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Kommentare (7)
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  •   smuudo
    (204 Beiträge)

    Affenstall
    Das Primatengehege im Karlsruher Zoo und speziell das der Schimpansen (Innen Gehege) ist meines Erachtens dem Affen nicht würdig. Immer wieder ekelt mich das Gehege an. Dieser gelbliche Kunststoff Belag mit den angedeuteten Erhöhungen, in dessen Sohle sich die Pisse der Äffchen sammelt ist nur widerlich. Keinerlei vergleich mit dem Außen Gehege, wobei man leider ganz selten die Schimpansen im Außenbereich sichten kann. Selbst beim schönsten Wetter nicht. Hier muss unbedingt etwas umgestaltet werden... Was spricht gegen ein bisschen mehr Regenwaldatmosphäre im Innen Gehege? Ich helfe auch gerne mit!
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  •   Rambazamba
    (237 Beiträge)

    Primaten im Zoo
    Mir tun die Primaten unendlich leid. Ich sitze vor der Glasscheibe und wir schauen uns an. Ich kann aufstehen und gehen, jederzeit, wohin ich will. Die Affen sitzen weiterhin hinter Glas, immer unter Beobachtung, fast nie alleine. Es ist Sonntag, es ist laut. Kinder klopfen gegen die Scheiben. Der Affe dreht sich einfach um. Aber der Lärm bleibt. Primaten gehören nicht in Zoos. Sie - und ihre Bedürfnisse - sind den Menschen zu ähnlich. Es müssten Reservate angelegt werden, wo sich die Tiere bewegen können, mit den Artgenossen interagieren, mit denen sie wollen, Gruppen bilden, ihr soziales Verhalten ausleben.
    Das es für Benny zu spät ist, glaube ich nicht. Ich halte es für eine willkommene Ausrede, dass man es gar nicht erst versuchen will. Natürlich ist die große Freiheit (Wildnis) keine Option, aber alleine das ist besser, als Kacheln und Glas: https://www.youtube.com/watch?v=yR6EAKH6bvwAffen zum ersten Mal draußen
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  •   ka-lex
    (1512 Beiträge)

    Great Ape Projects
    Ob man mit offensichtlichen Lügen was erreichen kann?
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  •   maehdrescher
    (563 Beiträge)

    Afrikanische Altersangaben
    Angekündigt als neun Monate alt, tatsächlich aber schon drei Jahre.

    Tja, .... grinsen
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  •   auchmalsenfdazu
    (3026 Beiträge)

    glücklich
    sieht er jedenfalls nicht aus, wenn man ihn hinter der Glasscheibe beobachtet.

    Man kann nur hoffen, dass er sich - wie wir Menschen- nicht an die Anfänge seines Lebens erinnert. Sonst wäre es noch schlimmer für ihn zu ertragen, was er in seinem Leben verpasst.
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  •   ROMY
    (146 Beiträge)

    BENNY
    Sicherlich gibt es geeignetere Orte für Schimpansen.Aber vielleicht stimmt hier das Sprichwort"alte Bäume sollte man nicht verpflanzen" Benny wünsche ich noch viele gesunde Jahre im Karlsruher Zoo.
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  •   andip
    (8124 Beiträge)

    Eben
    Der "Affenstall" da ist sicherlich nicht der idealste.
    Aber Benny jetzt einfach in die Freiheit setzen? Das wäre sein garantierter Tod.
    Oder was wollen die Tierschützer?
    Im übrigen, wenn der so alt wurde, kann dessen Haltung nun auch nicht so schlimm gewesen zu sein.
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