Karlsruhe Feinstaub in Karlsruhe: Atmen wir saubere Luft?

Die Feinstaubbelastung in Karlsruhe bleibt trotz der zahlreichen Baustellen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert. Rein ist die Karlsruher Luft deshalb aber nicht: Der Ausstoß des für Mensch und Umwelt schädlichen Stickstoffdioxid ist in der Fächerstadt zu hoch. Was sich ändern muss und welche Rolle die Umweltzone spielt - ka-news hat nachgehakt.

"Die Luftqualität in Karlsruhe ist vergleichbar mit der in Mannheim, Freiburg oder Heidelberg", erklärt eine Sprecherin der Stadt auf Nachfrage von ka-news. Damit ist die Luft in der Fächerstadt deutlich besser als zum Beispiel in Stuttgart oder Tübingen: "Dort sind die Grenzen der Schadstoffwerte überschritten und deutlich höher als in Karlsruhe", so die Sprecherin.

Bei der Betrachtung der schädlichen Stoffe in der Luft spielen zwei Werte eine besondere Rolle. Zum einen die Einhaltung der Feinstaub-Grenze - in der Fächerstadt, anders als in der Landeshauptstadt, wird diese Vorgabe erfüllt. Anders verhält es sich in Sachen Stickstoffdioxid: Dieser Wert wird in Karlsruhe überschritten. Keine Seltenheit - auch in den Nachbarmetropolen stellen die Zahlen diesbezüglich ein Problem dar.

"Baustellen spielen keine messbare Rolle"

Dabei sind diese zulässigen Grenzwerte genau definiert. Die Sprecherin erläutert: "Der Grenzwert für Stickstoffdioxid beläuft sich auf einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter jährlich." So gebe es hinsichtlich dessen Nachholbedarf.

Für Feinstaub seien eher kurzzeitige Werte von Bedeutung. So darf der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter innerhalb eines Jahres maximal an 35 Tagen überschritten werden. Die Einhaltung dieser Werte wird in Karlsruhe an zwei Orten gemessen: In der Reinhold-Frank-Straße und in der Messstation "Karlsruhe-Nordwest" in der Daimlerstraße.

Durchschnittliche Feinstaubwerte trotz der Belastung durch Baustellen in der Fächerstadt? "Die Baustellen in der Stadt spielen keine messbare Rolle. Wenn Staubentwicklung aufkommt, bleibt diese auf die direkte Umgebung beschränkt." Zudem bedeuteten Baustellen nicht immer automatisch Verkehrsstau und damit eine stärker belastete Luft: "Viele Verkehrsteilnehmer meiden die Baustellenbereiche, das kann wiederum zu einem Rückgang der Emissionen führen", so die Sprecherin.

JU: "Umweltzone ist ein unsozialer Eingriff in die Mobilität"

Welchen Anteil am Feinstaubwert die 2009 eingerichtete Umweltzone in der Fächerstadt hat, ist dabei umstritten. In einer Pressemitteilung spricht sich die Karlsruher Junge Union (JU) noch heute klar gegen die Zone mit der grünen Plakette aus. Der JU-Kreisvorsitzende Daniel Gertjets erklärt: "Die Umweltzone hat auf die Feinstaubbelastung keinen nennenswerten Einfluss, wohl aber ist sie ein unsozialer Eingriff in die Mobilität unzähliger Autofahrer. Wir fordern die Stadt Karlsruhe auf, die Konsequenzen zu ziehen und die Umweltzone abzuschaffen."

Diese Einschätzung teilt die Stadt jedoch nicht. Gegenüber ka-news macht die Sprecherin deutlich: "Die Umweltzone ist als wirksamste Maßnahme zur Luftverbesserung ermittelt worden." Zudem sei sie mit Blick auf EU-Vorgaben - besonders in Sachen Grenzwertüberschreitung bei Stickstoffdioxid- notwendig, erklärt sie weiter.

Modernere Autos sollen Besserung bringen

Jedoch ist nicht prüfbar, wie der Wert der Emissionen durch die "grüne Zone" tatsächlich verändert wird. Auf Nachfrage von ka-news erklärt eine Sprecherin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), die auch für die beiden Messstationen in Karlsruhe zuständig ist: "Die Minderungen durch die Umweltzone auf die Konzentration der Emissionen sind nicht quantifizierbar."

Erklärtes Ziel der Stadt ist, in den kommenden Jahren den Grenzwert für Stickstoffdioxid einzuhalten: "Die Prognosen der LUBW gehen davon aus, dass dies spätestens 2025 der Fall sein wird", erklärt die Sprecherin. Durch die Modernisierung einiger Fahrzeuge rechne man mit immer kleiner werdenden Schadstoffausstößen. Überdies sagt die Sprecherin: "Die Stadt Karlsruhe hat mit ihrem Verkehrsentwicklungsplan die Weichen für einen stadtverträglichen Verkehr gestellt."

Liebe Community, ab sofort ruft ka-news jede Woche zwei Mal zur Themen-Diskussion auf: Montags und donnerstags veröffentlichen wir ein spezielles Debatten-Thema inklusive Umfrage - wir möchten Sie dazu ermuntern, mit anderen Usern sachlich und themenbezogen zu diskutieren. Kontroverse Diskussionen sind durchaus erwünscht, aber bitte bleiben Sie dabei stets sachlich und beachten Sie unsere Netiquette. Unser Ziel ist es, einen qualitativ hochwertigen und sachlichen Meinungsaustausch zu einem bestimmten Thema zu fördern und unter einem Artikel zu bündeln.

Braucht es die Umweltzone in Karlsruhe wirklich? Oder ist nur sie ein unnötiger Eingriff in den Verkehr? Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie diese als Kommentar unter den dazugehörigen Debatten-Artikel. Hier geht's zur Debatte!

Informationen zu den Schadstoffgruppen und den zugehörigen Plaketten finden Sie hier. (Externer Link)

Klicken Sie hier, um zu den aktullen Schadstoffmessungen der LUBW zu gelangen. (Externer Link)

Mehr zum Thema bei ka-news:

Feinstaub in Karlsruhe: Mehr als 10.000 Umweltsünder

Karlsruher Verkehrsentwicklungsplan: Stadt hat erste Projekte umgesetzt

Gemeinderat: Ohne grüne Umweltplakette ab 2013 Fahrverbot in Karlsruhe

Karlsruhe sieht nicht mehr Rot: Umweltzone 2012 verschärft - weniger Extrawürste

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.