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Karlsruhe Gondeln statt Autos: Die Lösung des Karlsruher Verkehrsproblems?

Rund 23 Minuten täglich stand jeder Karlsruher im vergangenen Jahr durchschnittlich im Stau. Jede Menge Pendlerverkehr und Baustellen lassen die Blechlawine an vielen Stellen stocken. Ein Karlsruher Forscherteam nimmt nun ein neues Verkehrsmittel in den Blick: Seilbahnen. Eine denkbare Alternative in Karlsruhe?

Ganz problemlos in eine Gondel einsteigen und bequem von A nach B kommen? In der bolivianischen Stadt La Paz soll das zum Alltag gehören. Bis 2019 plant die Stadt das weltweit größte innerstädtische Seilbahnnetz der Welt. Bis zu 1.400 Kabinen sollen dann im Einsatz sein, und dann rund 30 Kilometer Streckennetz fassen. 

Und auch in deutschen Städten findet die Idee einer städtischen Seilbahn immer wieder Anhänger - so auch in Baden-Württemberg. In Konstanz wird eine Luftseilbahn bereits breit diskutiert; auch in Stuttgart gibt es Szenarien für eine Stadtseilbahnstrecke. Könnte eine solche Seilbahn auch Verkehrsproblem in anderen Städten wie etwa auch in Karlsruhe lösen? Ein Forscherteam aus der Fächerstadt will Klarheit schaffen. 

Seilbahnen als Alternativen für verkehrsgeplagte Städte

Max Reichenbach und seine Kollegin Maike Puhe vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wollen ausloten, wie Bürger staugeplagter Städte in Baden-Württemberg zu Stadtseilbahnen als öffentlichem Verkehrsmittel stehen. "Wir haben in den vergangen Jahren beobachtet, dass diese Idee immer aufgegriffen wurde", schildert Reichenbach im Gespräch mit ka-news. Die Erfahrungen aus La Paz seien dabei aber nicht unbedingt auf deutsche Städte übertragbar, so der KIT-Mitarbeiter. 

Im Zuge ihres Projektes "Hoch hinaus in Baden-Württemberg" wollen die beiden Forscher zunächst in drei gewählten Städten - Konstanz, Stuttgart und Heidelberg - ab Ende März Bürger- und Expertengespräche abhalten. Konkrete Umsetzungsvorschläge für Städte wollen die beiden Karlsruher Forscher aber nicht machen. Das sei die Aufgabe der Verkehrsplaner, so Reichenbach: "Uns geht es nicht konkret um diese drei Städte, sondern um die Rahmenbedingungen für das Verkehrsmittel. Wo hakt es noch? Und wo gibt es Chancen?" Daraus könnten sich anschließend Empfehlungen für die Politik ergeben. 

Chancen und Probleme für die Idee in Karlsruhe 

Eine Luftseilbahn innerhalb der Fächerstadt? Ganz neu wäre eine solche Idee nicht. So steht aktuell die Idee im Raum - als einer von insgesamt vier Vorschlägen -  die Turmbergbahn nach 2019 durch Gondeln zu ersetzen. Mit der Fächerstadt selbst haben sich Reichenbach und Puhe bislang noch nicht auseinandergesetzt. "Hier ist noch niemand auf uns zugekommen", meint der KIT-Forscher. 

An der Topographie der Fächerstadt allein würde es nicht scheitern. Luftseilbahnen kenne man zwar hierzulande eher aus der Alpenregion, eine nötige Grundvoraussetzung für eine ÖPNV-Luftseilbahn sei das aber nicht, so Reichenbach im Gespräch mit ka-news. Laut seiner Studie könnten Seilbahnen bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern eine sinnvolle Alternative zu Bussen oder Straßenbahnen sein. Die Gondeln könnten dabei Berge überqueren, aber beispielsweise auch Flüsse oder große Bauwerke. 

Ein weiterer Vorteil der Gondeln: Sie könnten laut der Karlsruher Studie mit wenig Wartezeit, Barrierefreiheit und Fahrradmitnahme ermöglichen. Darüber hinaus wären Seilbahnen vergleichsweise sparsam, was den CO2-Ausstoß und andere Luftschadstoffemissionen betrifft. In Karlsruhe wurde allein im Januar dieses Jahres neun Mal der Feinstaub-Grenzwert überschritten. 

Eine Seilbahn würde in Karlsruhe aber auf Probleme bei der Umsetzung stoßen. So erlaubt eine Bahn nur eine linienhafte Trassenführung - Kurven sind für dieses Verkehrsmittel ein Problem. Um das volle Potential urbaner Seilbahnen auszuschöpfen sind außerdem nur wenige Haltepunkte bedienbar, heißt es weiter. Wie aus der Studie hervorgeht, könnten sie Busse und Bahnen nicht vollständig ersetzen, sondern vielmehr ergänzen. Weitere potentielle Probleme: Beschwerden von Anwohnern oder der Denkmalschutz, schildert Reichenbach.

Es bleibt daher abzuwarten, wie die Karlsruher Verkehrsplaner die Ergebnisse der KIT-Forscher bewerten. Eine Stellungnahme der Stadt, ob man für die Idee offen wäre, steht derzeit noch aus. Ein häufiges Problem bei diesem Verkehrsmittel ist laut Reichenbach die Anbindung an den bereits bestehenden ÖPNV. 

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